+
Womöglich schlummern noch  jede Menge Kampfmittel im Mühlkanal. Sie stammen vom letzten Gefecht der deutschen Soldaten gegen die vorrückenden US-Amerikaner im Zweiten Weltkrieg.

Kampfmittel im Mühlkanal

Die Reste des „letzten Gefechts“

  • Jörg von Rohland
    VonJörg von Rohland
    schließen

Die Waffen im Schongauer Mühlkanal sind Überreste des „letzten Gefechts um Schongau“ im Zweiten Weltkrieg. Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer wünscht sich ein Denkmal, das an den Tag im April 1945 erinnert. Das Staatliche Bauamt bereitet derweil die Kampfmittelräumung vor.

Schongau – „Es würde dem Staatlichen Bauamt hoch angerechnet werden, wenn im Zuge dieses von Verwünschungen begleiteten Brückenumbaus vielleicht ein kleines Erinnerungsdenkmal an die dramatischen Tage im Frühjahr 1945 errichtet würde“, meint der Schongauer Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer.

Während das Staatliche Bauamt bekanntlich von Granaten und Minen im Kanal kalt erwischt wurde, wundert sich Schmidbauer kein bisschen darüber. In seinem Buch „Das Kriegsende in Schongau“ hatte der Kreisheimatpfleger schon vor Jahren dramatische Gefechte geschildert, die sich am 27. April 1945 am Kanal in Schongau abspielten.

Die Deutschen Soldaten leisteten den vorrückenden Amerikanern damals am Lech erbitterten Widerstand: Ein Kommando der Waffen-SS jagte zunächst die große Lechbrücke in die Luft. Kurz zuvor hatte noch eine Vorausabteilung der US-Armee mit zwei Panzerwagen und einem Jeep die Brücke überquert. Das Vorauskommando war jetzt ohne Rückweg abgeschnitten. Auf der rechten Lechseite und am Helgoland hatten sich Gebirgsjäger aus Mittenwald und SS-Kommandos festgesetzt. Die Gebirgsjäger gruben sich oberhalb des Fabrikkanals ein und nahmen die Amerikaner bis in den Abend mit Gewehr- und MG-Salven unter Beschuss. Die Panzerwagen des Vorauskommandos und angreifende Tiefflieger schalteten letztlich die Abwehrstellung der Deutschen aus. Die Soldaten zogen sich nach Peiting zurück und entledigten sich auf dem Weg ihrer Waffen im Mühlkanal. Was sie zurückließen, dürften später die Amerikaner hinterhergeworfen haben.

Fünf gefallene deutsche Soldaten wurden noch am Tag des letzten Gefechts von ihren Kameraden an der Kanalbrücke in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt. Mitte Mai 1945 wurde das Massengrab geöffnet. Die sterblichen Überreste der fünf Soldaten wurden zusammen mit 15 weiteren Gefallenen im Stadtfriedhof beigesetzt. 1951 wurden sie wiederum in den Soldatenfriedhof in Schwabstadel umgebettet.

Im Staatlichen Bauamt gab es nach Angaben von Projektleiter Christoph Prause bislang noch keine Überlegungen für ein Denkmal an der neuen Kanalbrücke. Er will das Thema aber demnächst mit dem Schongauer Bürgermeister Falk Sluyterman besprechen, stellt Prause in Aussicht.

So geht‘s weiter:

Er habe sich im wesentlichen mit seinen Plänen durchsetzen können, berichtete Christoph Prause gestern nach einer Besprechung mit den Bürgermeistern aus Peiting und Schongau sowie Rettungskräften, Polizei, Feuerwehr und Vertretern der Firma UPM. Nach Angaben des Projektleiters des Staatlichen Bauamts in Weilheim soll in der Nacht von Montag auf Dienstag damit begonnen werden, den Mühlkanal im Bereich der derzeitigen Brückenbauarbeiten auszugraben. Der Schlamm wird abgelegt und nach Kampfmitteln abgesucht (wir berichteten). Die Straßen über den Kanal bleiben voraussichtlich in der Zeit von 20 bis 6 Uhr komplett gesperrt. Je nach Fortschritt der Arbeiten wird das auch in den darauffolgenden Nächten der Fall sein. Die Umleitungsstrecke wird entsprechend ausgeschildert.

Auf den Zugverkehr wird die Kampfmittelbeseitigung Prause zufolge keine Auswirkungen haben. Für Fußgänger und Radfahrer bleibt die Brücke über den Mühlkanal in den Nächten aber ebenfalls gesperrt. Das ist vor allem für Peitinger ärgerlich, die den Historischen Markt in Schongau besuchen. Sie werden gebeten, bis 22 Uhr den Zug zu nehmen. In der Zeit nach 22 Uhr bringt vom Schongauer Bahnhof aus ein Shuttlebus die Besucher des Historischen Marktes über die Westumgehung nach Peiting

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare