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Die „Französische Woche“ erinnert die Weilheimer immer wieder daran, dass ihre Heimatstadt mit Narbonne befreundet ist. Heuer allerdings entfällt das Fest.
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Besuch aus drei verschwisterten Orten im Jahr 2016 in Schongau: Die Gäste kamen aus Abingdon, Colmar und Sint-Niklass.
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Vor zwei Jahren, im Mai 2018, wurde in Penzbergs Partnerstadt Langon ein Maibaum aufgestellt.
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Der Bürgermeister von St. Brévin, Yannick Morez, trug sich im Vorjahr anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Markt Peißenberg“ im Beisein seiner Amtskollegin Manuela Vanni ins Goldene Buch der Partnergemeinde ein.
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30 Jahre Freundschaft zwischen Peiting und Calvi wurde im vergangenen Jahr auch mit diesem Auftritt von Fahnenschwingern aus dem italienischen Ort gefeiert.

Viele Reisen abgesagt

Städtepartnerschaft via WhatsApp in Corona-Zeiten

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Reisen, noch dazu über Ländergrenzen hinweg, ist in Corona-Zeiten stark eingeschränkt. Das betrifft auch die Städte-Partnerschaften. Ob es derzeit zu den Freunden in den Nachbarstaaten Kontakt gibt, wie der aussieht und wie die Lage dort ist – das haben wir in großen Gemeinden erfragt.

Weilheim - „Französische Woche“ fällt aus

Sichtbarstes Zeichen der Partnerschaft mit Narbonne ist für die Weilheimer alljährlich die „Französische Woche“. Diese – heuer in der Zeit von 1. bis 5. Juli geplant – fällt wegen Corona aus. Dass es einmal solche Zeiten geben würde, „hat man sich nicht vorstellen können“, sagt Sabine Fenner-Wegener, seit 2003 Leiterin des Städtepartnerschaftsbüros. Nach Südfrankreich besteht derzeit regelmäßig Kontakt per Mail und Telefon. Fenner-Wegener ist in Verbindung mit Mariline Etero, der Leiterin des dortigen Tourismusbüros. Diese muss – bedingt durch die geltende Ausgangssperre – von zu Hause aus arbeiten. Bezogen auf Corona-Fälle ist Narbonne „nicht besonders gebeutelt“, sagt Fenner-Wegener. Demnächst soll es auch in Frankreich Lockerungen geben. Zu Beginn der Corona-Krise habe es zwischen dem philharmonischen Orchester in Narbonne und der Weil-heimer Stadtkapelle online einen musikalischen Austausch gegeben.

Reise nach Narbonne muss abgesagt werden

Wie in Weilheim standen auch in Narbonne Wahlen an. Im ersten Wahlgang Mitte März hat der amtierende Rathauschef, Didier Mouly, mit 34,64 Prozent das mit Abstand beste Ergebnis aller acht Kandidaten. der zweite Wahlgang wurde aufgrund der Corona-Pandemie in den Juni hinein verschoben. Eine für heuer vom TSV Weilheim organisierte Reise nach Narbonne musste abgesagt werden. Die nächste Semaine Bavaroise („Bayerische Woche“) in Narbonne, an der traditionell auch der Rathauschef und Stadtratsmitglieder teilnehmen, findet – nach der Auflage 2019 – turnusgemäß erst im kommenden Jahr wieder statt. Und Fenner-Wegener ist überzeugt, dass dann Reisen in gewohntem Umfang wieder möglich sein wird.

Schongau - 50 Jahre Städtepartnerschaft mit Abingdon

In Sachen „Städtepartnerschaft“ ist für Schongau 2020 ein besonderes Jahr – die Verschwisterung mit dem englischen Abingdon wurde vor 50 Jahren besiegelt. Das Jubiläum „sollte mit gegenseitigen Besuchen gefeiert werden. Auf diese Besuche hatten sich die Mitglieder des Freundeskreises Schongau und der Twin-Town-Society schon sehr gefreut“, berichtet Ursula Diesch von der Schongauer Tourist-Info. Doch Corona machte allem einen Strich durch die Rechnung. Anfang Juli hätte eine Reisegruppe aus England nach Schongau kommen sollen – auch, um die Passionsspiele in Oberammergau zu besuchen. Der Trip soll nun wegen der Verschiebung der Passionsspiele 2022 stattfinden. Abgesagt sind laut Diesch ebenfalls die Verschwisterungswoche und das Kanu-Wochenende in Abingdon.

