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„Ja zu Schongau“ ist eine Aktion der Werbegemeinschaft, Edith und Franz Köpf ziehen jedoch Konsequenzen und verlassen die Altstadt.

Elektrofachgeschäft zieht nach Peiting

Köpf kehrt Schongau den Rücken

  • Elke Robert
    VonElke Robert
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Die Altstadt wird um ein Fachgeschäft ärmer: Edith und Franz Köpf kehren Schongau den Rücken und eröffnen bereits Anfang November einen etwas kleineren Elektroladen in Peiting. Deutliche Kritik übt Köpf an der Stadt: „Trotz vieler Stunden, die wir geopfert haben, hat sich wenig bewegt.“

Schongau Mitte September hat das Ehepaar Köpf in Peiting einen Vertrag unterschrieben. Zum 31. Oktober sperren sie ihr Geschäft am Schongauer Marienplatz zu. Und nur wenige Tage später – am 9. November – können die ersten Kunden in die Marktgemeinde an die Meierstraße Nummer 7 kommen, ehemals Gardine Langer vis-à-vis Metzgerei Schmaußer.

„Das ist ein sportliches Programm“, gibt Franz Köpf zu. Den ganzen Oktober Abverkauf, dann nur gut eine Woche Zeit bis zur Wiedereröffnung im neuen Gewand. Aber mit dem Gedanken, zumindest die Schongauer Altstadt zu verlassen, hatte sich der ehemalige Vorsitzende der Werbegemeinschaft schon länger getragen. „Wir haben auch in Schongau-West gesucht und am V-Markt – aber es gab keine geeigneten Räumlichkeiten“, so Köpf. In Peiting hätten sich mehrere Objekte angeboten. Und auch Peitings Bürgermeister Michael Asam sei sehr behilflich gewesen und habe sich persönlich darum bemüht, Kontakt zu einem möglichen Vermieter herzustellen. „Wir wollen Kosten sparen und etwas weniger arbeiten, aber auch unsere Kunden weiter betreuen“, so Köpf – der mit dem neuen Ladengeschäft sehr zufrieden ist.

Nach 26 Jahren in der Schongauer Altstadt – neun Jahre in der Christophstraße in der Passage und seit 18 Jahren am Marienplatz – ist die Wehmut groß, verrät Edith Köpf, die Schongauerin ist. „Ich kenne die anderen, man kennt mich. Und ich gehe auch gerne in die Einzelhandelsgeschäfte der Altstadt.“ Jetzt sei es aber an der Zeit, auf sich selbst zu schauen. Auch Franz Köpf, der aus Peiting stammt – das Ehepaar wohnt auch in der Marktgemeinde –, tut es ein bisschen leid, aus der Stadt rauszugehen, aber die beiden hätten zu viele kleine Knüppel zwischen die Füße bekommen – „und wenn man älter wird, wird auch das Fell dünner“.

Mit Kritik an der Stadt Schongau hält der 62-jährige, der 13 Jahre Vorsitzender der Werbegemeinschaft war, dann auch nicht hinterm Berg. Während in Peiting etwa die Parkplatzsituation ohne großen Bürokratismus geregelt werde, müsse man in Schongau auf das Umsetzen von Anträgen lange warten. Natürlich habe man auch Einbußen durch das Internet-Angebot – „das gesamte Geschäftsgebaren hat sich geändert“. Auch sei man kein Geschäft, dass klassischerweise in einer Fußgängerzone angesiedelt sein solle – teils müssten schwere Geräte transportiert werden.

Aber Köpf wirft der Stadt Untätigkeit vor, etwa beim langen Leerstand der benachbarten Schrimpfhäusern am Marienplatz. „Das ist eine 1a-Lage, da hätte man mehr Druck ausüben müssen“, so der Geschäftsmann. Trotz des Engagements der Werbegemeinschaft, wären Vorschläge nur auf wenig Resonanz gestoßen, man habe kaum Gehör gefunden, selten Feedback bekommen. „Wir müssen mit unserem Geschäft schnell reagieren, diese Wartezeiten bei der Stadt sind in der freien Wirtschaft nicht tragbar.“

Ob nun das Thema Fußgängerzone oder Parkplätze – auch der jüngste Antrag Ende Juni auf halbseitige Öffnung während der Lechberg-Sanierung sei verhallt. „Wir haben zu wenig Lobby in der Stadt“, sagt Köpf im Namen der Geschäftsleute in der Altstadt, „dann muss man auch mal Konsequenzen ziehen.“ Seit Start der Fußgängerzone habe er pro Jahr sieben bis acht Prozent Einbußen verzeichnet. „Und wir sind da nicht die einzigen“, spielt er auf ähnliche Zahlen bei den Kollegen an. 

Auch habe die Stadt die Fußgängerzone nicht wie besprochen belebt. Selbst organisatorisch aktiv mit Hexen oder Musiknacht, habe er schon manchmal das Gefühl, dass er ein eigenes Veranstaltungsbüro haben müsse, um die Schongauer Fußgängerzone zu bespaßen. Köpf: „Aber dass etwas passiert, dafür ist die Stadt verantwortlich.“ In der Marktgemeinde Peiting jedenfalls fühlen sich die Köpfs schon heute gut aufgenommen. Schongauer Kunden sind natürlich auch weiterhin herzlich willkommen.

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