Ein Bild aus vergangenen Tagen, doch auch nach dem barrierefreien Ausbau haben Räder keinen Platz.
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Ein Bild aus vergangenen Tagen, doch auch nach dem barrierefreien Ausbau haben Räder keinen Platz.

Am Schongauer Bahnhof

Kompromiss für Radlständer gefunden

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Das Fahrrad-Chaos am Schongauer Bahnhof könnte schon bald ein Ende finden. Nach langwierigen und zähen Verhandlungen mit der Bahn ist nun ein Platz gefunden für einen Fahrradständer und eine abschließbare Anlage. Enttäuscht ist man dennoch, denn die meisten Räder bleiben ohne Dach.

Schongau – Hinter dem Tagesordnungspunkt „Umsetzung des Radwegekonzepts“ verbarg sich in der jüngsten Bauausschusssitzung der Stadt tatsächlich ein Thema, das Pendler, die mit dem Rad zum Bahnhof fahren, freuen dürfte: Nach der überraschenden wie ärgerlichen Absage der Bahn im Frühjahr für eine große Fahrradabstellanlage, gibt es nun doch eine Einigung. Lange und schwierige Auseinandersetzungen seien es gewesen, so Bürgermeister Falk Sluyterman. „Aber das kennt man ja, dass man bei der Bahn einen langen Atem braucht.“

„Es ist eine erfreuliche Geschichte“

Mit den Worten „es ist eine erfreuliche Geschichte“, leitete Stadtbaumeister Sebastian Dietrich seinen Sachvortrag ein. Auch nach dem barrierefreien Ausbau des Bahnhofs, der diesen Sommer erfolgte, suchen viele Fahrradfahrer noch immer verzweifelt nach einem Platz, ihr Fahrrad abstellen zu können. Die Pendler ketten ihre Räder überall an, wo dies möglich ist. Das lange Geländer nördlich des Bahnhofs existiert zwar nicht mehr, stattdessen werden sie nun an Laternenmasten gekettet.

Wie es die Pläne vorsehen, können nördlich des Bahnhofsgebäudes am ehemaligen Gleis 1 künftig 69 Drahtesel Platz finden. Außerdem wird eine sogenannte Sammelschließanlage gebaut. In diesem kleinen Häuschen kann man gegen Gebühr hochwertigere Räder wie E-Bikes unterstellen. Diese Anlage soll im Süden des Bahnhofsgebäudes errichtet werden, wo sie den bisherigen einfachen Fahrradunterstellplatz ersetzt. Nach Wunsch der Verwaltung soll dort eine doppelstöckige Anlage realisiert werden für 36 Fahrräder.

Auch für die Mülltonnen wird eine Lösung gefunden

Gleichzeitig werden mit diesen Plänen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden, denn es gibt damit auch eine Lösung für die vielen Mülltonnen, wie Dietrich dem Gremium erklärte.

Diese Abstellanlagen südlich des Bahnhofs werden durch neue Schließanlagen ersetzt.

Die Baukosten belaufen sich auf insgesamt rund 100 000 Euro. Die einfache Radabstellanlage kommt auf 27 150 Euro, die Sammelschließanlage auf 67 500  Euro. Weil der Bund und der Freistaat die Errichtung großzügig fördern – bis zu 75 Prozent der förderfähigen Kosten werden erstattet – kommt auf die Stadt voraussichtlich nur ein Eigenanteil von 30 000 Euro zu.

Planung und Bauleitung liegen bei der Stadt Schongau, die auch für Unterhalt und Verkehrssicherung zuständig sein wird. Errichtet werden die Anlagen aber nicht auf städtischem Grund, sondern auf Flächen der Bahn. Daher hat die Stadt, was die Form der Fahrradständer anbelangt, auch nicht viel mitzureden. Dies wurde im Verlauf der Diskussion deutlich.

„Für den Alltag inakzeptabel“

Bettina Buresch (Grüne) fand es zwar „erfreulich, dass wir da weiterkommen“, war aber mit der Ausführung ganz und gar nicht einverstanden. „Für die alltägliche Benutzung ist es inakzeptabel, dass die Fahrradständer nicht überdacht sind“, so ihre Meinung. Dieses Minimum an Luxus für ihre Kunden müsse doch auch die Bahn verstehen. Sie schlug ein Dach aus Glas vor. „Ich würde versuchen, bei dieser hohen Förderung das Maximale rauszuholen“, so Buresch. „Glas sieht am Anfang gut aus, verwittert aber, und irgendwann sieht man nicht mehr durch“, erläuterte Alexander Majaru (SPD), der als Fahrdienstleiter bei der Bahn München arbeitet. Er lobte das Verhandlungsergebnis als „tolle Leistung“.

„Zeitgemäß wäre eine überdachte Anlage, aber das ist mit viel Mühe der kleinste gemeinsame Nenner“, winkte Dietrich ab, einen weiteren Kompromiss werde es nicht geben. „Das ist ausverhandelt“, formulierte es Sluyterman noch deutlicher. Der Bürgermeister konnte sich allerdings den Hinweis nicht verkneifen, dass er an die Ablehnung der Bahn der ersten Planung – mit Dach – wegen einer baldigen „Elektrifizierung“ der Strecke nicht glaube (wir berichteten).

„Bei dieser Begründung muss man sich am Stuhl festhalten, das ist als Argument nicht nachvollziehbar; ich werde das nicht mehr erleben.“ Der jetzt gefundene Kompromiss sei nicht viel, aber „ein Mehr“. Der Vorschlag Majarus, einige Leihräder an den Bahnhof zu stellen, wurde aufgenommen.

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