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Der Unfallort für die Übung: Im Vordergrund die vier in sich verkeilten Pkws, die auf den Schulbus aufgefahren sind.

Katastrophenübung am Schongauer Krankenhaus

„Maximale Herausforderung und professionelle Zusammenarbeit“

Schreckliche Unfälle mit vielen Verletzten verlangen den Rettungskräften alles ab. Um das Zusammenspiel dieser Retter möglichst real zu üben und vor allem das Personal des Schongauer Krankenhauses auf so eine Situation vorzubereiten, wurde jetzt eine der größten Katastrophenübungen im Landkreis abgehalten.

Schongau Über 300 Personen mit 32 Fahrzeugen kamen bei der Übung in Schongau zum Einsatz. Katastrophenschutz, die Feuerwehren aus Schongau, Altenstadt, Hohenfurch, Peiting, Herzogsägmühle, fünf Notärzte, die Rettungskräfte des BRK sowie Notfallseelsorger und das Kriseninterventionsteam bildeten das Kontingent am Unfallort. Das Krankenhaus selbst setzte seine eigenen Kräfte ein. Über zehn Ärzte sowie 26 Pflegekräfte nahmen den Notfalldienst für die Übung auf. Weiteres Personal für den OP und die Notaufnahme, das eigentlich frei hatte, wurde angefordert. Dabei bemerkenswert: Während der Übung wurde der normale Krankenhausbetrieb ohne Abstriche aufrechterhalten.

Notfallübung am Schongauer Krankenhaus - die Bilder

Fast ein Jahr hat die Vorbereitung für diese Übung gedauert. Als Kreisbrandmeister Uwe Wieland und Katastrophenschutz-Beauftragter Walter Weber an den Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH, Thomas Lippmann, herantraten, um ihre Vorschläge dieser speziellen Notfallübung zu unterbreiten, gab dieser dazu sofort grünes Licht. Interne Notfallübungen und Feuerwehrübungen finden regelmäßig im Krankenhaus statt. Eine solche Großübung jedoch hatte es bis dato noch nicht gegeben.

Der Übungstag. Schon in den frühen Morgenstunden mussten die 80 Komparsen im BRK-Haus durch die Gruppe der „Notfalldarstellung“ geschminkt und präpariert werden. Tags zuvor wurden auf dem Gelände der Strumpffabrik Hanes (ehem. Bellinda) die Fahrzeuge auf ihre Positionen gebracht. Alles sollte real aussehen.

Die Übung selbst. Samstag Vormittag Schlag 9.30 Uhr. Ein Schulbus, besetzt mit 80 Schülerinnen und Schülern fährt auf ein defektes Baufahrzeug auf. Vier nachfolgende Pkw, die nicht mehr bremsen können, fahren ebenfalls auf und verkeilen sich dabei ineinander. Absolute Chaossituation. Verschiedene Anrufe von Schülern gehen gleichzeitig bei der Rettungsleitstelle ein. Es wird Großalarm gegeben, ein Alarmruf erreicht das Krankenhaus Schongau. Eltern werden ebenfalls von Schülern per Handy angerufen. 

Reanimation eines Unfallopfers an der Sammelstelle durch Notärztin und Rettungsassistenten. Leider erfolglos.

Genau sechs Minuten später treffen der Kommandant der Feuerwehr Schongau sowie der Einsatzleitwagen ein. Erste Rettungstransportwagen des BRK folgen. Eine Minute später melden sich die ersten Notärzte. Kommandos und Anweisungen werden gegeben, das Szenario einer Katastrophe beginnt. Während die Wehrmänner von Schongau beginnen, die vier verkeilten Autos zu trennen und die einzelnen Fahrzeuge mit Spreizern zu öffnen, versuchen die Retter aus Hohenfurch und Peiting, in den Schulbus zu kommen. Personen sind zwischen den Sitzen eingeklemmt oder liegen auf dem Hauptgang. Ein Inferno auf engem Raum.

Alles läuft in Echtzeit ab, jeder Verletzte wird registriert und in drei Kategorien eingeteilt. Höchste Anforderung an die Notärzte. Ihre Entscheidungen müssen schnell sein. Die ersten Schaulustigen hängen am Schutzzaun. Verfolgen die Rettung, zücken ihre Handys. Polizei und einige Feuerwehrmänner sperren großräumig ab. Trotzdem gelingt es immer wieder Personen, bis zum Einsatzort vorzukommen. Eine Mutter, die ihr Kind sucht, bekommt einen Schock und dreht völlig durch. Auch sie muss jetzt versorgt werden. Aus den Pkw werden sechs Leichen geborgen. Die Helfer der Notfallseelsorge und das Kriseninterventionsteam sind jetzt gefragt.

In jedem der drei Schockräume im Schongauer Krankenhaus herrscht Hochbetrieb.

Im Krankenhaus sind die ersten Schwerverletzten eingetroffen. Der Ärztliche Direktor Dr. Wilhelm Fischer und Pflegedirektorin Anne Ertel arbeiten in der Einsatzleitung Hand in Hand. Geschäftsführer Thomas Lippmann kommt hinzu und informiert sich über die Lage. Ebenfalls die Landrätin. In allen drei Operationssälen wird operiert, in den drei Schockräumen herrscht Hochbetrieb. Ein aufdringlicher Journalist wird von der Polizei festgenommen. Dr. Thomas Löffler muss bekannt geben, dass ein Kind es „nicht geschafft hat.“

Fast drei Stunden hat die Übung gedauert, die den Rettern alles abverlangt hat. „Wenn du die Schreie hörst und voll am Arbeiten bist, kannst Du nach einer gewissen Zeit nicht mehr wahrnehmen, dass es eine Übung ist“, gibt einer der erschöpften Retter nachdenklich zu. 78 Verletzte wurden versorgt. „Wir müssen immer wieder überprüfen, dass alle Zahnräder ineinandergreifen“, so das Fazit von Walter Weber. „Maximale Herausforderung und professionelle Zusammenarbeit“, so Dr. Fischer.

 Hans-Helmut Herold

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