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Zum Teil in echt und auf Plakat: (v.l.) Josef Koch, Richard Arnold, Michael Lautenbacher, Alexander Schmitz und Herwig Skalitza.

Vor der Fusion

Die letzte Bilanz der Kreissparkasse Schongau: zufriedenstellend

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Mit einer ordentlichen Bilanz verabschiedet sich nach 165 Jahren die Kreissparkasse Schongau, die am kommenden Samstag offiziell mit den Vereinigten Sparkassen Weilheim zur Sparkasse Oberland fusioniert wird. Der Gewinn ist weiter im Sinkflug – „die Fusion ist auch eine Konsequenz der Rahmenbedingungen“, sagt Vorstandschef Alexander Schmitz.

Schongau – Zu den vier Vorstandsmitgliedern der Kreissparkasse Schongau hatte sich gestern ein Gast gesellt: Josef Koch, Chef der Vereinigten Sparkassen Weilheim und künftiger Vorsitzender der Sparkasse Oberland. Doch er hielt sich im Hintergrund, seine Anwesenheit sollte die neue Zusammengehörigkeit zeigen. Außerdem: „Mein Stellvertreter Michael Lautenbacher war auch bei der Weilheimer Bilanz-Pressekonferenz“, sagte Kreissparkassen-Chef Alexander Schmitz.

Doch vor dem Blick in die Zukunft stand erst einmal die letzte Bilanz für 2016 an. Da sprach Lautenbacher nicht mehr von der seit Jahren anhaltenden Niedrigzinsphase, die den Banken das Leben schwer macht und den Gewinn auffrisst, sondern nannte sie Minuszinsphase. Um vier Prozent auf 838 000 Euro ging der Gewinn zurück, was Schmitz angesichts der Rahmenbedingungen unter anderem auch bei den regulatorischen Anforderungen der Bankenaufsicht „mehr als zufriedenstellend“ fand. Eine Ausschüttung an den Landkreis, wie von Außenstehenden immer wieder gefordert, sei kein Thema „und wurde auch nie gefordert.

Bilanzsumme leicht erhöht auf 817 Millionen Euro

Die Bilanzsumme hat sich dagegen leicht erhöht, um rund zwei Prozent auf 817 Millionen Euro. Vergangenes Jahr waren es noch fünf Prozent Steigerung. Das lag vor allem am Kreditgeschäft, das im Volumen zwar um knapp drei Prozent auf 550 Millionen stieg, doch bei den Kredit-Neuzusagen ging es trotz günstiger Zinsen von 160 auf 138 Millionen Euro zurück, je zur Hälfte gewerblich und privat. „Die heimischen Firmen haben in den vergangenen Jahren schon viel investiert und sind jetzt in einer Konsolidierungsphase“, erklärte Herwig Skalitza. Aus Gesprächen weiß er aber, dass für nächstes Jahr wieder größere Projekte geplant seien, die Pause also nur von kurzer Dauer sein dürfte.

Bei den privaten Krediten macht sich der Mangel an verfügbaren Häusern bemerkbar. Die Kreissparkasse freut sich zwar über 41 vermittelte Objekte, von der Studentenwohnung als Geldanlage bis hin zum Einfamilienhaus. Aber grundsätzlich übersteige die Nachfrage das Angebot. Mit dem Resultat, dass viele Kunden mit einer Menge Geld in der Hinterhand parat stehen und auf das passende Angebot warten. Das ist auch der Grund, warum die Kundeneinlagen massiv um 5,5 Prozent gestiegen sind (Bayern-Schnitt 3,2 Prozent), obwohl es kaum mehr Zinsen gibt. „Der größte Teil ist Tagesgeld, weil die Leute alles schnell verfügbar haben wollen“, sagt Lautenbacher. „So ist mittlerweile der Zeitgeist.“

Obwohl es keine Zinsen gibt, legen Kunden immer mehr Geld an

Nicht, dass die Kreissparkasse nichts dagegen tut. Man spreche mit den Kunden und erkläre ihnen, dass das Geld, das unangetastet zum Teil zehn Jahre auf Tagesgeldkonten liege, trotz Niedrigzins einen ordentlichen Gewinn abgeworfen hätte, so Schmitz. „Doch die nehmen das zur Kenntnis und ändern nichts, weil sie keine langen Laufzeiten bei der Anlage wollen.“ Zumindest sei der Oberland-Sparkassenbrief, den man zur Fusion herausgegeben habe und für fünf Jahre Laufzeit einen halben Prozent Zins abwerfe (zehn Jahre: ein Prozent), gut angenommen worden.

Zumindest beim oft gemiedenen Markt mit Aktien, Fonds und festverzinslichen Wertpapieren geht es aufwärts. 128 Millionen Euro Wertpapiere hat die Kreissparkasse für ihre Kunden im Bestand, der Umsatz belief sich vergangenes Jahr auf 43 Millionen – ein Drittel der Summe war also aktiv. „Das ist die richtige Antwort auf den Niedrigzins“, so Schmitz.

Er betonte noch einmal, dass die Kundenberatung von der Fusion nicht berührt ist, also jeder seinen gewohnten Ansprechpartner bei der Sparkasse behält. Die neu IBAN-Nummer werde erst zum 24. September bei der technischen Fusion kommen. Doch auch die alte Nummer gelte noch Jahre weiter, man werde vorher ausführlich informieren.„Wir sind und bleiben die verlässliche Sparkasse vor Ort“, so Schmitz.

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