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Die Zahl der privaten Busunternehmen ist in Bayern seit 2000 um 28 Prozent zurückgegangen. Auch Walter Leistle aus Wildsteig hat seinen großen Bus verkauft.

Kleine Betriebe haben es schwer

Busunternehmer im Existenzkampf

Im Dezember hat ein Landsberger Busunternehmen Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Kurz darauf hat ein Pollinger Betrieb eine Firma aus Peißenberg übernommen. Die Zahl privater Busunternehmen ist seit 2000 um 28 Prozent zurückgegangen – droht kleinen Busunternehmen das Aus?

Weilheim-Schongau –„Ein Busunternehmen zu betreiben ist ein arbeitsintensiver Job – mit viel Verantwortung“, sagt der Peitinger Busunternehmer Robert Koch. Ein schwieriges Geschäft also, das auch mit finanziellen Risiken verbunden ist. Und da sei auch die EU mit ihrer Ausschreibungspolitik („Der billigste Bieter bekommt den Auftrag“) nicht ganz unschuldig. „Mit dem enormen Preiskampf werden Strukturen kaputt gemacht“, klagt Robert Koch. Ortskenntnisse und Zuverlässigkeit würden bei der Vergabe offenbar weniger berücksichtigt, nur noch der Preis bestimme, wer den Auftrag erhalte.

Koch verwies auf ein Beispiel in Hessen. Dort habe ein englisches Unternehmen bei der Ausschreibung für einen Stadtverkehr den Zuschlag bekommen. Das sei aber nicht lange gut gegangen.

Zum Ende des vergangenen Jahres ist auch in Wildsteig eine Ära zu Ende gegangen. Dort hat Walter Leistle 40 Jahre lang ein Busunternehmen betrieben. Mit 68 Jahren hat er das Rentenalter längst erreicht. Der große Bus ist verkauft worden, weil die Zukunft des Unternehmens alles andere als rosig war. Immer mehr Auflagen und der Busfahrermangel setzten dem Unternehmen zu. Die schönen Ausflugsfahrten mit Walter Leistle bleiben aber in bester Erinnerung. Jetzt fährt er mit einem kleinen VW-Bus nur noch die Schulkinder durch Wildsteig.

Dass sich auch kleinere Busunternehmen noch behaupten können, sieht man bei Sprenzel-Reisen in Bernbeuren. Das Unternehmen ist 1952 von Wendelin Sprenzel gegründet worden. Bei seinem Tod 1990 übernahmen seine beiden Söhne Heinz und Werner das Busfahrgeschäft, das zehn Jahre später aufgeteilt wurde. Seitdem gibt es in Bernbeuren zwei Busunternehmen. „Jeder hat seine Arbeit“, sagt Werner Sprenzel.

Dass es in der heutigen Zeit in der Busbranche nicht leicht ist, sich über Wasser zu halten, versteht sich von selbst. 2023 würden die Busse des Landsberger Busunternehmens Eiseleseit 100 Jahren fahren. Vier Jahre vorher steht der Betrieb jedoch vor einer ungewissen Zukunft. Im Dezember musste die Firma die Reißleine ziehen und Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden. Zu viele wirtschaftliche Rückschläge hatte es zuletzt gegeben.

Der schwerwiegendste: 2018 verlor der Betrieb bei einer europaweiten Ausschreibung seinen Stadtbusverkehr. „Dadurch ist der Linienverkehr insgesamt zu wenig wirtschaftlich gewesen“, sagt Thomas Planer von der Insolvenzberatung „Planer und Kollegen“, der sich um die Sanierung des Unternehmens kümmert.

Allein 17 von 22 Bussen des Unternehmens wurden im Linien- und Schulbusverkehr eingesetzt. Und „je mehr Linienverkehr man hat, desto höher sind die staatlichen Subventionen“, sagt Planer. Die Zukunft bleibt vorerst offen.

Klar ist dagegen: In Peißenberg gibt es ein Busunternehmen weniger. „Wagner Reisen“ gehört jetzt zum Pollinger Betrieb „Krieger“, drei Reisebusse und das gesamte Personal von „Wagner Reisen“ inklusive. Wie es zur Übernahme gekommen ist, darüber hätte sich Geschäftsführer Roland Krieger gern geäußert, nicht jedoch ohne die ehemalige Geschäftsführung von „Wagner Reisen“. Und die wollte nichts sagen.

Auf den ersten Blick scheinen beide Beispiele zu einem Trend zu passen. Denn seit 2000 ist die Zahl der privaten Verkehrsunternehmen in Bayern um 28 Prozent zurückgegangen. Waren es zum Millennium noch 1459, gab es 2017 nur noch 1050. Das ergaben Berichte des bayerischen Landesamtes für Statistik sowie des Kraftfahrt-Bundesamtes.

Monika Steffen, Geschäftsführerin vom Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmen, will dennoch nicht von einem Trend sprechen. Warum die Zahl zurückgehe, darüber könne man nur mutmaßen. „Viele verkaufen, weil sie keinen finden, der übernehmen will“, sagt sie.

Doch sei der Mittelstand nach wie vor sehr potent. Immerhin habe Bayern die meisten Busunternehmen in Deutschland. Und das, obwohl Bundesländer wie Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen eine viel höhere Bevölkerungsdichte hätten. „Bayern profitiert von der ländlichen Struktur“, sagt Monika Steffen.

cz/mg

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