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Unter der Lechtalbrücke flussaufwärts führt die Route – auf Höhe Rossau wird kehrt gemacht.

Leinen Los für Lechfloß

Viel Gaudi bei der Jungfernfahrt

Leinen los! Gestern Vormittag legte das Schongauer Lechfloß zur ersten offiziellen Jungfernfahrt ab. Bis Ende September kann der Lech damit an den Wochenenden erkundet werden.

Schongau – Angefangen hat alles mit einem kleinen Modell eines Floßes, das Hans Hartung, Vorsitzender des Tourismus Vereins, in das Schongauer Rathaus mitbrachte. „Ich war gleich von der Idee begeistert“, erinnert sich Bürgermeister Falk Sluyterman an die gemeinsame Besprechung im Januar 2015. Gute zweieinhalb Jahre später machte sich gestern das Original zu seiner ersten offiziellen Jungfernfahrt auf dem Lech auf.

Prost! Hans Hartung, Helmut Schmidbauer und Floßbauer Simpert Christa stoßen auf die Jungfernfahrt an.

Bevor es Leinen los hieß, segnete Stadtpfarrer Norbert Marxer das sieben Meter breite und 17, 5 Meter lange Floß, sowie die sich an Bord befindenden Ehrengäste. Er scherzte: „Im Gegensatz zur allzeit guten Fahrt brauche ich ja immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel nicht zu wünschen“, das Floß habe ja schließlich keinen. Zu den Klängen des Liedes „Floß ahoi“, vorgetragen von drei Alphornbläsern, setzte sich das 30 Tonnen schwere Floß in Bewegung. Für Vortrieb sorgt der 30 PS starker Außenbordmotor: Flussaufwärts führt die Route zunächst Richtung Lechtalbrücke.

Weiß wo es lang geht: Alois Sporrer übernimmt den Job des Aufrichters und steuert das Floß über den Motor.

Welch lange Tradition die Flößerei in Schongau hat, erläuterte Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer. Schon vor gut 2000 Jahren nutzten die Römer den Lech, nach der Eroberung des Gebietes, als Transportmittel für ihre Ausrüstung. Außerdem flößten sie Handelswaren von Füssen nach Augsburg. Zur Blütezeit der Flößerei auf dem Lech um das Jahr 1600 zählte Augsburg 3500 Floße pro Jahr. Vor allem Holz und Kalk, aber auch Öl, Holzkohle, Vieh, Molkereiprodukte, Zinn, Blei und Waren aus dem Süden wie Wein nahmen den Weg über die Wasserstraße. Auch im 19. Jahrhundert war das Floßaufkommen noch annähernd gleich stark. Doch das änderte sich mit der Kanalisierung des Lechs und später mit der Kraftwerkspolitik der Zwischenkriegsjahre. Lediglich einige Vergnügungsfahrten mit einem Floß von Schongau nach Landsberg aus dem Jahr 1928 sind seitdem laut Schmidbauer überliefert.

Bei Flusskilometer 132,2 auf Höhe Rossau wendet das Floß. Auf der Rückfahrt führte Stephan Jüstl das Wort. Er ist der Gebietsbetreuer in Diensten des Projekts „Lebensraum Lechtal“ und übernahm die Ausbildung der Stadtführer in Theorie und Praxis zum Thema „Naturraum Lech, ökologische Aspekte und Naturschutz“. Als Gebietsbetreuer hat er sich auch bei Behörden und Naturschutzverbänden für die Umsetzung des Vorhabens „Erlebnis Lechfloß“ eingesetzt. Jüstl erklärt, dass der Lech die Brücke von den Alpen zum Jura ist: „Mindestens 150 Pflanzenarten sind darauf hin und her gewandert“, diese Artenvielfalt gelte es nun zu erhalten.

Mit festem Boden unter den Füßen zieht Schongaus zweiter Bürgermeister Tobias Kalbitzer ein erstes Fazit: „Die Schönheit des Lechs wurde nur von der guten Stimmung auf dem Boot übertroffen.“

Von Franziskus Reich

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