Fahrradfahrer vor der Wieskirche. Die Gemeinde Steingaden spielt jetzt bei der „Pfaffenwinkel Gästekarte“ eine Vorreiterrolle.
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Im Westen des Landkreises brummt der Tourismus nicht zuletzt wegen des Welterbes Wieskirche. Die Gemeinde Steingaden spielt jetzt bei der „Pfaffenwinkel Gästekarte“ eine Vorreiterrolle.

Tourismus

Die Königscard führt im Landkreis noch ein Nischendasein, das Tölzer Land soll jetzt neuen Schwung bringen

  • vonJörg von Rohland
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Seit knapp drei Jahren gibt es die Königscard im Landkreis Weilheim-Schongau. Bei den Gastgebern führt sie aber noch ein Nischendasein. Von der Gebietserweiterung ins Tölzer Land erhofft sich auch der hiesige Tourismusverband jetzt mehr Schwung. Er will ab dem Frühjahr endlich auch mit einer eigenen Gästekarte an den Start gehen.

Landkreis – 200 „Erlebnisse“ sind es, die Urlauber geschenkt bekommen, wenn sie bei Gastgebern übernachten, die den Touristen die Königscard aushändigen. Das Angebot gibt es im Allgäu, Tirol und in Teilen Oberbayerns. Seit knapp drei Jahren ist auch der Einzugsbereich des Tourismusverbands Pfaffenwinkel mit von der Partie. Sei es ein Besuch im Schongauer Märchenwald, eine Führung auf dem Pfaffenwinkler Milchweg oder der Einritt ins Buchheimmuseum in Bernried. Für jeden Geschmack sollte etwas dabei sein.

Zahl der teilnehmenden Gastgeber ist noch ausbaufähig

Tourismus-Verbandsgeschäftsführerin Susanne Lengger findet, dass sich das Angebot im Landkreis „ganz gut entwickelt hat“. Damit meint Lengger aber vor allem die 26 Erlebnis-Angebote, die sich über das gesamte Verbandsgebiet erstrecken. Die Zahl der an der Königscard teilnehmenden Gastgeber ist dagegen noch ausbaufähig. „Ganz okay“, findet sie Lengger, gibt aber zu: „Wir würden uns freuen, wenn es mehr werden.“

Bislang gibt es die Königscard nur im Westen

Bislang wird die Königscard den Urlaubern im Landkreis ausschließlich im Westen ausgehändigt: Neun Gastgeber sind es in Bernbeuren, drei in Rottenbuch, je zwei in Steingaden und Prem sowie je einer in Böbing, Hohenpeißenberg, Ingenried und Wildsteig. Dass der Tourismusverband überhaupt mehr Gastgeber als Erlebnisse zusammenbringt, hat er der Gemeinde Bad Bayersoien zu verdanken. Sie gehört bekanntlich nicht zum Landkreis, wohl aber zum Tourismusverband Pfaffenwinkel. Mit zehn Königscard-Übernachtungsmöglichkeiten steht Bad Bayersoien sogar an der Spitze.

In Schongau und Peiting gibt es bislang noch gar keine Königscard-Gästehäuser. Ein Grund: „Ich habe viele Arbeiter und Monteure als Gäste“, erklärt Monika Pummer, Chefin des Hotel-Gasthofs Dragoner in Peiting. Die Berufstätigen haben ihren Angaben nach kein Interesse an den Freizeitaktivitäten.

Dragoner-Chefin weiß selbst, was sie ihren Gästen empfehlen kann

Wenn die Corona-Krise vorbei ist, wird Pummer natürlich auch wieder mehr Urlauber empfangen. „Aber ich weiß selbst, was ich denen empfehlen kann“, sagt sie. Die Dragoner-Chefin findet es deshalb „unsinnig“, dass sie, wenn sie bei der Königscard mitmachen würde, dafür verpflichtend für alle ihre Gäste bezahlen müsste.

4,75 Euro pro Übernachtung und Person

Denn da kommt einiges zusammen: 4,75 Euro beträgt der Königscard-Beitrag für die Gastgeber pro Übernachtung und Person, Kinder bis inklusive 6 Jahre sind frei. „Dieser Beitrag fällt an, wenn die Königscard an den Gast übergeben wird, der zu Urlaubszwecken vor Ort ist“, erläutert Sprecherin Roja Delerami. Arbeiter seien ausgenommen, für sie müsse kein Beitrag bezahlt werden, betont sie.

Die Hotels im Osten des Landkreises müssten bei der Teilnahme an dem Angebot also keine unnötigen Kostenbefürchten. Laut Tourismusverbandschefin Lengger beherbergen sie viele Geschäftsreisende.

Verlockendes Freizeitangebot im Tölzer Land

Mehr Interesse an der Königscard auch im Osten erhofft sich die Verbandschefin jetzt von der Erweiterung des Touristenangebots ins Tölzer Land ab Januar 2021: Vom Eintritt in die Kristalltherme Trimini in Kochel über Flutlichtrodeln am Blomberg, Naturlehrexkursionen im Kloster Benediktbeuern bis hin zur modernen Zeitreise „durch die dunkle Vergangenheit der deutschen Geschichte im Erinnerungsort Badehaus“ in Wolfratshausen reichen die neuen Angebote. Und das könnte dann auch für die Herbergen in Weilheim und Umgebung interessant werden: „Wir haben schon mit einzelnen Hotels gesprochen“, berichtet Lengger. „Für uns ist es wichtig, dass das Tölzer Land dazu kommt.“

Pfaffenwinkel Gästekarte geht im Frühjahr an den Start

Fahrt aufnehmen soll in diesem Jahr auch die neue „Pfaffenwinkel Gästekarte“, mit der der Tourismusverband schon länger schwanger geht. Mit ihr sollen Urlauber, die Kurbeitrag in den Gemeinden zahlen, kostenlos die Busse des oberbayerischen RVO sowie der RVA und der RBA im Allgäu nutzen können. Mit im Boot sind im Landkreis bislang allerdings lediglich Bernried und Steingaden, die eine Vorreiterrolle spielen sollen. Wie berichtet, hatte auch Rottenbuch mit dem Busangebot für seine Kurgäste geliebäugelt, war im Februar dieses Jahres aber wieder abgesprungen. „Der aktuelle Aufwand erscheint uns vom Nutzen her zu hoch“, nannte Bürgermeister Markus Bader den Grund.

Eigentlich sollte die „Pfaffenwinkel Gästekarte“ schon im vergangenen Sommer ausgegeben werden. Corona hat den Start verschoben. Los gehen soll es jetzt im kommenden Frühjahr.

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