Fast alle Kindergärten im Schongauer Land halten an ihrer Sommerschließzeit fest. dpa Weniger Schließzeit ,schwer darstellbar’

Sommerferien-Krise im Kindergarten

Trotz Corona: Kindergarten-Eltern stehen im Sommer vor verschlossenen Türen

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
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Was, wenn der Urlaubsanspruch Corona-bedingt bereits vor den Sommerferien aufgebraucht ist? Einige Kindergärten im Schongauer Land haben sich den Eltern zuliebe so umorganisiert, dass die Schließzeit während der Sommerferien verkürzt wird oder sogar wie in Steingaden komplett wegfällt. Die meisten Einrichtungen indes halten an den regulären Schließtagen fest.

Landkreis – Es wird ein ungewöhnlicher Sommer im Kindergarten Steingaden. Statt der üblichen Schließzeit bleibt die Einrichtung in diesem Jahr im Sommer durchgehend geöffnet. Ein besonderer Corona-Service für die Eltern, die aufgrund der besonderen Betreuungssituation in diesem Jahr manchmal schon jetzt ihren Jahresurlaub aufgebraucht haben.

„Wir haben das ja alles hautnah mitbekommen. Viele Eltern hatten schwer zu knabbern an dieser Zeit. Es waren auch Existenzängste da.“ Einrichtungsleiterin Patricia Moser ist gut vernetzt mit den Eltern. Für sie keine Frage, dass man versuchen wird der Anregung des Staatsministeriums nachzukommen und dementsprechend eine Betreuung während der Ferien anzubieten. Ihre Entscheidung, betont sie, würde vom gesamten Team mitgetragen. „Alle waren sofort dafür.“ Auch wenn das für die ein oder andere Erzieherin Verzicht in Sachen Urlaub bedeutet – zwei Wochen am Stück gibt es aber auf jeden Fall.

Steingaden als Vorreiter: Bedarf enorm

Tatsächlich ist die Nachfrage im Kindergarten Steingaden enorm: Die Krippengruppen werden in der Sonder-Öffnungszeit mit 25 bis 30 Kindern fast komplett belegt sein. Im Kindergarten werden in vier Gruppen weitere 35 bis 40 Kinder betreut. Mit einer strengen Corona-Dokumentation können alle Hygiene-Regeln auch in dieser Zeit eingehalten werden, unterstreicht Patricia Moser.

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Auch im Kindergarten Bernbeuren setzt man auf Familienfreundlichkeit: Die katholische Einrichtung St. Nikolaus schließt im Sommer statt der drei üblichen Wochen nur eine Woche. „Wir möchten damit die Familien unterstützen, vor allem die berufstätigen Eltern, die ihre Überstunden und ihren Urlaub schon aufgebraucht haben“, so Kindergartenleiterin Benedikta Bentenrieder. Der Bedarf ist abgefragt, „und er ist da“. Die hygienetechnische Umsetzung ist einfach: Die festen Gruppen bleiben. Die Mitarbeiter treten nacheinander ihren Urlaub an.

Der kirchliche Kindergarten St. Michael in Peiting hat – ebenso wie die Einrichtungen der Kinderhilfe Oberland – im Ort tatsächlich bei allen Eltern den Bedarf für eine Betreuung während der Sommerferien abgefragt. Die Resonanz hier: eher gering. Nur fünf von 82 Eltern hätten sich für eine Ferienbetreuung gemeldet, rechnet die stellvertretende Leiterin Martina Kölbl vor. „Wir hätten eigentlich mit viel mehr gerechnet.“ Ob und was jetzt während der Schließzeit angeboten wird, das würde jetzt gemeinsam mit dem Elternbeirat entschieden.

Für die anderen Einrichtungen in Peiting gilt: Es gibt keine Ferienbetreuung für Kindergartenkinder, die Schließtage bleiben so wie jedes Jahr. Die Kinderhilfe Oberland beispielsweise hat für ihre vier Einrichtungen am Ort – Kinderhaus Untereggstraße, Kindergarten am Forsthaus und am Gumpen und Kindergarten am Weiherhäusle in Herzogsägmühle – entschieden, die regulären Schließzeiten auch für diesen Sommer beizubehalten. Der Grund: Kein bis wenig Bedarf bei den Eltern.

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Gleiches gilt für die gemeindlichen Einrichtungen. Hier gäbe es keinen Bedarf seitens der Eltern, so Hauptamtsleiter Stefan Kort, der für die gemeindlichen Kindergärten am Rathaus, im Therese-Peter-Haus und in Birkland zuständig ist. Eine echte Bedarfserhebung hat es hier unseren Recherchen zufolge nicht gegeben. Denn: Selbst wenn Bedarf da wäre, sei eine Reduzierung der Schließzeit nur „schwer darstellbar. Die Mitarbeiter müssen auch ihren Urlaub wegbringen.“ Und auch das mit der gruppenübergreifenden Vermischung der Kinder untereinander sei für den Fall einer Öffnung in den Ferien hygiene-technisch problematisch.

In Schongau bleiben alle Kindergärten zu

Die selben Argumente führt Esther Laue auf, die im Schongauer Rathaus für die Kindergärten zuständig ist. In der Lechstadt haben sich alle Einrichtungen bei einem Leitungs-Treffen auf ein einheitliches Vorgehen geeinigt. Konkret bedeutet das: Alle halten an der regulären Sommer-Schließzeit fest. Auch die Kindergärten im Lechrain rufen wir an. Auch hier: Kein Bedarf seitens der Eltern – die Schließzeit bleibt.

Barbara Schlotterer-Fuchs

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