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Vor dem neuen Notaufnahme-Bereich im Schongauer Krankenhaus stehen (v.l.) Geschäftsführer Thomas Lippmann, Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Ärztlicher Direktor Dr. Wilhelm Fischer.

Jahrespressegespräch

Landkreis steht felsenfest zu Krankenhäusern

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Kommunale Krankenhäuser wie in Weilheim und Schongau kämpfen aufgrund politischer Hürden ums Überleben – das machte Thomas Lippmann, Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH, beim ersten Jahrespressegespräch gestern unmissverständlich klar. Aber ebenso deutlich wurde betont, dass der Landkreis felsenfest hinter dem Kurs steht – auch wenn er teuer ist.

Weilheim-Schongau – Wenn Thomas Lippmann an den designierten Gesundheitsminister Jens Spahn denkt, atmet er tief durch: „Mit ihm wird das Leben für uns nicht einfacher“, sagt der Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH vorsichtig. Spahn sei auch ein Verfechter großer Medizin-Zentren, die für die heimischen Krankenhäuser das Aus bedeuten würden. Die jüngsten Schlagzeilen über zu viel Krankenhausbetten in Deutschland haben auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß, gleichzeitig Vorsitzende des Aufsichtsrats, massiv geärgert: „Unsere Krankenhäuser sind immer voll belegt, das hat mir erst ein Redner bei der Bürgerversammlung in Wildsteig bestätigt.“

Doch es hilft nichts, über die Politik zu jammern – „wir müssen noch flexibler werden und uns schneller ändern“, sagte Lippmann. Da ist in der Vergangenheit extrem viel passiert, 20 Prozent mehr Ärzte als noch vor vier Jahren arbeiten in den beiden Kliniken, zum Teil hochspezialisierte Fachleute. Zum einen, weil man Qualität anbieten und damit möglichst viele Patienten anlocken will, zum anderen, um nicht ganze Bereiche zu verlieren. Denn die Politik will, dass viele Operationen nur noch in großen Zentren stattfinden – für kleinere Krankenhäuser wäre das ein Sterben auf Raten, so Lippmann. Zum Beispiel in die Behandlung von Aortenaneurysmen musste man viel Geld investieren, um diese OP weiter anbieten zu können.

Die nächste Herausforderung könnte laut Lippmann die Kinderheilkunde (Pädiatrie) werden, die verlangt wird, um auch weiterhin eine Geburtshilfe anbieten zu können – ein heikler Punkt, seitdem die Geburtshilfe Weilheim vor einem halben Jahr geschlossen und die Schongauer nur dank eines Kraftakts und der Umwandlung zur Hauptabteilung gerettet wurde. „Das wird wieder viel Geld kosten“, weiß Lippmann schon jetzt. Allein das Defizit bei der Geburtshilfe ist von rund 600 000 auf eine Million Euro gestiegen, weil eine Hauptabteilung mehr Geld kostet als ein reines Beleg-System. Dennoch liegt das Gesamt-Defizit der Krankenhaus GmbH mit fünf bis sechs Millionen Euro – die endgültige Abrechnung fehlt noch – trotz der vielen Investitionen im Bereich der Vorjahre, sagt Lippmann. „Es wäre toll, wenn die Bevölkerung es so sehen würde, dass für eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung in den heimischen Krankenhäusern jeder Bürger 350 Euro im Jahr aufbringt“, so Jochner-Weiß. Für die Kinderbetreuung geben die Kommunen auch jedes Jahr Millionen aus, da rede keiner von Defizit, betonte sie.

Das deutlich geringere Minus der angedachten Kooperationspartner im Klinikum Landsberg oder Fürstenfeldbruck, wo sogar die schwarze Null steht, liege daran, dass es dort nur jeweils einen Standort gebe. „Unsere beiden Häuser kosten eben mehr, auch wenn sie viel enger kooperieren als früher“, sagte Jochner-Weiß, die auf Nachfrage zugab, dass intern immer wieder über die Konzentration auf einen Klinik-Standort im Landkreis diskutiert wurde. Das sei aber stets verworfen worden, weil entweder gerade in Weilheim oder in Schongau zweistellige Millionensummen investiert wurden – „wir wollen beide Häuser erhalten“, stellt die Landrätin klar.

Neuigkeiten zur Geburtshilfe Weilheim konnte die Landrätin nicht mitteilen – es bleibe das Ziel der Wiedereröffnung, doch auch Schongau brauche zur dauerhaften Sicherung noch zusätzliches Personal. Dort laufe es mit mittlerweile 50 Geburten monatlich super, auch wenn aus dem Raum Weilheim viele werdende Mütter vor allem nach Starnberg ausweichen. „Mich schmerzt es immer, wenn die Leute sagen, die Geburtshilfe Weilheim ist am Geld gescheitert“, sagt Jochner-Weiß. Es liege allein am Personal (Ärzten und Hebammen), das nicht zu bekommen sei. Maximal 750 Geburten wären in Schongau jährlich möglich, so Lippmann, bei mehr müsste man eine zusätzliche Station in Betrieb nehmen. „Das wäre aber machbar.“

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