Zu der „Stern-Partnerschaft“, der Schongau angehört und bei der alle Städte miteinander verschwistert sind, gehören noch Colmar (Frankreich), Sint-Niklaas (Belgien) und Lucca (Italien). Schongau ist obendrein seit 1996 mit Gogolin (Polen) verbunden, darüber hinaus bestehen freundschaftliche Kontakte zu Dübendorf (Schweiz). „Mit allen Partnerstädten haben wir telefonischen und schriftlichen Kontakt“, so Diesch – an die Freunde im Ausland werde auch „in dieser herausfordernden Zeit“ gedacht. Die prekäre Lage in Sachen „Corona“ im Elsass haben die Schongauer freilich besonders verfolgt.

Mehrere Reisen nach Colmar fallen aus

Laut Diesch kam vom Ärztlichen Direktor des Krankenhauses Schongau, Dr. Michael Platz, der Vorschlag, dass man Colmar anbietet, Corona-Patienten in Schongau unterzubringen, da Bettenkapazitäten und Beatmungsmaschinen vorhanden waren. Über Bürgermeister Falk Sluyterman wurde das Angebot unterbreitet. Da sich aber auch in Colmar bereits die Situation entspannt hatte, wurde von dem Angebot kein Gebrauch gemacht.

Die Pandemie beeinträchtigt nicht nur das Jubiläum mit Abingdon. Mehrere Gruppen hatten eine Reise nach Colmar geplant, darunter auch der Bergsteigerchor mit über 60 Sängern und den Ehepartnern. Der Schulaustausch des Welfen-Gymnasiums mit dem Lycée Bartholdi ist laut Diesch ebenso abgesagt sowie die Möglichkeit für junge Leute, einen Sommerjob in Colmar zu bekommen. In Sint-Niklaas kann das geplante Treffen zu Pfingsten nicht stattfinden.

Städtepartnerschaften leben von Begegnung

Die Planungen in allen Mitgliedsstädten für Treffen sind auf das nächste Jahr verschoben, „in der Hoffnung, dann wieder Gäste aus den Partnerstädten willkommen heißen zu können“, heißt es aus der Schongauer Tourist-Info. Das Dübendorfer „Dorffäscht“ soll im September 2021 steigen – dort treffen sich Mitglieder der Schongauer Stadtkapelle und der Dübendorfer Musik.

Diesch hofft, dass künftig wieder gegenseitige Besuche möglich sein werden, „da die Städtepartnerschaften von der Begegnung leben“. Zugleich ist sie sicher, dass „Online-Kontakte bestimmt zunehmen werden, um Freundschaften weiterhin zu pflegen“.

Peiting - Pflege der Partnerschaft ist Herzensangelegenheit

Die Pflege der Partnerschaft zum kleinen Örtchen Calvi dell’ Umbria ist für Max Bertl eine Herzensangelegenheit. „Das ist mein Baby. Und das möchte ich auch behalten“, sagt der Vorsitzende des „Freundeskreis zur Pflege der Partnerschaft zwischen Peiting und Calvi“, der unlängst in Steingaden zum Bürgermeister gewählt worden ist. Auch in Corona-Zeiten ist Bertl „in Calvi praktisch live dabei“, wie er mit einem Schmunzeln sagt. Via Telefon und WhatsApp hält er regelmäßig Kontakt zu dortigen Freunden, wird über Geburtstage oder Trauerfälle informiert.

Nach Bertls Kenntnis hatte der Ort einen Corona-Fall, der aber eher in die Kategorie „Verdachtsfall“ gehörte. „Durch die krasse Abriegelung“, so Bertl, ist die Ausbreitung in dieser Region offenbar gehemmt worden. In der nächsten größeren Stadt, Thermi, „gab es schon einige Fälle“. Die Ausgangsbeschränkungen waren dermaßen strikt, dass die Menschen „nicht mal mehr zum Masken-Kaufen raus durften“, berichtet der Vereinsvorsitzende. Die Gemeindepolizei verteilte schließlich Masken. Seine „Gast-Eltern“, wie Bertl sagt – die Frau ist Polizistin, der Mann arbeitet als Holzfäller – arbeiten ganz normal. Die Großeltern sowie die Kinder (die Tochter ist Studentin, der Sohn ist Schüler) müssen jedoch strikt zu Hause bleiben.

Alljährliches Freundschaftsfest in Calvi bisher noch nicht abgesagt

Auf Vorschlag von Andrea Deibel wollte der Freundeskreis ein Zeichen der Solidarität nach Italien senden und am dortigen Denkmal, das an ein Kriegsverbrechen der Wehrmacht im Jahre 1944 erinnert, einen Kranz niederlegen lassen. Doch daraus wurde nichts: Die Italiener sagten, das habe keinen Sinn, weil sich ohnehin niemand draußen aufhält und den Kranz niemand sieht.

