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Wohin geht die Fahrt für den RVO? Der Platzhirsch bei den ÖPNV-Bussen müsste sich in einem MVV-Tarifverbund wie alle anderen um Aufträge bewerben.

Nicht begeistert vom MVV

RVO fürchtet um seine Zukunft 

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Der Landkreis will dem MVV-Tarifverbund beitreten. Beim Regionalverkehr Oberbayern wird dies kritisch gesehen. Der RVO ist mit seinen Bussen der Platzhirsch beim ÖPNV. Er fürchtet um seine Zukunft.

Landkreis – Am Ende war es einstimmig: Die Kreisräte beschlossen, dass der Landkreis Weilheim-Schongau sich beim ÖPNV einem einheitlichen Tarifverband anschließen soll. Es läuft auf den MVV hinaus, bestätigte danach das Landratsamt der Heimatzeitung (wir berichteten). 

Der Beitritt könnte zum Fahrplanwechsel im Dezember 2023, vielleicht schon 2022, erfolgen. Beim RVO stößt der Plan auf wenig Begeisterung. Für den Regionalverkehr Oberbayern würde sich „alles ändern“, wie Ralf Kreutzer, Leiter der Niederlassung West und zuständig für einen Bereich von Schongau bis zum Irschenberg, voraussagt. „Ich sehe das mit gemischten Gefühlen.“ Für den RVO-Vertreter ist der Münchner Koloss kein Allheilmittel. „Dass mehr Busse fahren, dafür braucht es keinen MVV.“ Er legt nach: „Man zerstört vorhandene gute Strukturen.“

Mehr zum Thema: Alle Landkreis-Bahnhöfe bald im MVV-Tarifgebiet

Hintergrund: Der RVO müsste sich wie alle um Linien bewerben. Bislang fährt er in Weilheim-Schongau „auf eigene Rechnung“, so Kreutzer. Nur für einige Strecken, wie die von Penzberg über Iffeldorf oder Antdorf nach Habach gibt es freiwillige Zuschüsse vom Landkreis. 

Eigenverantwortung fällt mit MVV weg

Die Eigenverantwortung fällt mit dem MVV weg. Der 1996 aus der Taufe gehobenen Münchner Verkehrs- und Tarifverbund würde als Dienstleister nicht nur Fahrpläne erstellen, sondern Busstrecken vergeben. „Er ist ein Verfechter der Bruttoausschreibung“, so der RVO-Mann. Es gebe dann nur Gesamtpakete und „Lohnkutscher“. In der Regel werden Zehn-Jahres-Verträge abgeschlossen. Kreutzer: „Der Unternehmer fährt stur seine Linien runter.“

Ralf Kreutzer: RVO-Niederlassungsleiter

Noch ist das Prozedere unklar, aber vermutlich würde die Auftragsvergabe als Regieleistung erfolgen, wie Manfred Plonner, ÖPNV-Planer am Landratsamt, auf Nachfrage bestätigt. „Wir bleiben zuständig“, betont er jedoch die lokale Kompetenz.

Der RVO fährt im Bereich Erding und Wolfratshausen selbst im MVV. Aber in welcher Form sich das Unternehmen dann ein Stück vom Oberland-Kuchen abschneiden will, steht in den Sternen. Der Weilheimer Niederlassungsleiter bezeichnet Bewerbungen als schwierig. 

„Es geht nur noch über den Preis.“ Am Ende würde der die Nase vorn haben, „der am geschicktesten mit den Personalkosten hantieren kann“. Was für den RVO mit seinen erfahrenen und langjährigen Mitarbeitern zum Problem werden könnte. 

Landratsamt: Ergebnisse der Machbarkeitsstudie müssen abgewartet werden

Eine Lösung wäre, mit einem günstigen Tochterunternehmen mitzubieten. Allerdings gibt es einen „Wettbewerbsnachteil“, wie es Kreutzer nennt: die umfangreiche Infrastruktur, die der RVO im Gegensatz zur Konkurrenz hat und deren Unterhalt bei Angeboten einkalkuliert werden muss. Allein vier Betriebshöfe sind es in seiner Niederlassung – Weilheim, Bad Tölz, Garmisch-Partenkirchen und Tegernsee. „Es würde niemand so was neu bauen.“

Im Landratsamt tritt man grundsätzlich bei dem Thema auf die Bremse. Man müsse die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie abwarten, heißt es. Diese übernimmt MVV-Consulting, seit 1998 ein Profit-Center des Verbunds. Kosten von acht Millionen Euro stehen im Raum, die Auftraggeber zahlen. Immerhin wird ein Zuschuss des Freistaats von fast 86 Prozent versprochen. 

Umrüstung auf einheitliche Bushaltestellen würde viel Geld kosten

Die Fahrgastzählungen sind von Dezember 2020 bis Dezember 2021 in Weilheim-Schongau, Bad Tölz, Miesbach und Landsberg angesetzt. Die anderen Landkreise folgen. Gezählt wird in den RVO-Bussen, wogegen sich der Betrieb nicht sperrt. „Wir wollen nicht irgendwas blockieren“, macht der Niederlassungsleiter klar – man unterstütze die Landkreise als Partner.

Grundsätzlich aber sieht man beim RVO den MVV kritisch. Kreutzer („ein einheitlicher Tarif ist der einzige Vorteil“) warnt vor Folgekosten. Der Landkreis habe das Risiko, Einbußen bei den Bus-Erlösen selbst tragen zu müssen. Auch würde die Umrüstung der Haltestellen auf eine einheitliche Optik viel Geld kosten. Man schaue sich die Entwicklung im politischen Entscheidungsprozess an, heißt es. Der RVO-Mann verweist auf die guten Erfahrungen in der ÖPNV-Partnerschaft. „Man ist mit uns nicht unzufrieden Es funktioniert.“

Lesen Sie auch: Weilheimer Stadtbus kostenfrei für alle

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