Kfz-Meister und Vespa-Spezialist Herbert Bergbauer (60) in seiner Werkstatt und dort in seinem Element. Es gibt kein Modell, für das es nicht eine Lösung gibt. Sein heimlicher Traum wäre immer noch eine Vespa 125 Baujahr 1958.
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Kfz-Meister und Vespa-Spezialist Herbert Bergbauer (60) in seiner Werkstatt und dort in seinem Element. Es gibt kein Modell, für das es nicht eine Lösung gibt. Sein heimlicher Traum wäre immer noch eine Vespa 125 Baujahr 1958.

Sie hat mit ihren unverwechselbaren Rundungen Generationen fasziniert

Vespa: Kurvige Schönheit wird 75 - Auch Schongauer fahren auf sie ab

Sie darf mit Recht die „Grande Dame“ der Motorroller genannt werden. Obwohl sie immer noch heiß begehrt ist, feiert sie in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag. Sie hat mit ihren unverwechselbar geformten Rundungen Generationen fasziniert und in ihren Bann gezogen. Sie ist Kult, vor allem die in die Jahre gekommenen Exemplare der Vespa stehen auf der Beliebtheitsskala ganz oben.

Schongau – Kultobjekt Vespa: Eigentlich wollte der Ingenieur und Erfinder Corradino D‘Ascanio Flugzeuge bauen. Aber der Tüftler erkannte, dass kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges ein anderes Fortbewegungsmittel viel mehr gebraucht werde. Das „Entchen“ war geboren, aus dem Prototyp entstand die „Wespe“.

Eine kleine Sensation damals: Ein Roller ohne Kettenantrieb. Die Erfindung auf zwei Rädern kam im Jahr 1946 auf den Markt. Mit sensationellem Erfolg. Vor allem die Jugend hatte ihr Herz an die Vespa verloren.

Film half zur Popularität

Apropos Herz: 1953 wurde die Filmromanze „Ein Herz und eine Krone“ in Rom gedreht. Wer erinnert sich nicht an die Szene, als Schauspieler Gregory Peck als Presseagent Joe Bradley die Kronprinzessin Ann, gespielt von Audrey Hepburn, bei einer Stadtführung mit einer Vespa durch die ewige Stadt kutschierte? Bestimmt verhalf dieser Film dem Roller zur Popularität. 1965 waren bereits weltweit drei Millionen Vespas verkauft. Das beliebte Fahrzeug schlugt wie eine Bombe ein.

„Rot muss sie sein“: Das war der Wunsch der Schongauerin Heidi Schrödl, als sie sich 1983 ihre Vespa bestellte. Seit der Zeit hat sie 12 745 Kilometer auf ihr heruntergeschrubbt. 

Bis nach Schongau flogen sprichwörtlich die Splitter. Dort hatte man am Anfang sogar zwei Händler, die das Gefährt anboten. Da gab es den Zweiradhändler Andreas Vogel in der Altstadt, und in der Peitinger Straße errichtete Alfons Bergbauer seine Werkstatt. Der gebürtige Rottenbucher hatte zwar Schlosser gelernt, auf seinem Bauernhof aber alles repariert, was mit einem Motor angetrieben wurde oder auf Rädern fuhr.

Das führte dazu, dass Bergbauer 1952 in Peiting ein Fahrradgeschäft eröffnete. Sein Sohn erinnert sich noch daran, dass der Vater sich damals das Kapital für den Start, satte 100 Mark, von einem Freund geborgt hatte.

Mit seiner Leidenschaft für Zweiräder auch den Sohn infiziert

1967 erfolgte dann der Umzug nach Schongau in die Peitinger Straße. „Erst hat mein Vater nur Zweiräder mit Motor repariert“, erinnert sich sein Sohn Herbert. Da waren dann schon mal Zündapp- oder Honda-Roller dabei. Aber am Ende hat dann doch das Herz von Bergbauer für die Vespa der Firma Piaggio geschlagen. Das führte wiederum dazu, dass der „Zweiradfuchs“ auch Händler für den italienischen Exportschlager wurde. Es bleibt natürlich nicht aus.

