Handynetz - eine Übersicht

LTE-Ausbau im Landkreis: In Prem hat man besten Empfang - allerdings nur mitten auf dem Fußballplatz

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Die Funklöcher in Deutschland sollen geschlossen werden - im Landkreis Weilheim-Schongau eine große Aufgabe: Die Netzabdeckung mit LTE ist vor allem im Altlandkreis Schongau noch mäßig.

Weilheim-Schongau – „Klar ist: 2018 sind dann auch alle lästigen Funklöcher in Deutschland geschlossen“, sagte der CSU-Kreisvorsitzende und damalige Bundesminister für Digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt, im Mai 2015 der Bild am Sonntag. Rückblickend betrachtet war das gewagt: „Bitte rufen Sie mich im Rathaus nicht auf dem Handy an, da habe ich keinen Empfang“, sagt zum Beispiel noch heute Steingadens Bürgermeister Xaver Wörle, wenn man ihn nach seiner Erreichbarkeit fragt. Dabei zählt Steingaden laut Statistik des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) noch zu den im Landkreis besser erreichbaren Gemeinden.

Düsterer sieht es in Prem aus, wo nicht einmal 60 Prozent der Haushalte auf den Mobilfunkstandard der vierten Generation (LTE/4G) zurückgreifen können. Entsprechend groß sind die Funklöcher. „Zuhause kann ich nur auf dem Balkon mit dem Handy telefonieren“, berichtet Bürgermeister Herbert Sieber. Im Sportheim gibt es ihm zufolge auch keinen Empfang. „Am Mittelpunkt vom Fußballplatz hat man dann wieder welchen“, weiß der Bürgermeister. 

Die Mobilfunktechnologie LTE ist der neueste Standard im Mobilfunk. Wie die Grafik zeigt, sind vor allem noch weite Teile des Altlandkreises Schongau unterversorgt (zum Vergrößern klicken).

Dass fehlendes LTE – es sorgt vor allem für flotte Datenübertragungen auf den Smartphones – aber nicht zwangsläufig ein Indiz für Funklöcher sein muss, zeigt das Beispiel Habach. Die kleine Gemeinde im östlichen Landkreis ist laut Bürgermeister Michael Strobl recht gut erreichbar, obwohl sie in der LTE-Landkreis-Statistik des BMVI mit 54,9 Prozent den vorletzten Platz belegt. Das liegt laut Strobl an einem fehlenden LTE-Sender auf dem bestehenden Mast der Telekom, der eigentlich schon 2018 montiert hätte werden sollen. Der Mobilfunkanbieter habe das aber um ein Jahr auf Oktober 2019 verschoben. „Es ist eine Sauerei, wie der Staat und die Telekom mit den kleinen Gemeinden umgehen“, sagt der Habacher Gemeindechef mit Blick darauf, dass in den nordöstlichen Nachbar-Gemeinden Habachs LTE längst Standard ist. 

Nur in Wildsteig ist die LTE-Versorgung noch schlechter als in Habach. Die südlichste Gemeinde des Landkreises hält mit 53,2 Prozent LTE-Verfügbarkeit die rote Laterne. Und Bürgermeister Josef Taffertshofer findet das überraschenderweise richtig toll: „Ich bin einer der wenigen, die kein Handy haben“, sagt er. Und von Bürgern, die eine bessere Mobilfunk-Verbindung fordern, weiß der Wildsteiger Rathauschef auch nichts. Ganz im Gegenteil: Schon vor mehreren Jahren hätten Hauseigentümer unterschrieben, dass sie keine Antennen auf ihren Häusern errichten lassen, berichtet Taffertshofer stolz. Bekanntlich zahlen Mobilfunkanbieter an Privateigentümer den ein oder anderen Euro, wenn sie mit ihren Sendern auf die Dächer dürfen. In Wildsteig wäre da ein handfester Nachbarschaftsstreit wohl programmiert. Die Gemeinde bezieht ihren Mobilfunk nach Auskunft des Bürgermeisters unter anderem von Antennen aus Schönegg und Bad Bayersoien. Laut Taffertshofer haben dabei die Vodafone-Kunden weniger Verbindungsproblem, die der Telekom mehr. 

