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Lang erwartetes Eckpunktepapier zur Fuchstalbahn vorgestellt: Jetzt sind die Anliegergemeinden am Zug

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Von: Elena Siegl

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Zur Fuchstalbahn arbeitete Andreas Holzhey (r.) ein Eckpunktepapier aus, das er nun Vertretern der anliegenden Gemeinden, darunter Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman, überreichte.
Zur Fuchstalbahn arbeitete Andreas Holzhey (r.) ein Eckpunktepapier aus, das er nun Vertretern der anliegenden Gemeinden, darunter Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman, überreichte. © Elena Siegl

Seit über 20 Jahren, kurz nachdem der Bahnverkehr zwischen Schongau und Landsberg eingestellt wurde, gibt es Bestrebungen zur Reaktivierung der Fuchstalbahn. Doch es gibt auch Zweifel. Ein Eckpunktepapier soll nun Anliegergemeinden auf den aktuellen Stand bringen. Im Winter könnte eine Entscheidung fallen.

Schongau – Womit Kommunen an der Bahnstrecke zwischen Landsberg und Schongau im Falle der Fuchstalbahn-Reaktivierung rechnen müssen, hat Verkehrsingenieur Andreas Holzhey in komprimierter Form zusammengeschrieben. 50 Seiten umfasst das Eckpunktepapier, das er nun bei einem runden Tisch vorstellte.

„Bei einem ersten Treffen im November 2019 stellte sich heraus, dass der Wissensstand der Vertreter sehr unterschiedlich ausfiel“, so Holzhey. Das letzte Gutachten ist mittlerweile über 20 Jahre alt. Nun sollten alle auf einen einheitlichen, aktuellen Stand gebracht werden. Im Schongauer Ballenhaus kamen Bürgermeister der Anliegergemeinden, Landsbergs Landrat Thomas Eichinger sowie ein Vertreter des Landkreises Weilheim Schongau und des Arbeitskreises Fuchstalbahn, mehrere Mitglieder des Landtags sowie Norbert Moy von ProBahn zusammen.

Zehn Bahnübergänge müssten technisch gesichert werden

Unter anderem ging es um die Bahnübergänge. War im letzten Gutachten noch von 60 Kreuzungen die Rede, sind es nun nur noch 36, erklärte Holzhey. Im Zuge des Ausbaus der Bundesstraße 17 seien einige beseitigt worden. Ein Großteil der Bahnübergänge könnte „so bleiben oder aufgelassen werden“ – etwa an Feldwegen. Circa zehn Bahnübergänge müssten technisch gesichert werden. „Das müsste bei einigen aber auch gemacht werden, wenn die Bahn nicht fährt“, so Holzhey. Betroffen seien unter anderem Übergänge in Denklingen oder Asch/Leeder.

Andreas Holzhey räumte außerdem mit dem Irrglauben auf, die Fuchstalbahn müsste so schnell wie möglich nach Landsberg fahren, könnte womöglich nur einmal halten. Es gebe einen sogenannten Deutschlandtakt, erklärte Holzhey. Der gebe sämtliche Fahrzeiten von Zügen vor. Die Fuchstalbahn müsste „so schnell wie nötig“ fahren, um Anschlusszüge in Weilheim und Landsberg zu erreichen. Laut Holzhey seien sechs bis sieben Zwischenhalte problemlos möglich. In der Vergangenheit hielt der Zug in Unterdießen, Asch/Leeder, Denklingen, Kinsau und Hohenfurch. Zwei neue Haltestellen in Landsberg-Süd und am Schongauer Krankenhaus könnten dazukommen, so Holzhey.

Für genaue Kosten braucht es ein Ingenieursgutachten

Besonders die Erwartungshaltung einiger Anwesenden zur Kostenschätzung sei sehr hoch gewesen, erklärte Andreas Holzhey im Anschluss an den runden Tisch. Er äußerte sich dazu aber recht zurückhaltend. „Das kann ein Eckpunktepapier nicht leisten. Dazu müsste man ein Ingenieursgutachten in Auftrag geben.“ Die technische Sicherung der Bahnübergänge sowie die Herstellung der Bahngleise bezifferte Holzhey mit je etwa 800 000 Euro. Für die Sicherung müssten Kommunen allerdings nicht mehr aufkommen. Alles andere wäre relativ kostengünstig, schätzte er. „Die Gleise sind da und in Ordnung.“ Außerdem seien die Fördermittel des Bundes ausgeweitet worden.

In der Vergangenheit hatten sich mehrere Bürgermeister kritisch gegenüber der Reaktivierung gezeigt. Das Problem: Der Freistaat Bayern hat Kriterien dafür aufgestellt, wann er Schienen-Reaktivierungen unterstützt. Dazu gehört, dass alle Kommunen an der Strecke der Wiederaufnahme zustimmen müssen.

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Ob sich die Haltung mancher Anliegergemeinden mittlerweile verändert hat, „lässt sich schwer sagen“, so Bürgermeister Falk Sluyterman. Beim runden Tisch „wurde kontrovers diskutiert“. Er plädierte dafür, vom „Kirchturmdenken, wie viele Bürger aus der eigenen Gemeinde das Angebot nutzen“, wegzukommen und die Reaktivierung der Fuchstalbahn als kleinen aber wichtigen Baustein zur Mobilitätswende zu sehen.

Holzhey ergänzte, dass sich gegenüber des 20 Jahre alten Gutachtens Einwohner- sowie Pendlerzahlen vervielfacht haben. Er gab aber auch zu bedenken: „Die Vertreter haben ja jetzt erst das Eckpunktepapier mit den aktuellen Informationen erhalten und müssen sich erst damit auseinandersetzen.“ Die Bürgermeister sollen nun (nichtöffentlich) mit ihren Gemeinderäten diskutieren. Im Winter 2021/2022 könnte die Entscheidung fallen. Dann ist der nächste runde Tisch geplant.

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