+
Da besteht dringender Sanierungsbedarf: EA Schongau-Chef Bernd Knittel im Schongauer Eisstadion.

Verhandlungen zwischen Stadt und TSV

Kostenfresser Eisstadion: Wer kümmert sich?

  • schließen

Der Erbpachtvertrag für das Schongauer Eisstadion läuft im März 2018 aus. Jetzt muss geklärt werden, wer sich künftig um diesen stark sanierungsbedürftigen Kostenfresser an der Lechuferstraße kümmert. Weiterhin der TSV, oder doch die Stadt?

Schongau – Das Gelände, auf dem das Schongauer Eisstadion steht, gehört der Stadt. Eigentümer ist allerdings seit vielen Jahren der TSV, Betreiber die EAS. Ob das so bleibt, muss bis spätestens März 2018 geklärt sein. Dann nämlich läuft der im August 1981 beschlossene und 2001 nochmals veränderte Erbpachtvertrag zwischen Stadt und TSV aus. EAS-Vorstand Bernd Knittel wünscht sich eine schnelle Einigung, befürchtet aber: „Wie ich TSV und Stadt einschätze, werden die sich noch lange nicht einig sein“. Zwar würden beide das Stadion erhalten, aber nicht die finanzielle Verantwortung dafür tragen wollen.

Eisstadien sind generell Kostenfresser. Beim Schongauer kommt laut Knittel allerdings hinzu, „dass es mit einfachsten Mitteln gebaut und erweitert wurde“. Die Folge: Der Gebäudetrakt (im Bereich des Haupteingangs) ist derart sanierungsbedürftig, dass nach mehreren fachlichen Überprüfungen nur noch Abriss und Neuaufbau in Frage kommen. Hinzu kommt, dass die Traglast des Daches seit dem schweren Unglück in Bad Reichenhall zu niedrig ist und verstärkt werden muss. Ein für mehrere tausend Euro installiertes Schneelast-Messgerät warnt derweil, sobald die Halle wegen Einsturzgefahr gesperrt werden muss.

Außerdem: Die Eismaschine, die laut Knittel nie wirklich ordnungsgemäß gewartet wurde, hat den Geist aufgegeben. Wegen der offenen Stadionseite setzt sich die hohe Luftfeuchtigkeit des vorbeifließenden Lechs stets in der Halle ab (weil kältester Ort), was auf Dauer zu Schimmelbildung führt. Und die Kältekompressoren für die Eisherstellung und -erhaltung ist mit rund 40 Jahren völlig veraltet und frisst entsprechend viel Strom.

Letzteres gilt auch für die Leuchtmittel, die entgegen anderer Stadien, zum Beispiel in Peiting, noch immer nicht durch LED-Beleuchtung ersetzt wurden. „Wenn ich mir vorstelle, dass der TSV für all diese Kosten aufkommen soll – unmöglich!“, sagt Knittel, der ganz klar die Stadt in der Pflicht sieht, sich diese in Zukunft als Eigentümer und Betreiber wünscht.

TSV-Vorsitzender Ralf Konstantin sieht das nicht ganz so tragisch. „Man muss ganz klar sagen, dass uns die Stadt immer unterstützt hat und das sicherlich auch weiterhin tut.“ Insbesondere finanziell. Viel größer ist aus Konstantins Sicht das weiter wachsende Problem namens Ehrenamtssterben. Ihm fehlt schlichtweg ausreichend und geeignetes Personal, um dieses Eisstadion optimal in Schuss zu halten. Diesbezüglich wäre sicher die Stadt als Betreiber sinnvoller, die angestelltes Personal für diverse Aufgaben des Stadion-Unterhalts abstellen könnte.

Doch angesichts der bevorstehenden Sanierungsmaßnahmen deutet alles darauf hin, dass das bisherige Betreiber-Model fortgeführt wird. Hintergrund: 30 Prozent Fördergeld für Um- und Neubaumaßnahmen gibt es vom Bayerischen-Landes-Sportverband (BLSV) nur dann, wenn das Eisstadion von einem Verein wie dem TSV betrieben wird.

Wegen des Hin und Her macht sich Knittel durchaus Sorgen, ob die Zukunft des Eisstadions überhaupt gesichert ist. „Dass das Stadion geschlossen wird, kann und will ich mir nicht vorstellen, aber so lange es zu keiner sinnvollen Einigung kommt, ist es nicht auszuschließen.“ Das Aus des Schongauer Eisstadions wäre für Schongau und die Region ein herber Verlust. Neben den Mammuts wird die Halle auch durch Schulklassen, Eislaufschule, Publikumslauf und anderen Hobbymannschaften in aller Regelmäßigkeit genutzt. Laut Konstantin habe der TSV die Nutzung einer Woche im Oktober ermittelt. Ergebnis: 1100 Besucher von Seiten des TSV sowie 800 von öffentlicher Seite.

Damit es zu diesem Worst-Case nicht kommt, bittet Bürgermeister Falk Sluyterman noch diesen Monat Stadt- und TSV-Verantwortliche an einen runden Tisch, um insbesondere bevorstehende Sanierungsmaßnahmen und „eine Verlängerung des Erbpachtvertrags“ zu diskutieren. Im Optimalfall wird auch gleich eine Einigung erzielt. Schließlich muss der Erbpachtvertrag im Rahmen der Delegiertenversammlung des TSV neu beschlossen werden. Und die findet bereits im kommenden Mai statt. Wenngleich auch die Einberufung einer außerordentlichen Delegiertenversammlung zu einem späteren Zeitpunkt möglich wäre.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Prügelei mit Imbiss-Besitzer: Welche Version stimmt?
Die Auseinandersetzung im Döner- und Pizza-Imbiss in Lechbruck zwischen dem Besitzer und einer Gruppe syrischer Asylbewerber aus einer benachbarten Unterkunft stellt die …
Prügelei mit Imbiss-Besitzer: Welche Version stimmt?
Zug zerfetzt Papierlaster: Schuldfrage in Schongau geklärt
Ein vollbesetzter Zug der Bayerischen Regiobahn hat am Dienstagnachmittag in Schongau bei der UPM-Werkseinfahrt einen Lkw gerammt. Der Lastwagenfahrer blieb unverletzt, …
Zug zerfetzt Papierlaster: Schuldfrage in Schongau geklärt
Heißer Schlagabtausch vor Bürgerentscheid in Rottenbuch
Bekommt Rottenbuch einen Supermarkt oder setzen sich die Gegner des Projekts durch? Die Antwort verspricht, spannend zu werden. Knapp eine Woche vor dem Bürgerentscheid …
Heißer Schlagabtausch vor Bürgerentscheid in Rottenbuch
Hoher Schaden bei Unfall mit Klein-Lkw
Hoher Sachschaden ist bei einem Unfall am Montag bei Rottenbuch entstanden - ein Klein-Lkw hat auf der B23 eine Spur der Verwüstung gezogen.
Hoher Schaden bei Unfall mit Klein-Lkw

Kommentare