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Perfektes Beispiel: Der alte Apfelbaum der Familie Lieb in Bernbeuren wurde vermutlich irgendwann mit einer zweiten Sorte veredelt – und dieses Jahr sind die oberen Äste kahl, während im unteren Bereich ein reicher Ertrag herangewachsen ist.

Die Obstpressen startklar machen

Kuriose Apfelernte: Zwischen toll und nichts

Nächste Woche nehmen im Schongauer Land die ersten Obstpressen wieder ihren Betrieb auf. Allerdings dürfte sich der Ansturm zum Mosten in Grenzen halten, denn die Apfelernte fällt allem Anschein nach auch heuer nicht so rosig aus.

Schongau – „Die Apfelernte ist sehr unterschiedlich“, sagt Heike Grosser, Fachberaterin für Gartenkultur und Landespflege im Landkreis Weilheim-Schongau. Früh blühende Sorten seien entweder schon bestäubt worden und tragen oder sie seien komplett der schlechten Witterung zum Opfer gefallen. Spät blühende Sorten tragen dagegen häufig. „So gibt es Gärten, in denen z.B. fünf Bäume keinen Apfel haben und zwei Bäume tragen. Es gibt auch Apfelbäume, die reichlich tragen“, berichtet die Fachberaterin.

Schlechtwetterphasen im Frühjahr waren entscheidend

Entscheidend war laut Grosser der Stand der Knospenentwicklung vor Beginn der Schlechtwetterphase im Frühjahr: Spät blühende Sorten haben sich in dieser Zeit nicht weiterentwickelt und dann noch bei gutem Wetter bis Mitte Mai geblüht und gut angesetzt, Knospen im Ballonstadium wurden teilweise durch Frost komplett geschädigt. Teilschädigungen zeigten sich durch Schalenveränderungen.

Ein zusätzlicher Faktor ist die Anzahl der Bestäuberinsekten: Hummeln fliegen auch bei kühleren Temperaturen, wenn die Honigbiene nicht fliegt. Viele zusätzliche Bestäuberinsekten haben einen immer stärker eingeschränkten Lebensraum und sind so in immer geringerer Anzahl vorhanden.

In Steingaden gab es schon Jahre, da flossen im Herbst 90 000 Liter Apfelsaft aus der Obstpresse. Im vergangenen Jahr waren es 22 340 Liter. „Es ist zu befürchten, dass der Ertrag heuer noch geringer ausfällt“, sagt Roberta Leimbach, die Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins in Steingaden. Dort wird voraussichtlich am 9. September heuer zum ersten Mal gemostet.

Auch bei der Obstpresse in Steingaden bereitet man sich auf das Mosten vor. Die Anlage ist nachgerüstet worden

Für Roberta Leimbach liegen die Ursachen für den geringen Ertrag auf der Hand: Das Wetter machte im Frühjahr den Gartlern einen Strich durch die Rechnung: Zuerst so warm, dass alles zu blühen angefangen hat, und dann schlug der Frost noch einmal zu und ließ die Blüten absterben. Dazwischen gab es immer wieder Regen und kühle Temperaturen. Dieses kalte Schmuddelwetter hätten viele Blütenknospen nicht überstanden.

Weniger Obst – das bedeutet für den Verein auch weniger Einnahmen. „Heuer haben wir für die Obstpresse ein neues Beförderungsband anschaffen müssen, das hat rund 2500 Euro gekostet“, rechnet Roberta Leimbach vor. Und im vergangenen Jahr war eine neue Erhitzungsanlage für 20 000 Euro fällig. Viel Geld also, das der Verein aufbringen muss.

Bereits früher dran ist man heuer mit dem Obstpressen in Peiting. Dort geht es am kommenden Montag, 28. August, los. Wer Äpfel oder Birnen zum Mosten hat, kann sich bei Presswart Richard Socher jeden Sonntag von 18 bis 20 Uhr unter der Telefonnummer 08861/6105 melden. In der Regel wird montags und dienstags gemostet, bei Bedarf auch noch an den folgenden Tagen. Wichtig zu wissen: „Jeder erhält den Saft von dem Obst, das er anliefert“, kündigt Thomas Leinauer, der Vorsitzende des Peitinger Obst- und Gartenbauvereins an. Allerdings rechnet er auch heuer eher mit einer mageren Ernte.

Als „ziemlich schlecht“ schätzt auch Eduard Waibl aus Bernbeuren die diesjährige Apfelernte ein. Er ist schon seit fast 40 Jahren für das Obstpressen in Bernbeuren zuständig. „Ich habe zwei Apfelbäume im Garten stehen, da ist fast nix droben“, stellt Waibl enttäuscht fest. Wann die Bernbeurer Obstpresse, die in der Auerberghalle stationiert ist, heuer ihren Betrieb aufnimmt, steht noch nicht genau fest. Das hänge ganz von den Anmeldungen ab. „Wir sind da flexibel“, sagt der 79-jährige Waibl.

Michael Gretschmann

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