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„Große Herausforderungen“: Vielen Tankstellen geht Sprit aus – Experten klären auf

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Von: Theresa Kuchler

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Kein Kraftstoff an der Zapfsäule: Einige Tankstellen im Landkreis bekommen derzeit die Lieferengpässe der Mineralöl-Lieferanten zu spüren.
Kein Kraftstoff an der Zapfsäule: Einige Tankstellen im Landkreis bekommen derzeit die Lieferengpässe der Mineralöl-Lieferanten zu spüren. © Hans-Helmut Herold

Viele Autofahrer machen gerade die Erfahrung, dass sie von einer Tankstelle zur nächsten fahren müssen. Der Grund: Sprit-Mangel an der Zapfsäule. Wir haben einmal nachgefragt, woran das liegt.

Landkreis – Weil sich die Tanknadel in seinem Auto immer weiter nach unten bewegte, wollte ein Leser zu Beginn dieser Woche an einer Tankstelle in Weilheim Halt machen. An der Zapfsäule angekommen, musste der Mann allerdings feststellen, dass er hier keinen Sprit bekommt. Es gab schlichtweg keinen Kraftstoff mehr, den die Tankstelle ihm hätte verkaufen können. Auch an zwei weiteren Tankstellen, die der Autofahrer in Weilheim aufsuchte, blieb die Suche nach Benzin erfolglos.

Tatsächlich ist dieser Erfahrungsbericht unseres Lesers kein Einzelfall. Im Moment kommt es häufiger vor, dass die Tankstellen in der Region zu wenig Sprit geliefert bekommen und sich das Angebot an der Zapfsäule dadurch deutlich minimiert. Der Grund dafür liegt in der Logistik – denn die hat gerade mit mehreren Problemen zu kämpfen.

Spritmangel an der Zapfsäule: Auch das Niedrigwasser des Rheins ist Ursache

Auf Nachfrage unserer Zeitung teilt der Wirtschaftsverband „Fuels und Energie en2x“, zu dem etwa Shell, Esso und Jet gehören, die Gründe für die Versorgungsengpässe an Tankstellen mit. So sei zum einen der anhaltend niedrige Wasserspiegel des Rheins dafür verantwortlich, dass „gerade weniger Mineralölprodukte auf dem Fluss transportiert werden können“. Damit fällt ein wichtiger Transportweg für die Sprit-Lieferanten weg. Hinzukommen würden der Teilausfall einer wichtigen Raffinerie in Österreich, der Fahrermangel bei Tankkraftwagen sowie Stockungen bei der Güterbahn.

Der Tankstellen-Verband erklärt weiter, dass gerade zahlreiche Betriebe verstärkt auf Heizöl umstellen, was die Lieferkapazitäten zusätzlich belaste. Immerhin stehen die dann „in dieser Zeit nicht für den Transport von Benzin und Diesel zur Verfügung“. Auch das erhöhte Verkehrsaufkommen in den Sommerferien spielt „Fuels und Energie en2x“ nach eine Rolle, warum viele Tankstellen in Süddeutschland gerade nicht zuverlässig beliefert werden.

Tankstellen-Verband sieht sich „mit großen Herausforderungen konfrontiert“

Der Verband betont gleichzeitig, dass solche Leerstände „immer nur vorübergehend und nicht flächendeckend“ seien und dass es ausreichend Mineralölprodukte auf dem Markt gebe. Aber: „Wir sehen uns mit großen Herausforderungen konfrontiert, Benzin, Diesel oder Heizöl zur rechten Zeit und in ausreichender Menge an die Zielorte zu transportieren“. Dass sich die Situation in nächster Zeit verbessert, sei dem Tankstellen-Verband nach nicht zu erwarten.

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Dass Tanklaster mit frischen Sprit-Lieferungen ausbleiben, ist auch bei der Aral-Tankstelle in Peiting immer mal wieder vorgekommen. „Das ist aber nicht die Regel“, erklärt die Betreiberin Elisabeth Kehrer. An ihrer Tankstelle gibt es im Moment keine Engpässe bei Benzin oder Diesel – nur Super Plus könne gerade häufiger nicht geliefert werden. „Bei der neuen Lieferung war auch wieder kein Super Plus dabei“, sagt Kehrer. Woran das liegt, könne sie nicht sagen. Für den Nachschub an den Zapfsäulen ist Aral selbst zuständig: Sobald die Treibstoffe zu Ende gehen, kümmert sich die Disposition des Konzerns um eine neue Lieferung, sagt die Peitingerin.

„Wer weiß, was noch kommt“: Tankstellen-Betreiber stehen vor Ungewissheit

Kehrer bedauert freilich, wenn sie an ihren Zapfsäulen kein Super Plus anbieten kann. Bei dem Treibstoff handle es sich aber ohnehin eher um ein „Nischenprodukt“, dessen Nachfrage nicht allzu hoch sei. Vor allem Oldtimer-Fahrer würden den Kraftstoff kaufen, erklärt die Betreiberin.

Ob es auch bei der Aral-Tankstelle in Peiting bald zu Mangel von Benzin und Diesel kommt, lässt sich im Moment schwer vorhersagen. „Wer weiß, was noch kommt“, sagt Elisabeth Kehrer und verweist ebenfalls auf die sinkenden Wasserstände des Rheins, die dem Schiffstransport gerade so zu schaffen machen. Bleibt die Logistik-Situation in der Branche weiterhin so angespannt, könnten jedenfalls bald noch mehr Zapfsäulen trocken stehen. Und dann auch in Peiting.

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