Das alljährlich Ende August in Calvi stattfindende Freundschaftsfest „ist Stand jetzt noch nicht abgesagt“, so Bertl. Allerdings glaube er nicht dran, dass das Fest über die Bühne gehen kann, „denn da kommen viele Leute zusammen“. Aus Peiting fahren im Schnitt 70 Bürger mit. Die Besuche der Italiener in Peiting „hätten wir heuer ohnehin ausgesetzt“, sagt Bertl. Grund dafür seien die Kommunalwahlen, die wegen Corona nun auf November verschoben sind.

Bertl ist überzeugt, dass künftig im Vereinsleben wieder die gewohnte Normalität Einzug halte, sodass gegenseitige Besuche wieder möglich werden. „Da habe ich keine Sorge“, sagt der Freundeskreis-Vorsitzende.

Penzberg - Reise nach Langon geplant gewesen

Die Stadt Penzberg unterhält Partnerschaften zu Langon in Frankreich, zum Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg sowie zu Ahlen in Westfalen. Die Urkunden zur Partnerschaft mit Lugau (Sachsen) und Differdingen (Luxemburg) liegen vor. Die Unterzeichnung erfolgt wegen der Corona-Pandemie allerdings in den jeweiligen Stadtverwaltungen, ohne dass die Bevölkerung in irgendeiner Form involviert ist. Es sei jedoch vorgesehen, dass die Besiegelung der neuen Partnerschaften zu einem späteren Zeitpunkt in größerem öffentlichen Rahmen „nach außen getragen werden“, sagt Rathaus-Geschäftsleiter Roman Reis.

Nach Langon wäre heuer Ende August eine Reise geplant gewesen. Die Stadtverwaltung hatte im Frühjahr bei Bürgern vorgefühlt, ob sie Interesse hätten. „Die Resonanz war gut“, so Reis. Doch Corona und vor allem die Reisebeschränkungen machten das Vorhaben zunichte. Bis August ist zwar noch Zeit, doch so ein Projekt „bedarf einer gewissen Vorplanung“, sagt Reis.

Was den Kontakt in die Partnerstädte betrifft, so seien private Kontakte sicherlich vorhanden, so Reis. „Auf offizieller Schiene gibt es jedoch derzeit andere Themen, die im Vordergrund stehen.“ So haben mit Corona alle Städte in Europa gleichermaßen zu kämpfen. Bei der Penzberger Verwaltung bestimmen der Wechsel auf dem Bürgermeister-Posten und der neue Stadtrat aktuell das Tagesgeschäft.

Peißenberg - derzeit kein Kontakt nach Frankreich

In St. Brevin, der am Atlantik gelegenen Partnergemeinde von Peißenberg, hat sich der Bürgermeister, Yannick Morez, auf der Homepage des Ortes an die Bevölkerung gewandt. Seit Montag sind auch in Frankreich die Beschränkungen gelockert. Als erster Ort in der Region Loire-Atlantique, so Morez stolz, habe man sich beim Präfekten darum bemüht, die Strände („sie sind breit genug“) wieder für die Bevölkerung öffnen zu dürfen. Eine Antwort stand zuletzt noch aus, „es wird aber nicht lange dauern“, so der Rathauschef. Für St. Brevin habe die Verwaltung 20 000 wiederverwendbare Stoffmasken bestellt, zumindest in Tranchen trafen sie nach dreiwöchiger Wartezeit ein. Geplant war, sie ab Freitag zu verteilen – zuerst an die Bürger über 70 Jahre. Das Recyclingzentrum hat schon die zweite Woche auf. Wie in Weilheim-Schongau auch, kann zunächst nur Grüngut angeliefert werden.

Von Peißenberg aus gibt es von Rathaus-Seite derzeit keinen Kontakt. Ähnlich wie in Penzberg stehen der Bürgermeister-Wechsel und der neue Gemeinderat im Fokus. Um den Kontakt nach Frankreich hat sich seitens der Verwaltung Emilia Kregel gekümmert. Sie ist in Ruhestand gegangen. Man sei bestrebt, die „Jumelage“ wieder aufleben zu lassen und auch jemanden zu finden, der sich des Themas annimmt, heißt es aus dem Rathaus auf Anfrage. Zum 100-Jährigen der Marktgemeinde im vergangenen Jahr war eine Delegation aus Frankreich nach Peißenberg gereist. Bürgermeister Morez hatte sich damals ins Goldene Buch eingetragen.

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