Das ist laut Rene Repper aber längst nicht überall im Landkreis der Fall. Der Schongauer ist auf Mobilfunk spezialisiert und mit drei Geschäften in Weilheim, Schongau und Peiting vertreten. Auch mit den Funklöchern an Ammer und Lech ist der Fachmann bestens vertraut. Schlimm sei es zum Beispiel in Kurzenried, in Prem und Wildsteig, bestätigt Repper. „Und wenn Sie auf dem Weg nach Kaufbeuren im Sachsenrieder Forst mit dem Auto hängen bleiben, dann bleiben sie dort auch hängen“, weiß er. Denn der Griff zum Handy erübrigt sich in diesem Fall. 

Und welcher Anbieter ist der zuverlässigste? Landkreisweit fährt man Repper zufolge mit D1 am besten – also mit der Telekom. Wobei es nach Angaben des Schongauers auch Ausnahmen gibt: „In Ingenried geht zum Beispiel so gut wie nichts außer E-Plus.“ 

Auf eine baldige Verbesserung des Status quo hoffen zumindest die Funkloch-Geplagten in Prem. Die Gemeinde zählt zu den 100 Glücklichen, die die Telekom in ihr aktuelles Programm zur Schließung von Funklöchern aufgenommen hat. Nach Angaben von Telekom-Sprecher Markus Jodl wurden die 100 Funklöcher von der Bayerischen Staatsregierung benannt und sind Teil der „Mobilfunkoffensive Bayern“. All zu große Hoffnungen, dass das Loch bald gestopft ist, kann Jodl den Premern dennoch nicht machen. „Leider hat uns die Gemeinde mitgeteilt, dass sie in dem Bereich keine Liegenschaft hat“, bedauert Jodl. „Wir sind also auf der Suche.“ Wer in dem Bereich eine Liegenschaft habe, könne sich an die „Deutsche Funkturm“ (www.dfmg.de) wenden. Diese prüfe dann, ob der Standort geeignet sei und würde gegebenenfalls eine Anmietung vornehmen, erklärt der Telekom-Sprecher das Prozedere. 

Begonnen wurde mit dem Löcher-Stopfen in Bayern bereits im November 2018 im schwäbischen Lutzingen (Landkreis Dillingen), wo ein 30 Meter hoher Betonmast mit den Mobilfunk-Technologien GSM und LTE in Betrieb gegangen ist. Der Ausbau der Infrastruktur ist nach Angaben des größten deutschen Mobilfunkanbieters aber auch für die neueste 5. Generation des Mobilfunks nötig, den die Telekom stemmen möchte. Der neuen Technologie sieht der Schongauer Mobilfunk-Experte Repper allerdings mit großer Sorge entgegen: Alle 100 bis 300 Meter müssten Sendeanlagen aufgebaut werden, die Strahlung sei so hoch, dass es ungesund werden könnte, befürchtet er.

Die Technologien: von LTE zu 5G

Die Deutsche Telekom und andere Netzbetreiber haben schon vor einigen Jahren damit begonnen, auf ihren bestehenden Sendemasten die Technologien GSM, UMTS und LTE zusammenzuführen. LTE ist die Abkürzung für die Bezeichnung „Long Term Evolution“. LTE wurde deutschlandweit 2010 eingeführt und wird auch „4G“ (4. Mobilfunkgeneration) genannt.

Im ländlichen Raum wird 4G/LTE auch für die Breitbanderschließung verwendet. Aufgrund der hohen Datenraten kann es 4G/LTE je nach Verfügbarkeit durchaus mit dem DSL aufnehmen. Ruckelfreie Filme in hoher Auflösung sind so auch auf dem Smartphone möglich, das kann aber ins Geld gehen. Über die Tarife informieren die unterschiedlichen Mobilfunkanbieter.

Die fünfte Generation (5G) steht in den Startlöchern, die Einführung ist für 2020 geplant. Sie soll noch deutlich höhere Übertragungsraten (bis zu 20 000 Mbit) ermöglichen. Sie soll unter anderem ein wichtiger Baustein für das autonome Fahren werden. Auch von „intelligenten Fabriken“ und „smarten Städten“ ist die Rede. Benötigt wird allerdings ein deutlich engmaschigeres Netz, also viel mehr Sendemasten“, als derzeit verfügbar sind.

jvr

Rubriklistenbild: © Quellen: BMVI/TÜV Rheinland

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