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Die Dirigentin Andrea Ammann ist bislang das einzige weibliche Mitglied des Männergesangvereins „Liedertafel Hohenfurch“, hier bei einem Auftritt im Kulze in Schwabniederhofen.

„Das find’ ich nicht gut.“

Kein Steuervorteil mehr für reine Männervereine: Kritik im Landkreis an Vorstoß aus Berlin

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Vereine, die Frauen beziehungsweise Männern die Mitgliedschaft verwehren, soll die Gemeinnützigkeit entzogen werden. So jedenfalls will es Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Was die Vereine im Landkreis zu den Plänen aus Berlin sagen.

Landkreis – In Hohenfurch beim Männergesangverein Liedertafel hat die Nachricht aus Berlin am Montag für Aufregung gesorgt. Kein Wunder, schließlich wäre der Verein von den Steuerplänen von Bundesfinanzminister Olaf Scholz direkt betroffen. Dieser will reinen Männer-Vereinen die Gemeinnützigkeit entziehen. Und genau um solch einen handelt es sich bei der Liedertafel. Zumindest, wenn man streng nach Satzung geht. Denn wie der Vereinsvorsitzende Bernhard Konrad erklärt, steht dort, dass nur Männer Mitglied werden dürfen. Eine Ausnahme habe man bislang nur für Dirigentin Andrea Ammann gemacht. 

Warum man sich in Berlin jetzt plötzlich mit solchen Gedanken trägt, kann Konrad nicht verstehen. „Männerchöre haben nun mal ihre Berechtigung, das ist ein ganz anderes Klangerlebnis als ein gemischter Chor“, betont er. „Für uns ist das auf jeden Fall ärgerlich.“ Wie stark der Verlust der Gemeinnützigkeit den Verein finanziell treffen würde, kann Konrad auf Anhieb nicht sagen. Überhaupt habe es bislang noch keine Möglichkeit gegeben, in der Vorstandschaft über den Vorstoß des Bundesfinanzministers und etwaige Konsequenzen wie eine Änderung der Satzung zu reden. Gleiches gilt für den Frauenverein Hohenfurch, der vor dem gleichen Problem steht.

Frauen spielen bislang auch beim Schongauer Bergsteigerchor keine Rolle – zumindest, was den Sangespart angeht. In der langen Geschichte des Vereins, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert, habe es jedenfalls noch nie eine Anfrage für die Aufnahme einer Sängerin gegeben, weiß Vorsitzender Kurt Müller. Weibliche Mitglieder gebe es dennoch, allerdings nur als fördernde Unterstützerinnen. Zu Scholz’ Vorstoß hat Müller dennoch eine klare Meinung: „Das find’ ich nicht gut.“

Beim katholischen Frauenbund in Peiting sind dagegen – wenig verwunderlich – die Männer Mangelware. Alle 155 Mitglieder sind derzeit Frauen. Das sei allerdings vor allem der Tradition geschuldet, sagt Vorsitzende Marianne Weihmayer. Explizit verboten sei die Mitgliedschaft für Männer in der Satzung nicht, betont sie. „Das wäre ja diskriminierend. Wir würden uns sogar über einen Quotenmann freuen.“ Die Steuerdiskussion treffe ihren Verein damit nicht.

Beim Freundschaftsbund „Schlaraffia Wilhaim“ in Weilheim findet der erste Vorsitzende Wendelin Stückl dagegen deutliche Worte, auch wenn der Freundschaftsbund selbst gar nicht als gemeinnütziger Verein eingetragen ist. „Aus meiner Sicht ist das lächerlich“, sagt er. Dass Frauen bei „Schlarraffia Wilhaim“ keine Rolle spielen, hat für Stückl praktische Gründe. Das Verhalten bei den Sitzungen des Vereins, die in Form eines ritterlichen Spiels stattfinden, würde sich durch die Anwesenheit von Frauen ändern. „Das würde den Spaß des Spiels rausnehmen, hat aber nichts damit zu tun, dass wir die Frauen nicht wollen“, erklärt er.

Eine ähnliche Meinung zum Entzug der Gemeinnützigkeit hat auch Michael Haas, erster Vorsitzender der Bergknappen Penzberg. Man sei zwar nicht davon betroffen, da man auch weibliche Mitglieder habe. Dennoch sei der Vorstoß falsch. Gemeinnützigkeit habe nichts damit zu tun, ob nur Männer oder Frauen einem Verein angehören, findet Haas.

Debatte „viel zu pauschal“

Der Vorsitzenden des Katholischen Frauenbundes „Zweigverein Mariae Himmelfahrt Weilheim“, Christine Lang, ist die Debatte „viel zu pauschal“. „Natürlich gehört Gleichberechtigung zum Beispiel in Gremien, aber beim Ehrenamt sehe ich den Sinn nicht“, erklärt Lang. Es gäbe eben auch Ausnahmen, wo es sinnvoll sei, die Geschlechter zu trennen.

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