Das Josefsheim in Schongau in der Liedlstraße ist künftig das Domizil der Kleiderkammer
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Der erste Stock im Josefsheim ist nicht barrierefrei, aber dafür großzügiger als die Räume im Köhlerstadel. Nun müssen erst noch Brandschutztüren eingebaut werden.

Seit fünf Jahren in Schongau

Kleiderkammer: Enttäuschung zum Jubiläum

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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„Fünf Jahre Kleiderkammer – und wir haben nichts zu feiern.“ Sonja Zeug und die Vorsitzende Christine Venturi sind enttäuscht, dass die versprochenen neuen Räumlichkeiten im Josefsheim noch immer nicht zur Verfügung stehen. Sie stellen sogar die Zukunft der Kleiderkammer in Frage, da sie die Besucher nicht im Regen stehen lassen wollen.

Schongau – Als geradezu ideal sehen die Ehrenamtlichen des Kleiderkammer-Teams die Räumlichkeiten im Josefsheim. Sieht man davon ab, dass der Bereich in der Liedlstraße nicht barrierefrei ist, gibt es nur Vorteile, wie Christine Venturi schwärmt. Zur Verfügung stünde der gesamte erste Stock, wo zuvor die Arbeitsagentur untergebracht war. Nicht nur, dass man die verschiedenen Bereiche schön trennen könnte – für Kinderkleidung, Damen- und Herren –, die Zimmer sind auch viel großzügiger und noch dazu untereinander durch Türen verbunden.

Ein Vorteil, wenn man alle Auflagen dieser Corona-Zeiten einhalten muss. Denn im Köhlerstadel platzt man buchstäblich aus allen Nähten. Mittlerweile hat man bereits zwei Lager, in denen Kleidung, Schuhe oder Accessoires, säuberlich sortiert nach Jahreszeit und Größe, untergebracht sind. Aber die Kartons, auch in der Liedlstraße, stapeln sich bis an die Decke, und der Inhalt soll ja einen neuen Besitzer bekommen.

Kleiderkammer gibt es seit fünf Jahren und ist sehr beliebt

Seit fünf Jahre gibt es die Kleiderkammer jetzt. Ins Leben gerufen ursprünglich für die vielen Flüchtlinge, die in Schongau versorgt werden mussten, ist man mittlerweile Anlaufstation für eine breite, ganz unterschiedliche Bevölkerungsgruppe. Ob alleinerziehende Mütter, große Familien, ältere Mitbürger, Geflüchtete, Auszubildende oder Schüler, „eine große Rolle spielt mittlerweile auch die Nachhaltigkeit“, so Venturi. Und das Kleiderkammerteam hat sich in der Umgebung einen guten Ruf erarbeitet.

Eingezogen im Oktober 2015, lief es über die Jahre auch recht gut, bis kurz vor Weihnachten im vergangenen Jahr ein Brandschutzbeauftragter Mängel feststellte. „Brandschutz war vorher ein Fremdwort“, so Sonja Zeug. Kurz nach Weihnachten hätte sich dann seitens der Stadt mit dem Josefsheim eine gute Lösung abgezeichnet. „Es hieß, im Februar können wir einziehen“, erinnert sich Venturi, die vor knapp einem Jahr die Leitung des Teams übernommen hat.

Wann der Umzug nun stattfinden kann, ist noch unklar

Nun ist Oktober, man könnte Jubiläum feiern. Aber den elf Damen ist so gar nicht danach. Zwar hatte der Bau- und Umweltausschuss im Juni Grünes Licht gegeben, aber aus dem für August avisierten Umzug wurde nichts. „Wir haben wertvolle Monate verloren“, kritisiert Zeug. Und Christine Venturi ergänzt: „Immer ist irgendetwas.“ Zumal auch im Raum steht, dass das Josefsheim nur eine Übergangslösung ist, denn das Areal soll ja verkauft werden. Venturi: „Am besten wäre es, es würde uns jemand adoptieren und uns langfristig Räume zur Verfügung stellen.“

Zwei Lagerräume hat das Team der Kleiderkammer derzeit, idealerweise auch bereits einen im Josefsheim. Der Umzug würde für das Team vieles erleichtern.

Die Situation ist für die Damen derzeit sehr deprimierend

Die Situation sei für die Damen im Team sehr deprimierend, weshalb sie nun auch einen Brief an Bürgermeister Falk Sluyterman geschrieben haben. „Wir stehen schon sehr lange in der Warteschleife und warten auf eine gute Lösung der Stadt Schongau“, heißt es. In Frage stellen die Damen sogar die Zukunft der Kleiderkammer. Denn wegen Corona müssten die Besucher im Regen stehen. Vier Personen dürfen derzeit wegen der Corona-Bestimmungen gleichzeitig in den großen Raum, drei in den kleineren. Die Besucher würden draußen geduldig auf Einlass warten. „Im Sommer ist das kein Problem, aber jetzt kommt die kalte Jahreszeit, das ist respektlos, wie man mit den Leuten umgeht“, so Sonja Zeug. Um das zu entzerren, habe man sogar die Öffnungszeiten um eine Stunde erweitert.

Als Reaktion auf das Schreiben an die Stadt war man am vergangenen Donnerstag zu einem Gespräch eingeladen, „viel Neues hat es aber nicht ergeben“, so Zeug. „Einen konkreten Umzugstermin haben wir immer noch nicht, es hieß, dass dies kaum noch im Jahr 2020 möglich ist.“ Zwar liegen alle notwendigen Gutachten und Genehmigungen seitens des Landratsamtes vor, aber nun müssen die Brandschutzmaßnahmen erst noch realisiert werden, erläutert Stadtbaumeister Sebastian Dietrich. „Einen genauen Termin können wir nicht nennen“, bedauert er. „Wir tun alles, um das Josefsheim so schnell wie möglich zur Verfügung zu stellen.“

Jubiläumsangebot

Zum fünfjährigen Bestehen gibt es den ganzen Oktober über eine Sonderaktion: Jedes Teil kostet einen Euro, ob Mantel, Schuhe oder Oberteile. Geöffnet ist die Kleiderkammer immer mittwochs von 14 bis 17 Uhr. Die Besucher müssen im Gebäude einen Mund-Nase-Schutz tragen.

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