Koalition in Österreich perfekt!

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Leiterin Christina Lehmann zeigt, wie die grundgereinigten und sortierten Instrumente richtig verpackt werden.

Reinigung der Medizinprodukte in der Krankenhaus GmbH

OP-Sets nach vier Stunden einsatzbereit

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Vor einem Jahr ist am Schongauer Krankenhaus die Zentrale Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte (ZAEMP) in Betrieb gegangen, seit einem halben Jahr wird das Weilheimer Krankenhaus mitversorgt. Bis die Medizinprodukte für die OPs wieder sterilisiert, sicher verpackt und ausgeliefert werden können, sind viele Handgriffe und der Einsatz moderner Technik notwendig.

Schongau– „Das ist unser tägliches Los: Wir müssen uns immer umziehen.“ Christina Lehmann, Leiterin der Zentralen Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte in Schongau (ZAEMP), startet in der „Schleuse“ im Untergeschoss mit der Führung. Augenzwinkernd erklärt Lehmann die verschiedenen Hauben-Modelle, um die Haare zu verstecken – „Duschhaube“, „Peggy“ oder „Astrohaube“ – und zieht sich selbst Kittel und Hose in der Farbe „Brombeere“ über. Ein bisschen Humor muss schon sein, denn für die Arbeit in diesem wichtigen Bereich des Krankenhauses benötigen die derzeit zehn Mitarbeiter ihre volle Konzentration.

Sämtliche medizinischen Geräte und Produkte, die in den je vier Operationssälen der beiden Krankenhäuser Weilheim und Schongau benötigt werden, wandern einmal durch diese hochmoderne Waschstraße. An die 7000 verschiedenen Artikel von Scheren und Klemme6n bis hin zur Bohrmaschine, werden dort wiederaufbereitet, und zwar in einem streng festgelegten und noch strenger kontrolliertem Ablauf.

Das kontaminierte Material aus den OP-Sälen in Schongau und Weilheim kommt gesichert in der ZAEMP an.

Direkt aus den Operationssälen kommen die beladenen Wagen in die Aufbereitungseinheit – per Aufzug oder direkt aus Weilheim mit einem speziellen Transporter. Hinein kommt wirklich nur derjenige, der eine Zugangsberechtigung hat. Wichtig ist vor allem die Trennung zwischen den beiden Seiten „unrein“ und „rein“. Das kontaminierte Material muss erst einmal grundgereinigt werden – und zwar händisch. Nächste Station in der „Waschstraße“ der Sterilisationsabteilung sind dann spezielle Reinigungs- und Desinfektionsgeräte. Diese arbeiten nicht mit normalem Leitungswasser, sondern mit komplett entsalztem Spezialwasser, da sonst die Stahlinstrumente angegriffen würden. Bis zu 400 Liter sind pro Waschgang erforderlich.

Diese Maschinen sind von beiden Seiten zugänglich, also vom „unreinen“ wie auch vom „reinen“ Bereich. In Letzterem beginnt nun das Sortieren und Verpacken. Für jede Fachrichtung und jede mögliche OP gibt es Packlisten für die Körbchen, die dann wiederum in festgelegte Einheiten zusammengenommen werden. Ob Blinddarm-OP oder der Eingriff für eine neue Hüfte – alle notwendigen Instrumente werden systematisch erfasst und das Packen mehrfach via Barcode kontrolliert.

Immer wieder gegengecheckt wird auch der (schon fast) letzte Arbeitsschritt in der Aufbereitungseinheit, die Sterilisation der fertig gepackten Einheiten. Die eigentliche Sterilisation bei 134 Grad und rund 3000 Millibar Druck dauert nur etwa fünf Minuten, der gesamte Prozess in diesem Gerät inklusive Abtrocknung aber mehr als eine Stunde. Insgesamt war eine Pinzette oder eine Fräse, bis sie bei der nächsten OP eingesetzt werden kann, etwa vier Stunden in der Aufbereitung, was je OP-Sieb 50 bis 70 Euro kostet, wie Florian Diebel überschlägt, Vize-Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH. Gerade für angehendes medizinisches Personal sei es recht aufschlussreich, sich über diesen Aufwand klar zu werden, so Lehmann.

Zuletzt werden die Geräte noch sterilisiert, wie stellvertretender Geschäftsführer Florian Diebel erklärt.

Das bestätigt auch Katrin Schulze aus der OP-Leitung in Schongau. Sie verlässt sich auf die Kollegen, dass die einzelnen OP-Sets richtig gepackt und korrekt etikettiert, vor allem auch pünktlich ankommen, damit in den OP-Sälen nach Termin gearbeitet werden kann. 15 000 sogenannte Sterilguteinheiten (maximal zehn Kilo oder ein Ausmaß von 30 mal 30 mal 60 Zentimeter) haben seit November 2016 – Weilheim kam zum 1. Juni hinzu – die Aufbereitungseinheit Schongau wieder verlassen.

Alle Geräte in der ZAEMP stammen übrigens von der MMM Group mit Sitz in Peiting, ein führender Systemanbieter rund um die Reinigung, Desinfektion und Sterilisation in diesem Bereich. Rund 1,1 Millionen Euro wurden dafür investiert, rechnet Diebel vor. Der komplette Innenausbau – Umbau und Technik – hat rund vier Millionen Euro gekostet – finanziert durch den Landkreis und gefördert mit rund zwei Millionen Euro seitens des Freistaates. Von der ersten Planung bis zur Inbetriebnahme dauerte es zwei Jahre.

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