+
Ärgert sich maßlos, wie mit den Anwohnern der Baustelle im Vorfeld umgegangen wurde. Werner Geretzhuber wünscht sich nun einen Ortstermin mit Politikern.

Kanalbrücken-Baustelle in Schongau

„Jetzt reicht‘s!“: Anwohner fordern Aussprache in der „Chaosstraße“

  • schließen

„Uns reicht’s jetzt!“ Mit diesen Worten eröffnet Werner Geretzhuber, vielgeplagter Anwohner der Peitinger Straße in Schongau, seinen Beschwerdereigen. Gemeinsam wollen sich die Bürger nun Gehör verschaffen. Ihr Anliegen: Den Lärm und Stau an der Ampel der Kanalbrückenbaustelle auf ein Minimum zu reduzieren.

Schongau – „Die Anwohner fühlen sich wie den letzten Dreck behandelt“, bringt es der 73-jährige Werner Geretzhuber auf den Punkt. „Wären wir ein Nobelviertel, hätte man bestimmt im Vorfeld mit jedem Einzelnen von uns im Detail gesprochen.“ Das ist es, was den Anwohner der Peitinger Straße auf die Palme gebracht hat und noch immer so ärgert. Im Namen von einer Reihe Anwohnern, nach seinen Schätzungen rund 80 Prozent der dort ansässigen Bürger, bemängelt Geretzhuber vor allem die fehlende Kommunikation im Vorfeld der Baustelle mit dem Staatlichen Bauamt. Wollte er seine Kritikpunkte jüngst schon in der Bürgerversammlung loswerden, sei ihm dort mit dem Hinweis, dass man lediglich Fragen stellen dürfe, das Rederecht entzogen worden. Daher initiiert er nun einen offenen Brief an Landrätin Andrea Jochner-Weiß sowie an die beiden Landtagsabgeordneten Florian Streibl (Freie Wähler) und Harald Kühn (CSU). Eine Abschrift soll auch an Innenminister Joachim Herrmann gehen.

„Wir wenden uns an Sie, mit der Bitte, dringend mit den Anwohnern dieser Chaosstraße zu sprechen und sich vor Ort ein Bild einer Baustelle zu machen, die so von uns nicht gewollt ist“, formuliert es der Senior. Von Anfang an sei bei der Kommunikation der Wurm drin gewesen. Schon die Firma, die die Baustelle eingerichtet hat, habe nicht den richtigen Ton getroffen. Der Hinweis an die Anwohner – eine Aufforderung, außerhalb der Grundstücke gelagerte Gegenstände zu entfernen – habe sich eher so angehört, „als würden hier nur Asoziale wohnen“, beschreibt es Geretzhuber. Auch das Verhalten der ortsansässigen Polizei müsse ein Diskussionspunkt sein, schreibt der Schongauer weiter. Man fühlt sich von der Polizei im Stich gelassen. Kontrollen würden zwar durchgeführt, aber eher sporadisch. Vor allem müssten doch aber die vielen Falschfahrer bzw. jene Autofahrer, die bewusst den derzeit rechtswidrigen Weg Richtung Peiting wählen würden, konsequent belangt werden. Erst recht das Durchfahren bei roter Ampel. „Das kann man doch auch einfach regeln über einen Blitzer“, schlägt Geretzhuber vor.

Die von der Kanalbrücken-Baustelle betroffenen Anwohner wünschen sich eine Ortsbesichtigung mit den Politikern, bei der sie ihre Sorgen und Nöte loswerden können. Und davon gibt es mehr als genug. Geretzhuber: „Vor allem wünschen sich die Anwohner feste Regelungen, um die Lärmbelästigung auf ein erträgliches Maß zu drücken.“ Allein gestern Morgen seien wieder mehrere große Lkw ohne Durchfahrerlaubnis in Richtung Peiting unterwegs gewesen. Nach wie vor stehen regelmäßig Falschfahrer vor der roten Ampel, hat Geretzhuber beobachtet. Rund 50 Prozent der Fahrzeuge hätten ein auswärtiges Kennzeichen. Offensichtlich reiche die Beschilderung noch immer nicht aus, unkundige Kraft- oder Autofahrer über die Umgehungsstraße in Richtung Peiting zu lenken. Mitleid hatte Geretzhuber dann aber gestern mit einer Frau am Steuer eines Sattelschleppers. „Ausgerechnet die Lkw-Fahrerin haben sie dann das ganze Stück rückwärts fahren lassen“, berichtet er.

Seit Mitte dieser Woche ist eine „intelligente Ampel“ an der Kanalbrücken-Baustelle installiert, die in Richtung Peiting nicht mehr automatisch auf Grün springt, sobald ein Auto davor wartet, sondern die über eine – natürlich geheim gehaltene – Handynummer geschaltet werden kann. Offiziell dürfen den kurzen Weg Richtung Marktgemeinde aber nur Einsatzkräfte der Polizei, von Feuerwehr und Rettungsdienst benutzen sowie einige Bus- und Taxiunternehmen und die Fahrer der Firma Drosdz, die direkt die Papierfabrik beliefern.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Zum Huterer“: Einbruch nach der Musiknacht
Die Musiknacht „Sound in the City“ endete für ein Schongauer Lokal gar nicht friedlich: Beim „Huterer“, Kaffeehaus und Cocktailbar in der Weinstraße, wurde eingebrochen.
„Zum Huterer“: Einbruch nach der Musiknacht
Kanalanschluss kommt Schwabbrucker teuer
Die Planungen für den Anschluss Schwabbrucks an das Schongauer Klärwerk kommen voran. Im kommenden Jahr soll die Druckleitung verlegt werden, die gemeindliche …
Kanalanschluss kommt Schwabbrucker teuer
Dem Himmel sehr nah
In Hohenfurch wurde Kirchweih gefeiert. Dazu gehört traditionell auch der Langbalken in der Tenne.
Dem Himmel sehr nah
Brauchtum und Verbundenheit
Beim 93. Wildsteiger Leonhardi-Ritt hat einfach alles gepasst: 135 prächtig herausgeputzte Pferde waren dabei, vier Festwagen, drei Landauer, die örtliche Musikkapelle …
Brauchtum und Verbundenheit

Kommentare