Mit seiner Leidenschaft für Zweiräder hat der Vater seinen Sohn Herbert infiziert. Mit einer „Honda Dax“ stellte dieser schon in ganz jungen Jahren hinter der Werkstatt seine Fahrkünste unter Beweis. Nicht immer zur Freude des Vaters. Die „Dax“ wurde konfisziert, der Weg für die Vespa damit notgedrungen geöffnet.

Er bringt alle Typen und Fabrikate wieder zum laufen

Herbert Bergbauer hatte Blut geleckt, die Vespa würde seine Welt werden. Er erlernte den Beruf eines Kfz-Mechanikers, die Meisterprüfung folgte. Drei Jahre arbeitete er mit dem Vater in der Werkstatt, dann wurde sie ihm 1989 überschrieben.

Herbert Bergbauer war jetzt in seinem Element, die Vespa wurde seine Berufung. Das fällt auch dem Besucher sofort auf, wenn er die Werkstatt betritt. Süditalienisches Flair mit Ersatzteileordnung, die nur der Meister selbst durchschaut. Was jedoch die Kunden so sehr an ihm schätzen: Er bringt alle Typen, die nicht mehr so richtig laufen wollen, wieder in Schwung.

Auf Rollerboom aufgesprungen

Bei Herbert Bergbauer gibt es kein Modell, das noch nicht durch seine Finger gelaufen ist. „Vor allem in den 90er-Jahren gab es einen unwahrscheinlichen Roller- Boom, da kamen Geräte zu mir, die man nur vom Prospekt her kannte“, erzählt er. Darunter waren auch Variationen, die nicht im Katalog standen.

Die metallic-grüne Vespa ist Silvie Peschkes Leidenschaft, der Helm ihr Markenzeichen.

Auf diesen Rollerboom ist damals auch die Schongauerin Heidi Schrödl (66) aufgesprungen. Ihren Herzenswunsch, eine Vespa P80X, hat sie sich 1983 erfüllt. „Auf alle Fälle musste sie rot sein“, erzählt Schrödl. Drei Monate nach Bestellung durfte sie damals auf ihr Zweirad warten. Die Wahl eines 80 ccm-Rollers ist von ihr einfach erklärt. „Diesen Roller konnte ich mit meinem ganz normalen Führerschein fahren, eine Nummer größer hätte ich den Motorradführerschein machen müssen.“

Sogar mit Weiß-Wand-Reifen

Vielleicht wäre damals eine Motorradfahrstunde für Schrödl nicht das Schlechteste gewesen. Denn als sie in ihren Vespa-Anfängen in Gewissheit, den Leerlauf eingelegt zu haben, die Kupplung allzu schnell löste, nahm das Drama seinen Lauf: Eine ungewollte Flugphase in Nachbars Garten war das Ergebnis, inklusive Schrammen und blaue Flecken.

Abhilfe verschaffte Verkäufer Andreas Vogel. Er gab ihr auf einem Parkplatz Fahrstunden. Das Ergebnis: Der Vespa-Roller ist immer noch unverbeult intakt, natürlich auch durch die regelmäßigen Inspektionen bei Herbert Bergbauer. Dieser hat bei dem guten Stück sogar Weiß-Wand-Reifen aufgezogen, ein Hingucker bei jeder Spazierfahrt um den Ammersee.

Espressomaschine im Lenkerkoffer

Stolz auf ihre Vespa ist auch Silvie Peschke aus Schongau. Sie hat sich ihren Traum von einer Vespa PX 80E Lusso im Jahre 2004 erfüllt. „Für einen Zuckerlpreis habe ich mein Lieblingsmodell Baujahr 1994 von einem älteren Herrn erworben“, schwärmt Peschke. Das Kultstück in metallic-grün hatte gerade mal 5300 Kilometer auf dem Buckel. Alles original, nur der Lenkerkoffer ist modifiziert – natürlich stilecht.

In dem hat Peschke immer eine italienische Espressomaschine dabei. Könnte aber leicht sein, dass diese zum Vespa-Geburtstag einer Flasche „Asti Spumante“ weichen muss.

Hans-Helmut Herold

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