Er macht ab heute wieder auf: Georg Werner, Betreiber des traditionsreichen Lagerhauskinos in Schongau.
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Er macht ab heute wieder auf: Georg Werner, Betreiber des traditionsreichen Lagerhauskinos in Schongau.

Nach Corona-Zwangspause

Das Lagerhauskino hat endlich wieder offen

Die Vorhänge öffnen sich wieder: Das traditionsreiche „Lagerhauskino“ in Schongau hat ab dem heutigen Freitag nach eineinhalbjähriger Corona-Zwangspause wieder geöffnet. Betreiber Georg Werner rechnet mit einem großen Andrang.

Schongau – Die Süßwaren sind schon in den Regalen beim Eingang an der Kinokasse eingeräumt, die beiden Kühlschränke für die Getränke werden noch geliefert. Die technischen Anlagen wie Mikrofone und Aufzeichnungsgeräte sind auf Herz und Nieren geprüft worden, alles funktioniert. Kaum zu glauben, aber es ist so weit: Ab dem heutigen Freitag hat das traditionsreiche und wegen seiner Dokumentationsfilme mehrfach ausgezeichnete „Lagerhauskino“ in Schongau wieder geöffnet. Seit dem 13. März vergangenen Jahres waren die Pforten pandemiebedingt geschlossen.

Als Betreiber Georg Werner in dem stockdunklen und noch etwas verstaubt riechenden Kinosaal im ersten Stock das Licht anknipst, verlieren die 53 violett und dick bepolsterten Stühle schlagartig den Nimbus der Bedeutungslosigkeit. Nutzlos, wie pures Beiwerk, müssen sie gewirkt haben, als das Kino wie Millionen andere Veranstaltungsorte auch, wegen den Corona-Auflagen schließen mussten. Nun strahlen sie wieder freundlich in ihrem alten, ehrwürdigen Glanz und laden dazu ein, Filmschauen nach Herzenslust zu genießen.

53 statt nur neun Sitzplätze dürfen belegt werden

Dabei hat es Werner gar nicht so hart getroffen – er steht sogar vergleichsweise gut da. Zum einen, weil er als Solo-Selbstständiger Überbrückungs- und Neustarthilfen bekommen hat, zum anderen, weil er auch Betreiber des „Starlight“-Kinos in Weilheim ist, das über wesentlich mehr Sitzplätze verfügt. Infolgedessen haben die Abstandsregeln, die in Schongau nur neun Besucher zugelassen hätten, in Weilheim eine weitaus größere Belegung ermöglicht und somit das Geschäft einigermaßen rentabel gemacht.

Allerdings musste der Peitinger die ganze Corona-Zeit über eine zusätzliche Kraft für die Platzzuweisung einstellen und auch seinen Steuerberater extra finanzieren. „Ein finanziell dicker Brocken, der jetzt wegfällt“, wie er hörbar erleichtert anmerkt. Jammern ist jedenfalls nicht sein Ding. „Es läuft, und ich freue mich riesig darüber, jetzt auch in Schongau wieder öffnen zu dürfen“, sagt Werner. Es gelten allerdings die üblichen Hygienevorschriften: Zwar keine Abstandsgebote mehr, weswegen jeder Platz genutzt werden darf, dafür aber die 3G-Regeln, und Mund-Nase-Bedeckungspflicht herrscht auch, den ganzen Film über. „Nur beim Essen oder Trinken dürfen die Masken abgenommen werden.“

Das Kino-Geschäft rentiert sich erst bei vielen Besuchern

Gerade seine Branche ist auf eine Vielzahl von Besuchern angewiesen, denn nur 45 Prozent der Einnahmen pro Kinobesuch verbleiben bei den Betreibern – und das noch nicht einmal als Gewinn, sondern als Umsatz vor Steuern. Die andere, weitaus größere Hälfte, muss er an die Filmverleiher abtreten. „Jede Eintrittskarte wird deswegen genau erfasst.“ Masse ist also gewissermaßen angesagt – da klingen läppische neun Plätze wie Hohn. 53 hingegen ist eine andere Zahl, fast das Sechsfache: „Das rentiert sich.“ Auf dem Trockenen sitzen müssen die Gäste auch nicht: Das Lokal im Erdgeschoss ist ebenfalls von Anfang an geöffnet.

Werners Leidenschaft gilt weiterhin den bewegten Bildern, genauer gesagt den Dokumentationsfilmen, für deren Ausstrahlung er mehrfach ausgezeichnet wurde (wir berichteten). Eine von Monika Grütters, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, unterzeichnete Urkunde bescheinigte ihm viel Sensibilität bei diesem Genre und ein „besonders gutes Dokumentar-Filmprogramm“.

Seit über 30 Jahren betreibt Werner schon das Schongauer Kino. „Und es geht weiter, ich bleibe“, freut sich der passionierte Kinomann. Gezeigt wird ab heute, 20 Uhr, zwei Wochen lang das „Kaiserschmarrndrama“ mit dem bayerischen Kultschauspieler Sebastian Bezzel – schon jetzt ein Kassenschlager: „Da werden bestimmt viele kommen.“
Rafael Sala

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