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Haben den Kindergarten liebgewonnen: Die Mütter (v.l.) Anja Bock, Natascha Kasch, Monika Filser und Barbara Leder vor dem Haus an der Benefiziumstraße.

Kindergarten Benefiziumstrasse

Baufälliges Herzensanliegen

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Er ist alt, sanierungsbedürftig und entspricht nicht mehr den Anforderungen – doch Eltern und Kinder lieben ihn: Die Rede ist vom Kindergarten an der Benefiziumstraße. Jetzt ist dessen Ende nahe: Im September wird er geschlossen, die Kinder müssen ins neue Haus für Kinder umziehen. Die Eltern versuchen alles, damit Kinder und Erzieher auch ab September eine Gruppe bilden können. Doch das kann die Stadt nicht versprechen.

Schongau – Barbara Leder erinnert sich noch genau, wie sie mit ihrer heute vier Jahre alten Tochter Emma damals beim Tag der offenen Tür diverse Schongauer Kindergärten angeschaut hat. „Sie wollte nicht von Papas Arm runter. Aber als wir im Kindergarten an der Benefiziumstraße waren, ist sie plötzlich mit der Erzieherin mitgegangen.“ Nach einer Stunde spielen war der kleinen Emma klar: „Das ist mein Kindergarten, da will ich hin!“

Solche Geschichten können viele Eltern erzählen, die die Atmosphäre in dem baufälligen Gebäude lieben. „Auch wenn es von außen nicht so ausschaut, ist es ein Schmuckstück“, sagt auch Natascha Kasch, deren Tochter Maya dort seit zwei Jahren betreut wird. Und Monika Filser war erst skeptisch und wollte ihre Tochter Emma dort nicht hinschicken, ist aber froh, dass sie es getan hat: „Die Kinder gehen gerne hin, das liegt viel am Personal. Auch wenn mein eigener Kindergarten, in den ich vor 35 Jahren gegangen bin, schon damals moderner war als der an der Benefiziumstraße jetzt“, sagt sie und lacht.

Spätestens seit Juli 2014 war klar, dass die Zeit des Kindergartens abgelaufen ist. Damals präsentierte Architekt Siegfried Bommersbach im Stadtrat die Kosten einer möglichen Sanierung, und die betrugen schon damals 700 000 Euro – seitdem dürfte es wegen der immensen Preissteigerung am Bau noch einmal deutlich teurer geworden sein.

Deshalb hat die Stadt beschlossen, das neue Haus für Kinder zu bauen. Dort soll nicht nur die eine Gruppe aus dem Kindergarten Benefiziumstraße unterkommen, sondern auch eine weitere aus dem Kindergarten Regenbogen an der Bahnhofstraße, der derzeit überbelegt ist und saniert werden soll. Weil die Stadt ursprünglich den Plan hatte, in das neue Haus für Kinder zuerst Grundschüler einzuquartieren, die durch den Neubau ausgelagert werden müssen, dachten die Eltern, sie hätten noch Zeit. Doch weil das terminlich unmöglich geworden wäre, hat die Stadt umgeplant, für die Grundschüler doch teure Container aufgestellt – was das vorzeitige Ende des Kindergartens Benefiziumstraße zum September bedeutet.

Dass sie die Schließung ihres liebgewordenen Kindergartens nicht verhindern können, ist den Eltern klar. Doch weil sie als Gruppe zusammenbleiben wollen („das ist uns eine Herzensangelegenheit“), sprachen sie im Februar bei Bürgermeister Falk Sluyterman vor. Der schickte vergangene Woche gleich eine ganze Delegation in den Kindergarten: Hauptamtsleiterin Bettina Schade, die für Kindergärten zuständige Rita Weckbecker und Robert Thomas vom Bauamt stellten sich Fragen der Eltern und zeigten anhand von Plänen, wie das neue Haus für Kinder ausschauen wird. „Uns ist zugesichert worden, dass die Kinder nicht verteilt werden, sondern wir als Gruppe ins Haus für Kinder umziehen können“, sagt Leder erleichtert.

Mit dem zweiten Wunsch, dass auch die Erzieherinnen dieselben bleiben – alle haben sich beworben –, wird es schwieriger. Laut Stadt-Sprecherin Yvonne Voigt könne man das nicht garantieren. „Wir werden es versuchen, aber wir brauchen eine Menge zusätzlicher Mitarbeiter und würden gerne bestehende mit neuen Kräften mischen.“

Auch ein weiteres Thema treibt die Eltern um: Bei Filser etwa kommt der zweijährige Sohn Florian im September in den Kindergarten, bei Leder im Januar die ebenso alte Ronja. Angemeldet werden können sie natürlich nicht mehr im Kindergarten Benefiziumstraße, sondern nur noch im Haus für Kinder. Klappt die Geschwisterkind-Regelung auch nach dem Wechsel? „Manche Eltern trennen ihre Kinder ganz gerne“, sagt Voigt dazu. „Aber wenn gewünscht wird, dass das Geschwisterkind in die selbe Gruppe kommt, werden wir das so gut wie möglich berücksichtigen.“ Näheres könne man aber erst sagen, wenn Ende März der Tag der offenen Tür in den Schongauer Kindergärten vorbei ist (siehe Kasten) und klar ist, wie viele Kinder für welche Einrichtung angemeldet wurden.

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