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Kritische Betrachtung der Jury: Die Juroren nahmen die insgesamt 63 Arbeiten unter die Lupe. Die Sieger werden heute gekürt.

Jugend forscht in Schongau

Im Eldorado der Nachwuchs-Forscher

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Die 14. Auflage des von der Firma Hoerbiger ausgerichteten Regionalentscheids von Jugend forscht und Schüler experimentieren zeigt eine beeindruckende Innovationsfreude des Nachwuchses. Wir haben uns einige Gerätschaften und Versuche angeschaut.

Schongau – Realschulleiter Armin Eder saust auf dem Solar-Longboard durch die Halle, an einem Stand legen „heiße Vögel coole Eier“ und ein Neunjähriger doziert gekonnt über die „Optimierungen der Urzeitkrebszüchtung“: Die Lechsporthalle in Schongau hat sich gestern in ein Eldorado der Nachwuchswissenschaftler verwandelt. Die 14. Auflage des von der Firma Hoerbiger ausgerichteten Regionalentscheids Jugend forscht und Schüler experimentieren ist eine der größeren. Mit 105 Teilnehmern und 63 Experimenten wird die Veranstaltung aus dem vergangenen Jahr leicht in den Schatten gestellt: Damals waren es in der Peitinger Schlossberghalle „nur“ 48 Projekte mit 85 Teilnehmern.

Damals wie heute mit von der Partie waren und sind Samuel Kroiß (14) und Jakob Sprenzel (14) aus dem Schongauer Welfengymnasium. Verstärkt werden sie heuer von Mitschüler Tobis Adler, der mit ihnen begeistert im Wahlkurs „Erfinderwerkstatt“ an ausgefallenen Gerätschaften tüftelt. Dem Trio waren im Gymnasium zuletzt massenweise DVD-Laufwerke aus alten Computern in die Hände gefallen, die zwar noch funktionierten, aber nicht mehr gebraucht werden. Die drei montierten die Laufwerke hinter einer Plexiglasscheibe, verbanden sie mit etlichen Drähten zu einem Computer, schrieben ein Programm und fertig war die DVD-Laufwerk-Uhr. Je nachdem, welches der insgesamt 28 Laufwerke gerade ein- oder ausfährt, zeigen ihre Schatten hinter Glas die aktuelle Uhrzeit. So ganz wollte das Ein- und Ausfahren gestern allerdings noch nicht klappen. „Es gibt Rückkopplungen, wir haben noch keine Lösung“, bedauerten die drei, noch bevor die Jury um die Ecke bog.

Mit Solarstrom unterwegs: Pascal Emter (l.) und Caspar Krefft (verdeckt) schickten Realschulrektor Armin Eder mit ihrem solarunterstützten Longboard auf die Reise.

Wie am Schnürchen lief es derweil bei den Kollegen vom Füssener Gymnasium, die mit ihrem Solar-Longboard kreuz und quer durch die Halle düsten. 2017 mussten sich Caspar Krefft (17), Pascal Emter (17) und Daniel Gruber (18) noch mit dem Teilnehmerpreis begnügen. Heuer sollte mit ihrer dritten Generation des Boards, dessen Akkus vom Sonnelicht geladen werden, mehr drin sein. Das Gefährt kann nicht nur mit einem Joystick, sondern auch via Bluetooth mit dem Smartphone gesteuert werden. Für satten Sound sorgen überdies drei Lautsprecher im Board, das größte Argument aber ist sein praktische Nutzen sein: „Die Grundidee ist, dass der Pendler das Board zum Weg in die Arbeit nutzt“, erläutert Caspar Krefft. „Während der Arbeit legt er es aufs Fensterbrett, nach acht Stunden ist es wieder voll“, fügt der 17-jährige Steingadener hinzu. Knapp 30 Kilometer am Stück schafft das drei PS starke Board mit einer Ladung, und auch die Höchstgeschwindigkeit ist beachtlich: „Bei 50 km/h hat unseren Piloten der Mut verlassen“, lachen Krefft und Emter über den Kollegen Gruber, der gestern bei der Präsention des gemeinsamen „Space Taxis“, nicht dabei sein konnte. Er ist bei der Bundeswehr und bekam nicht frei, bedauern seine Freunde. Bei der Vergabe der fünf ersten Plätze des Regionalentscheids „Jugend forscht“ dürften die drei bestimmt ein Wörtchen mitreden.

In der Kategorie „Schüler experimentieren“, in der die 8- bis 14-Jährigen am Start sind, macht sich derweil Johannes Siegl (9) aus Schwabbruck berechtigte Hoffnung auf eine gute Platzierung. Er führte gestern an seinem Stand den Beweis, dass die Aufzucht von Urzeitkrebsen professioneller vonstatten gehen kann, als es die diversen Anbieter der Experimentier-Kästen vormachen. Statt einer stromfressenden 60-Watt-Glühbirne nutzt der Neunjährige eine LED-Lampe, für warmes Wasser sorgt eine Beckenbodenheizung; die Tierchen fühlen sich wohl. Den Urzeitkrebsen seines jüngeren Bruders erging es im vergangenen Jahr nicht so gut. „Sie sind nach kurzer Zeit gestorben“, berichtet Johannes, dem dann die Idee der Optimierung gekommen war.

Bei Hoerbiger ist man beeindruckt von dem Einfallsreichtum des Nachwuchses: „Die Teilnehmer schaffen es immer wieder, ihre Arbeiten nicht nur logisch, sondern auch sehr kreativ zu gestalten“, lobt Kerstin Giebel, Patenbeauftragte von „Jugend forscht“ bei der Schongauer Firma. Die innovativen Projekte im Regionalentscheid würden zeigen, dass es im Voralpenland zahlreiche begabte Nachwuchskräfte in den Bereichen Naturwissenschaft und Technik gebe. „Hoerbiger wird die Förderung dieser Talente auch weiterhin forcieren und den Wettbewerb nachhaltig unterstützen“, verspricht Giebel.

Für die Teilnehmer des diesjährigen Regionalentscheids wird es am heutigen Donnerstag ernst. Zunächst zeigen sie den Juroren und der interessierten Öffentlichkeit von 8.30 bis 13 Uhr noch einmal ihre Experimente, um 15 Uhr werden dann im Jakob-Pfeiffer Haus die Sieger gekürt. Für die Gewinner von Jugend forscht geht es dann im nächsten Schritt zum Landeswettbewerb nach München, die Sieger von Schüler experimentieren treffen sich zum Landesentscheid in Dingolfing. 

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