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Krankenhaus Schongau: Sorgen um Erhalt der stationären Versorgung nehmen zu

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Von: Sebastian Tauchnitz

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Der Aufsichtsrat der Krankenhaus GmbH hatte vor einem Jahr im Rahmen einer Pressekonferenz klar gestellt, dass es Ziel sei, „das Schongauer Krankenhaus in kommunaler Hand zu behalten“.
Der Aufsichtsrat der Krankenhaus GmbH hatte vor einem Jahr im Rahmen einer Pressekonferenz klar gestellt, dass es Ziel sei, „das Schongauer Krankenhaus in kommunaler Hand zu behalten“. © HEROLD/ ARCHIV

Das Aktionsbündnis zum Erhalt des Schongauer Krankenhauses, dass sich zu Monatsbeginn gegründet hatte, fühlt sich durch die Anzeige des Krankenhaus-Aufsichtsrates in seinen Befürchtungen bestätigt.

Schongau – Zumindest indirekt hatte der Aufsichtsrat in seiner Anzeige in der Heimatzeitung bestätigt, dass die stationäre Versorgung am Krankenhaus-Standort Schongau gefährdet ist. Schongau sollte, so der Aufsichtsrat, „als moderne Gesundheitsversorger“ weiterentwickelt werden, während die stationäre Gesundheitsversorgung „an einem zentralen Standort“ gebündelt werden solle.

„Daraus lässt sich zwar klar ableiten, wohin die Reise gehen soll – zu einem zentral gelegenen Großkrankenhaus –, dennoch wird die Bevölkerung weiter im Unklaren gelassen“, sagt Notfallsanitäter Stefan Konrad vom Aktionsbündnis im Gespräch mit der Heimatzeitung. Man könne aber nur dann in eine inhaltliche Debatte eintreten, „wenn die Fakten auf dem Tisch liegen“.

Das Aktionsbündnis hatte direkt nach seiner Gründung daher zwei Kernforderungen formuliert: Die sofortige Veröffentlichung des gesamten Gutachtens zur Zukunft der Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH und eine Verschiebung der Debatte darüber im Kreistag bis mindestens März 2022.

„Landrätin Andrea Jochner-Weiß hat uns bislang noch nicht einmal den Eingang des Schreibens bestätigt. Und nach unseren Informationen wurde die Resolution auch noch nicht, wie ursprünglich erbeten, an alle Kreisräte weitergeleitet“, so Konrad.

Krankenhaus-Standort Schongau werde seit längerem geschwächt

Das passe durchaus zum Bild, dass die Schongauer vom Verhalten des Landkreises und der Geschäftsführung der Krankenhaus GmbH hätten. „Wiederholt waren Landrätin und Geschäftsführer Thomas Lippmann im Stadtrat eingeladen, um über die Zukunft des Krankenhaus-Standorts Schongau zu diskutieren“, berichtet Konrad, der für die SPD im Stadtrat sitzt. Nie seien sie dieser Einladung gefolgt. Stattdessen hatte es eine hitzige Debatte im Kreistag gegeben, weil Lippmann in der Bürgerversammlung in Böbing aufgetreten war, den Schongauer Stadtrat aber links liegen gelassen hatte. Dieses Verhalten, aber auch die letzte Stellungnahme des Aufsichtsrates, seien nicht unbedingt als vertrauensbildende Maßnahme in Sachen Krankenhauserhalt in Schongau zu verstehen, so Konrad. „Als das Krankenhaus im vergangenen Jahr wegen einer Corona-Masseninfektion der Mitarbeiter dicht gemacht wurde, haben wir schon einmal einen Vorgeschmack darauf bekommen, was passiert, wenn so ein Haus weg ist“, meinte er. Die Wege würden immer weiter, die Rettungszeiten länger.

Schon seit längerem sei ein deutlicher Trend erkennbar, den Standort Schongau zugunsten von Weilheim zu schwächen, sagt Krankenschwester Regina Haugg, die gemeinsam mit Konrad zum Redaktionstermin erschienen ist. Sie hat auch Beispiele parat. So seien die Gefäßchirurgie und die Stroke-Unit, die für die Behandlung von Schlaganfallpatienten zuständig ist, nach Weilheim verlegt worden. Noch vor einiger Zeit hätte ein Teil der Schlaganfallpatienten gleich vor Ort in Schongau operiert werden können. Das sei jetzt nicht mehr möglich.

Auch die Urologie, die lange Zeit weit über die Stadtgrenzen von Schongau hinaus bekannt war, sei nach der Corona-Schließung im vergangenen Jahr nie wieder zurückgekommen. Dazu seien jede Menge verpasste Chancen gekommen, den Standort zu stärken und zukunftssicher aufzustellen, ergänzt Stefan Konrad. Da sich in Weilheim einfach keine Ärzte gefunden hätten, sei zwar die Geburtenstation nach Schongau verlegt worden, eine Station für pädiatrische Notfälle gebe es aber dennoch nicht. „Stattdessen müssen die Linder dann nach Garmisch oder Starnberg verlegt werden“, so Konrad.

Die Psychiatrie in Landsberg platze aus allen Nähten, gerade im Schongauer Raum gäbe es viele Einrichtungen zur Betreuung psychisch Kranker, „eine Außenstelle der Landsberger Klinik wurde aber nicht eingerichtet.“

Stattdessen werde mehr und mehr nach Weilheim verlagert. Die OP-Roboter? Stehen in Weilheim. Das zusätzliche Container-CT? Steht in Weilheim, obwohl Schongau ganz offiziell Covid-Schwerpunktklinik ist, so Konrad. „Da wird in Weilheim jede Menge Geld an einem Standort verbraten, der nicht wachsen kann“, ergänzt Regina Haugg. Und erinnert daran, dass das Weil-heimer Krankenhaus mitten in der Stadt liege und kaum Erweiterungsmöglichkeiten biete. „Und wenn dann mal doch Flächen verfügbar sind, werden sie zu Mondpreisen angekauft“, so Haugg. Sie spielte darauf an, dass der Landkreis vor einigen Jahren 4,8 Millionen Euro für ein 1740 Quadratmeter großes Grundstück neben dem Weilheimer Krankenhaus bezahlt hatte, das bis heute nicht genutzt wird. „Und das angesichts des Umstands, dass es in Schongau leicht möglich wäre, zu erweitern“, so Konrad weiter.

Krankenhäuser Weilheim und Schongau sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden

Beide stellten aber auch klar, dass sie keinesfalls die Krankenhaus-Standorte in Weilheim und Schongau gegeneinander ausspielen wollten. „Wir stehen hinter der Belegschaft beider Häuser“, so Konrad. Allerdings müsse die Debatte offen geführt werden – das gehöre sich in einer Demokratie. Die Informationspolitik von Landkreis und Krankenhaus GmbH sei unzureichend. Auch für die Kreisräte, die weitreichende Entscheidungen treffen müssten, ohne umfassend informiert worden zu sein.

Deswegen hoffe man, dass sich noch mehr Menschen aus dem westlichen Landkreis dem überparteilichen Aktionsbündnis anschließen. Eine Internetseite und Auftritte in den sozialen Netzwerken seien bereits in Vorbereitung, berichteten die beiden Vertreter.

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