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Sie stehen zur Geburtshilfe in Schongau: (h.v.l.) Anne Ertel (Pflegedienstleitung), Christine Eder (Hebamme), Bojana Kapor (Assistenzärztin), Dr. Solveig Groß (Chefärztin Frauenklinik Weilheim-Schongau), Nadine Lachmann (Hebamme), Stephanie Glötzl-Widl (Hebamme), Jürgen Karbach (Belegarzt), Daniela Schregle (Hebamme), auf dem Sofa (v.l.) Dr. Ignat Ignatov (Facharzt Frauenklinik), Dr. Gerhard Schmidberger (Belegarzt), Friederike Templin (Hebamme).

Alle ziehen an einem Strang

Hebammen machen Extraschichten für Geburtsstation im Krankenhaus Schongau 

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Groß ist die Belastung für das Hebammenteam im Schongauer Krankenhaus, das während der vorübergehenden Schließung der Weilheimer Geburtshilfe zusätzliche Schichten übernimmt. Um die beste Versorgung für werdende Mütter aus dem ganzen Landkreis sicherzustellen, hat man einiges umstrukturiert. Und alle ziehen an einem Strang.

Weilheim-Schongau – „Es kam ja alles sehr überraschend, wir wussten nicht, was genau auf uns zukommt“, blickt Belegarzt Jürgen Karbach zurück. Im August und September hatte es in Schongau eine ungewöhnlich hohe Geburtenrate gegeben, jeweils 50 Kinder kamen pro Monat zur Welt, sonst sind es im Schnitt 30. Genauso kurzfristig, wie die Nachricht der Geburtshilfe-Schließung in Weilheim kam, hat man nun in Schongau reagiert und das System umgestellt. Während bisher nur eine Hebamme alleine einen 12-Stunden-Dienst übernahm mit einem Gynäkologen in Rufbereitschaft, gibt es nun zwei Dienstpläne: Einen für die Kolleginnen, die im Kreißsaal sind, und einen für die feste Bereitschaft.

„Dadurch können wir das sehr gut auffangen“, so Karbach. Zumal sich die Geburten in Schongau von eigentlich Weilheimer Kindern bisher in Grenzen halten: Bisher waren es drei, für den Oktober sind zehn bis zwölf angemeldet. Hebamme Nadine Lachmann rechnet mit zehn bis 15 Geburten mehr pro Monat. „Wichtig ist, dass die Frauen gut betreut sind, das war bisher unser Aushängeschild und bleibt auch so“, betont ihre Kollegin Stephanie Glötzl-Widl. Die Frauen kämen teilweise von weit her, weil das Schongauer Krankenhaus einen sehr guten Ruf habe, so Belegarzt Dr. Gerhard Schmidberger.

Dabei gebe es nicht etwa mehr Kaiserschnitte, um den Kreißsaal leer zu bekommen. Im Gegenteil: Die Kaiserschnittrate liege in Schongau bei unter 25 Prozent und damit deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 33 Prozent.

Das bedeutet aber auch, dass die Hebammen nun doppelt so viele Dienste haben. Zu den bisher acht Diensten pro Monat kommen zusätzliche acht hinzu: „Das ist schon eine enorme Belastung, unsere Familien finden das nicht so prickelnd, aber mei“, so Lachmann. Und Karbach ergänzt: „Wir machen das aus Überzeugung, aber wenn das ein dauerhafter Zustand wäre, müssten wir personell aufstocken.“ Das System mit einer Hebamme in fester Rufbereitschaft wird voraussichtlich ab Januar weitergeführt. Wobei die Hebammen noch im Gespräch sind mit der Personalabteilung, dass die Rufbereitschaft vergütet wird.

Jedoch wollen die Schongauer Hebammen nicht weg vom Belegsystem – im Gegensatz zur Geburtshilfe in Weilheim. Dort hat das Belegheb-ammensystem definitiv ausgedient, es werden dort künftig ausschließlich festangestellte Hebammen arbeiten. Ausgeschrieben sind sechs Vollzeitstellen, die auf viele Schultern in Teilzeit verteilt werden sollen. „Dies ist auch günstig für junge Mütter, die zurückwollen in den Beruf“, so Dr. Solveig Groß, Chefärztin der Frauenklinik.

Ebenfalls zum 1. Januar soll in Schongau eine neue Hauptabteilung eingerichtet werden, nach dem Motto: Eine Abteilung mit zwei Standorten Weilheim und Schongau, einem Chefarzt für beide und jeweils fachärztliche Versorgung rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche. Ein neuer Facharzt, Dr. Ignat Ignatov, hat bereits seinen Dienst aufgenommen (siehe Kasten). Mit einer weiteren Assistenzärztin sei man im Gespräch. Dr. Schmidberger möchte sich zurückziehen, die Teilzeit-Verträge mit den zwei weiteren bisherigen Belegärzten Jürgen Karbach und Marlene Schweyer sind jedoch noch nicht unter Dach und Fach, da wird hinter verschlossenen Türen verhandelt. Der Grund: Nicht nur bei den Hebammen steigen die Versicherungssummen enorm. Karbach fordert ein Umdenken in der Politik. Er weiß von behinderten Kindern in München, die während der Geburt unterversorgt waren, weil sie von mindestens drei Kliniken abgewiesen wurden. „Wenn nicht die Politik einen Riegel vorschiebt, wird es auch das belegärztliche System nicht mehr geben, da finden sie niemanden mehr, der das Risiko trägt“, kritisiert Karbach.

Mehr Kinder bedeutet auch mehr Betreuungsarbeit auf der Station. Eine zusätzliche Kinderkrankenschwester wird eingestellt. Und aktuell habe man sich die Hebammen zum Vorbild genommen und „ebenfalls einen Hintergrunddienst eingerichtet“, so Anne Ertel, die die Pflegedienstleitung innehat. „Das hat das Team selbst organisiert mit ganz viel Bereitschaft.“ Außerdem gibt es ab der kommenden Woche eine extra Station mit 24 Betten: die Station 1 wird reaktiviert. Hebamme Daniela Schregle: „Bei uns muss niemand auf dem Gang liegen.“

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