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Einen wahren Massenansturm erlebte die Fuchstalbahn Ende September, als ein historischer Schienenbus zwischen Schongau und Landsberg pendelte.

Kreistag

Landkreis gibt klares Bekenntnis zur Fuchstalbahn ab

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Das Thema „Fuchstalbahn“ beschäftigte jetzt auch den Kreistag. Denn Voraussetzung für die Reaktivierung des Personentransports auf der Strecke ist ein klares Bekenntnis beider Kreistage zur Strecke – in Weilheim und in Landsberg.

Landkreis – Es war ein guter Tag für Kreisrat Hans Schütz (Grüne/Peiting): Erst hatte er durchgesetzt, dass sein Antrag zur Reaktivierung der Fuchstalbahn öffentlich und nicht hinter verschlossenen Türen behandelt wurde, dann sprach sich der Kreistag auch noch einstimmig für seinen Vorschlag aus.

Schütz hatte seinen Beschlussvorschlag in zwei Punkte gegliedert. Zunächst einmal forderte er ein klares Bekenntnis zum Erhalt des Güterverkehrs auf der Strecke zwischen Schongau und Landsberg am Lech. Im Frühjahr seien Gerüchte entstanden, dass die Bahn die Strecke ganz stilllegen wolle, führte er zur Begründung aus. Falls dies passieren sollte, würden allein 60 Lastwagen pro Tag zusätzlich auf den Straßen rollen, weil der Papierhersteller UPM in Schongau einen Großteil seines Lieferverkehrs über die Schiene abwickle, rechnete Schütz vor. Dem widersprach Peter Ostenrieder (CSU/Peiting). Er habe auch einmal gerechnet: Bei 4000 Tonnen pro Tag seien es sogar 120 bis 150 Lastwagen, die zusätzlich auf die verstopften Straßen rollen würden, so Ostenrieder.

Güterverkehr soll unangetastet bleiben

Welche Zahl auch immer stimmen mag – der Kreistag machte deutlich, dass die Güterstrecke unangetastet bleiben soll. Obgleich Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU) berichtete, ihr sei mehrfach versichert worden, dass weder der Freistaat noch die Bahn über eine Streckenschließung nachdenken.

Einstimmiges Votum für Reaktivierung des Personenverkehrs

Ein ebenso einstimmiges Votum gab es auch für den zweiten Teil in Schütz’ Vorlage, in der er die Reaktivierung des Personenverkehrs auf der Strecke forderte. Konkrete Gespräche seien erst möglich, wenn beide Landkreise sich für die Wiedereinführung des Personenverkehrs auf der Strecke ausgesprochen hätten, so Schütz.

Er lobte den „nahezu perfekten Zustand“ der Strecke. Lediglich die drei Kilometer bis zum Bahnhof in Schongau müssten noch erneuert werden. Schütz klagte darüber, dass die Regelungen zur Reaktivierung von Bahnstrecken „30 Jahre alt sind. Damals ging es nur darum, Strecken stillzulegen“. Das habe sich geändert. Die Bevölkerungszahl sei in besagten 30 Jahren in der Region drastisch gewachsen. In der Stadt Schongau um 20 Prozent, in den Fuchstalgemeinden um bis zu 40 Prozent, so Schütz.

Landrätin: Strecke funktioniert nur mit einem Zwischen-Stopp

Landrätin Andrea Jochner-Weiß stimmte ihm prinzipiell zu, verwies aber darauf, dass „die Strecke nur funktioniert, wenn der Zug mit nur einem Halt von Schongau nach Landsberg fährt“. Zudem müsste Geld in die Hand genommen werden, um die Bahnhöfe auszubauen.

Der Vorschlag von Kreisrat Michael Deibler (CSU/Peiting), zunächst eine Buslinie zwischen Schongau und Landsberg einzurichten, um den tatsächlichen Bedarf auf der Strecke zu ermitteln, wurde nicht weiter verfolgt. Schongaus Bürgermeister Falk Sluytermann (SPD) meinte im Kreistag, „ein Bus ist kein Ersatz für eine schnelle Bahnverbindung“. Er verwies darauf, dass am kommenden Mittwoch ein runder Tisch mit den betroffenen Bürgermeistern und Vertretern der beiden Landratsämter geplant sei. Unklar ist trotz des Bekenntnisses des Kreistags indes, wie sich die Fuchstalgemeinden selbst positionieren. Bislang hielt sich die Begeisterung bei den meisten Bürgermeistern dort in Grenzen (wir berichteten).

Zweigleisiger Ausbau der Strecke nicht notwendig

Kein Thema ist indes ein zweigleisiger Ausbau der Strecke. Der sei nicht nötig, meinte Hans Schütz. Der Güterverkehr rolle vor allem nachts und störe dadurch die Personenzüge nicht.

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