An den orange markierten Flächen könnten die Wegweiser platziert werden. Wie diese genau aussehen, soll aber erst noch einmal diskutiert werden.
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An den orange markierten Flächen könnten die Wegweiser platziert werden. Wie diese genau aussehen, soll aber erst noch einmal diskutiert werden.

Mehr Orientierung für die Altstadt geplant

Neues Leitsystem in Schongau: Schilder zu groß und zu grell

  • Elke Robert
    VonElke Robert
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Damit sich Schongauer Besucher in der Altstadt leichter orientieren können, wird derzeit ein neues Leitsystem erstellt. Wie schwer es ist, auf den ersten Blick über Farbe und Form von Schildern zu entscheiden, zeigte sich in der Sitzung des Bauausschusses. Ein Ortstermin soll folgen.

Schongau – Schongau hat viele historische und sehenswerte Plätze und Gebäude. Damit man sich besser orientieren kann, aber auch, um über die Geschichte zu informieren, hat die Stadt ein „Signaletikkonzept“ in Auftrag gegeben. Das Stadtmauerumfeld soll gut ausgeschildert und auf Stadtrundgänge verwiesen werden, erklärte Robert Thomas, der stellvertretende Stadtbaumeister.

Die Corona-Pandemie habe das Projekt aber leider ins Stocken gebracht, weil verschiedene Abstimmungen immer wieder verschoben werden mussten. Aber nun stellte Andreas Koop von der gleichnamigen Designgruppe aus Kaufbeuren im Bauausschuss sein – jederzeit auch erweiterbares – Gestaltungskonzept für die Altstadt vor.

Er habe mit einem ganz unvoreingenommenen Blick herangehen können, erläuterte Koop. „Schongau wirkt ein wenig verschlafen, hat ein eher schwaches gastronomisches Angebot und ist Auto-dominiert“, so sein Urteil. Auch den Begriff Pfaffenwinkel habe er weniger mit der Schongauer Altstadt verbinden können, das eher typisch Oberbayerische sei. „Ich sehe viel Potenzial und Qualität“.

Das Leitsystem soll helfen, Schongau zu beleben und touristisch attraktiver zu machen. Dies bringe auch für die Bürger mehr Lebensqualität und fördere den Einzelhandel und die Gastronomie. Wichtig sei dabei, die Stadtentwicklung und den Tourismus nicht als konkurrierende Punkte zu sehen, sondern gemeinsam zu denken.
Allem voran steht laut Koop die Kommunikation und die Vermittlung: Von der Thematisierung der NS-Zeit in Schongau über die Beschilderung eines Infowegs zum Thema Stadtmauer bis hin zum Hexen-Mahnmal im Klosterhof – „man muss mit dem arbeiten, was man hat und darüber bewusst informieren“.

Dazu könnte auch ein Info-Container zum Einsatz kommen, der „mitwandert“ durch die Stadt, von Baustelle zu Baustelle sozusagen. Und nicht zuletzt richtet sich das Leitsystem auch an die jüngsten Besucher. Diese würden mit einer Schongauer Mauerkatze, die über die Geschichte der Stadt erzählt, durch Schongau spazieren. Rund 32 500 Euro soll das erste Paket kosten – ohne den Info-Baucontainer.

Das Farbkonzept stößt auf geteilte Meinung

So weit die Theorie. Für Schilder und Infotafeln hatte das Büro auf dem Schongau-Gelb ein Farbkonzept entwickelt. Neben dem Gelb sollen zwei verschiedene Grau- und zwei verschiedene Rot-Töne verwendet werden. Außerdem wird mit unterschiedlichen Schriften gespielt. Die mit dem Stadtbauamt sowie auch mit dem Tourismusverein und dem Historischem Verein abgestimmte Gestaltung der Tafeln stieß im Bauausschuss jedoch auf geteilte Meinung.

Während Kornelia Funke (CSU) auch die Stadtmieze lobte, tat sich Ilona Böse (SPD) mit dem Farbkonzept schwer. Die Schilder der Stadtmauer oder des Kasselturms würden eher nach DHL-Werbung aussehen, „das tut fast schon ein bisschen weh“. Sie wünschte sich eine dezentere Farbgebung. Die vielen Farben sorgten außerdem für Unruhe.

Bettina Buresch (Grüne) fand die Schilder überdimensioniert. „Ich möchte das authentische und historische Ambiente erleben, aber beispielsweise das geplante Schild am Stadtmaueraufgang verdirbt mir die Ansicht meines Fotomotivs.“ Auch Farbe und Form der Schilder gefielen Buresch, selbst Grafikerin und Malerin, nicht. Sie warb für die klassische, rechteckige Form ohne angesetzte Zusätze. Auch Nina Konstantin (ALS) schloss sich ihren Vorrednerinnen an.

Koop verteidigte das Konzept, das sich auch in anderen Städten wie etwa Füssen bewährt habe. „Es ist nicht so, dass wir Schongau flächendeckend mit Schildern überziehen“, erläuterte er. In Natura am Bauwerk selbst würden Farbgebung und Größe ganz anders wirken. Dennoch wünschte sich Martin Schwarz (SPD): „Wir sollten die Verschlafenheit Schongaus nicht mit dem Holzhammer wecken, sondern dezenter.“ Das Konzept sei „komplett übers Ziel hinausgeschossen, wo das Rot herkommt, ist mir schleierhaft“.

Ein Ortstermin soll für mehr Einstimmigkeit sorgen

Andreas Koop kannte offenbar solche Reaktionen auf eine Präsentation bereits. „Größe und Farbe relativieren sich im Raum“, erklärte er. Sowohl Stadtbaumeister Sebastian Dietrich als auch Robert Thomas verteidigten das Konzept, schließlich beauftrage man ein Fachbüro damit, weil man dort Erfahrung habe.

Auch Bürgermeister Falk Sluyterman hatte die Planung „recht gut“ gefunden, „aber ich bin nur einer von vielen“. Mit einem „über Geschmack lässt sich trefflich streiten“ schlug er einen Ortstermin mit verschiedenen Varianten vor, erst dann werde abgestimmt. Auch Koop wollte nicht, dass irgendjemand Bauchweh mit seinem Konzept habe. „Das Einzige, was schade wäre, wenn man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigt.“

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