Er ist frustriert von der Rücksichtslosigkeit in der heutigen Zeit: Günter Gewitschs Auto wurde just in dem Moment in Schongau angefahren, als er beim Arzt eine Krebsdiagnose erhielt. Die Polizei sucht den Flüchtigen.
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Er ist frustriert von der Rücksichtslosigkeit in der heutigen Zeit: Günter Gewitschs Auto wurde just in dem Moment in Schongau angefahren, als er beim Arzt eine Krebsdiagnose erhielt. Die Polizei sucht den Flüchtigen.

Peitinger ärgert sich über flüchtigen Unfallverursacher

Auto angefahren, während er Krebsdiagnose bekam

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Für die Polizei ist es trauriger Alltag, für Günter Gewitsch ein Riesenärgernis: Ein Unbekannter hat am Montag in Schongau das E-Auto des Peitingers angefahren und sich aus dem Staub gemacht. Für den 64-Jährigen war es ein rabenschwarzer Tag. Der Unfall ereignete sich, während der Mann beim Hautarzt eine Krebsdiagnose erhielt.

  • Nach dem Arztbesuch findet Peitinger Schaden an seinem Wagen
  • Er hat ein Krebsdiagnose und jetzt auch noch Ärger mit einer Unfallflucht
  • Die Polizei sucht Zeugen, die den Unfall beobachtet haben

Schongau/Peiting – Als ob der Tag für Günter Gewitsch nicht schon deprimierend genug war, muss er sich jetzt auch noch mit einem Schaden an seinem neuwertigen E-Golf herumschlagen. Am Montagvormittag hatte der 64-Jährige in einer Hautarztpraxis an der Burggener Straße in Schongau erfahren, dass er weißen Hautkrebs hat. „Ziemlich niedergeschlagen wollte ich mich danach auf den Heimweg machen“, berichtet der 64-Jährige. Doch als er vor seinem Auto stand, folgte der nächste Nackenschlag.

Der vordere linke Kotflügel sowie die Frontschürze des Wagens waren zerkratzt, zerbeult und zum Teil bis auf den Grund vom Lack befreit. Die Polizei beziffert den Sachschaden mit rund 2000 Euro, vom Verursacher fehlt bislang jede Spur.

Strafgesetzbuch sieht harte Strafen vor

„Ich war nur 45 Minuten weg, und dann so etwas“, kann es der Peitinger kaum fassen. Er ist mächtig sauer auf den Geflüchteten, der weder eine Nachricht hinterlassen, noch die Polizei verständigt habe, sondern „einfach abgehauen“ sei. Jedem könne mal ein Missgeschick passieren, „aber dann muss man auch für den Schaden geradestehen“, findet Gewitsch. Zumal hierzulande ja auch jedes Fahrzeug haftpflichtversichert sei. „Einfach zu Türmen, ohne sich um den Schaden zu kümmern, ist nicht nur eine feige Aktion, sondern eine Straftat.“

Und die wird vom Gesetzgeber hart bestraft: Laut Strafgesetzbuch stehen auf eine begangene Fahrerflucht eine Geld- oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Ab einem Sachschaden von mehr als 1300 Euro liegt die Geldstrafe über einem Monatsgehalt des Verursachers. Ihn erwarten zudem drei Punkte in der Sünderkartei in Flensburg, zudem droht der Entzug des Führerscheins.

In 116 Fällen den Flüchtigen gefunden

Dennoch gehen viele das Risiko ein und fahren nach einem Blechschaden einfach weiter. Deutschlandweit registrieren die Polizeidienststellen jährlich 250 000 bis 300 000 Unfallfluchten, heißt es. Die Dunkelziffer dürfte noch weit höher sein. Der Polizei in Schongau waren laut Dienststellenchef Herbert Kieweg im vergangenen Jahr insgesamt 290 Unfallfluchten gemeldet worden, immerhin 116 davon konnten die Beamten aufklären.

Oft seien es Zeugen, die wertvolle Hinweise auf die Geflüchteten geben, berichtet Kieweg. Manchmal finden die Beamten aber auch Fahrzeugteile des Verursachers am Unfallort, über die es gelingt, den Halter des Autos ausfindig zu machen. Diese Arbeit übernehmen laut Kieweg spezielle Unfallflucht-Fahnder der Polizei in Weilheim.

Polizei bittet um Zeugenhinweise

Günter Gewitsch bleibt also eine rund 40-prozentige Chance, dass der Übeltäter noch geschnappt wird und er nicht auf dem Eigenanteil seiner Vollkaskoversicherung (300 Euro) sitzen bleibt. „Versicherung, Werkstatt und Polizei habe ich noch obendrein am Hals“, klagt der 64-Jährige. „Erst die Krebsdiagnose und dazu noch ein demoliertes Auto, vielen Dank, lieber Verkehrsteilnehmer“, übt sich der Peitinger in Sarkasmus. Wahrscheinlich sei das aber nur „ein ganz normaler Tag in unserem schönen Land in der heutigen Zeit mit immer rücksichtsloser werdenden Gesellschaft“.

Hinweise: Wer Hinweise zu dem Unfall am vergangenen Montag zwischen 10.50 und 11.35 Uhr an der Burggener Straße geben kann, wird gebeten, sich mit der Polizeiinspektion in Schongau unter 08861/23460 in Verbindung zu setzen.

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