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Eine Familie auf Wohnungssuche in Schongau: Matthias Theuerl mit seiner Lebensgefährtin Sabrina Cazacu und den Kindern Jeremy, Dean und Marina.

Gerichtsvollzieher kommt am 30. August

„Nur noch ein Wunder kann uns retten“

Viel Zeit bleibt für Matthias Theuerl und seine Familie nicht mehr, um eine neue Wohnung in Schongau zu finden. Am 30. August kommt der Gerichtsvollzieher.

Schongau – Verzweiflung macht sich breit. „Wir haben bald keine Kraft und keine Energie mehr“, sagen Matthias Theuerl und seine Lebensgefährtin Sabrina Cazacu. Seit fast acht Monaten kämpfen sie darum, dass sie in ihrer Mietwohnung in der Hans-Böckler-Straße 8 in Schongau-West bleiben dürfen. Inzwischen haben sie die Hoffnung aufgegeben. „Jetzt kann uns nur noch ein Wunder retten“, sagt Matthias Theuerl.

Im vergangenen Dezember, drei Tage vor Weihnachten, hat die Familie – seit 2008 in Schongau – die Kündigung von der Miranda Vermögensverwaltung erhalten, wegen angeblicher Mietschulden in Höhe von knapp über 1000 Euro. „Tatsächlich waren es nur 480 Euro“, rechnet Matthias Theuerl vor. Er ist davon ausgegangen, dass das Jobcenter die Miete direkt an die Miranda Vermögensverwaltung in Dresden überweist. „Dort ist das Geld offenbar nicht angekommen“, schildert der arbeitslose Familienvater aus seiner Sicht.

Da Theuerl davon ausgegangen ist, dass die Wohnungskündigung nicht rechtens ist, zog er vor Gericht – doch ohne Erfolg. Auch ein angestrebter Vergleich mit dem Vermieter ist nicht zustande gekommen.

Dann kam das Schreiben des Gerichtsvollziehers

Anfang August erhielt Theuerls Lebensgefährtin Sabrina Cazacu ein Schreiben vom Gerichtsvollzieher. Der kündigte an, dass er am 30. August die Räumung der Wohnung an Ort und Stelle vornehmen werde, falls der Auszug bis zu diesem Termin nicht freiwillig erfolgt sei.

Sollte die Wohnungstür zum Zeitpunkt der Zwangsräumung nicht geöffnet werden bzw. verschlossen sein, will sich der Gerichtsvollzieher anderweitig Zugang verschaffen und die vorhandenen Sachen solange in Gewahrsam nehmen, „bis sämtliche Kosten bezahlt sind“.

Ein Auszug würde der Familie schwerfallen. Seit drei Jahren lebt sie in dieser Wohnung (knapp 74 Quadratmeter, 590 Euro Miete). „Unsere Kinder haben sich an den Spielplatz vor dem Haus gewöhnt“, erzählt Matthias Theuerl. Der ältere Bub Jeremy (7) kommt im September in die Schule, Dean (5) kann eine Schulvorbereitungsklasse in Altenstadt besuchen, und für Marina (3) gibt es bereits einen Kindergartenplatz in Schongau.

Alle Beteiligten arbeiten an einer schnellen Lösung

„Wenn wir keine Wohnung bekommen, nimmt das Jugendamt unsere Kinder in die Obhut, und unsere Familie wird auseinandergerissen“, befürchtet Matthias Theuerl. Auch bei der Stadt Schongau ist er schon vorstellig geworden und hat um Hilfe gebeten.

„Die betreffende Familie ist bereits seit geraumer Zeit für eine städtische Wohnung vorgemerkt und wird vom Wohnungsamt, der Herzogsägmühler Fachstelle und dem Jugendamt betreut“, teilt Rathaussprecherin Yvonne Voigt auf Anfrage mit. Die 90 städtischen Wohnungen – besonders die der Familiengröße angemessenen Drei- bis Vierzimmerwohnungen – seien derzeit alle belegt, und es werde voraussichtlich bis zum 30. August auch keine frei. „Alle beteiligten Stellen sind aber hoch aktiv, um vor diesem Termin eine Lösung zu finden“, verspricht Voigt.

von Michael Gretschmann

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