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Nachahmer in Niedersachsen: Mit dem Logo aus Schongau protestieren auch in Niedersachsen Bürgerinitiativen aus den Gemeinden Adendorf, Bremervörde, Bützfleth, Buxtehude, Faßberg, Gadenstedt, Hannover, Hanstedt, Moormerland, Oldenburg und Stade gegen die verhasste Satzung. Sie schicken Grüße nach Schongau und danken „für die Weiterreichung des Staffelstabes“. In Schongau bleibt derweil den Strabsgegnern eine Ehrung verwehrt.

Stadtrat lehnt Antrag ab 

Keine Ehrenmedaille für Strabs-Gegner

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Sie haben in Schongau an vorderster Front gegen die Straßenausbau-Beitragssatzung (Strabs) gekämpft und etliche Mitstreiter gewonnen. Eine Ehrenmedaille ihrer Heimatstadt bleibt Irmgard Schreiber-Buhl und Renate Müller dennoch verwehrt. Den Antrag auf die Verleihung hat der Stadtrat schon vor Monaten abgelehnt.

Schongau – Der Schongauer Oliver Koch ist ein großer Bewunderer von Irmgard Schreiber-Buhl und Renate Müller. Schon nach der 20. von insgesamt 30. Montagsdemos hatte er im März den Antrag an den Stadtrat gestellt, den zwei Frauen die Silberne Ehrenmedaille zu verleihen. Sie ist eine hohe Auszeichnungen, die die Stadt nur selten vergibt.

Bekanntlich haben Müller und Schreiber-Buhl einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass der Landtag vergangene Woche die (Strabs) abgeschafft hat. Der Erfolg war im April bereits absehbar, weil zu diesem Zeitpunkt auch die Staatsregierung schon laut über eine Abschaffung nachdachte.

Koch hatte seinem Ansinnen an die Stadträte einen flammenden Appell beigefügt: Irmgard Schreiber-Buhl und Renate Müller seien über Monate nicht müde geworden, den Schongauer Protest anzuführen, schrieb er. Und Schongau sei „in überaus positiver Weise über die Stadt- und Landkreisgrenze, ja über die Landesgrenzen hinaus bekannt“ geworden, betonte Koch, der sogar in Hessen „mit Hochachtung“ auf die Schongauer Initiative angesprochen worden sei: „Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Welt mit großer Sympathie und Wohlwollen auf Schongau blickt“, findet Koch. „Was will man mehr als Bürger dieser Stadt?“ Koch weiter: „Diese starken Frauen haben ein beeindruckendes Beispiel an bürgerschaftlicher Mitwirkung und Stärkung des sozialen Zusammenhaltes gegeben.“

Der Stadtrat ließ sich von den lobenden Worten offenbar nicht all zu sehr beeindrucken und lehnte eine Ehrung ab. Wie zu hören war mit großer Mehrheit. Eine offizielle Begründung gibt es nicht, Bürgermeister Falk Sluyterman verweist auf die Geheimhaltungspflicht. Beratungen über mögliche Ehrungen finden seinen Angaben nach grundsätzlich in nicht öffentlichen Sitzungen statt. Erst, wenn es tatsächlich zu einer Ehrung kommt, wird sie öffentlich gemacht. Im Fall von Irmgard Schreiber-Buhl und Renate Müller habe der Stadtrat entschieden, keine Ehrungen zu erteilen, bestätigt der Bürgermeister. Das solle die Leistung der beiden „aber nicht schmälern“, betont Sluyterman, verweist aber „auf bestimmte Kriterien“, die zu erfüllen sind.

Aus Stadtratskreisen war in diesen Tagen zu erfahren, dass man im Gremium fürchtete, anderen Ehrenamtlichen auf den Schlips zu treten, sollte Müller und Schreiber Buhl die Silberne Ehrenmedaille verliehen werden. Diese sei „sehr, sehr viel wert“, heißt es. Und der Zeitraum, über den sich das politische Engagement der beiden Frauen erstreckte, sei im Vergleich mit den Verdiensten anderer Ehrenamtlicher schlicht zu kurz. Als ein Träger der Silbernen Ehrenmedaille in Schongau wird Skistar Fritz Dopfer genannt. Der Sportler erhielt sie 2015 nach seinem bis dahin größten Erfolg, als er die Silbermedaille bei der Ski-WM in Beaver Creek (USA) gewann.

Oliver Koch hatte schon im April von der Ablehnung seines Antrags erfahren, es aber zunächst für sich behalten. „Natürlich war ich sehr betrübt über diese Entscheidung und bin es im Grunde bis heute“, sagt er. Jetzt, wo die Strabs Geschichte ist, hofft er aber insgeheim, dass ein anderer den Antrag ein zweites Mal stellt. Einem solchen Vorhaben räumt Rathauschef Sluyterman jedoch schon jetzt keine Chance ein: „Der Sachverhalt hat sich nicht geändert“, macht er klar. Der Bürgermeister hat dafür einen anderen Vorschlag. Weil sich an den Montagsdemos auch Nachbarkommunen beteiligt haben, könnte man überlegen, „über den Landkreis eine Ehrung zu erzielen“, meint er.

Schreiber-Buhl und Müller machen derweil klar, dass sie gut und gerne auf eine Ehrung verzichten können: „Für uns war es Dank genug, dass die Schongauer zusammengehalten haben, das war für uns ein einmaliges Erlebnis.“ Das wird jetzt gebührend gefeiert: Für den Montag nach der Fußball-WM (16. Juli) wurde das Brauhaus in Schongau gebucht. Die Party beginnt wie die Demos um 18.15 Uhr.

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