Erfolgreiches Geschäft: Hier verkaufte Josef Enzensperger gestern bei Auto Becher einen roten Audi an eine Kundin.
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Erfolgreiches Geschäft: Hier verkaufte Josef Enzensperger gestern bei Auto Becher einen roten Audi an eine Kundin.

Situation aber weiter angespannt

Nach Umsatzeinbruch durch Corona-Krise: Autohäuser sehen Licht am Ende des Tunnels

Es sind Zahlen, die für sich sprechen: Von März bis Mai 2019 wurden bei der Zulassungsstelle in Weilheim 1955 Kraftfahrzeuge neu angemeldet. heuer waren es im traditionell stärksten Quartal des Kfz-Handels inmitten der ersten Welle der Corona-Pandemie nur 1119 Neuzulassungen – ein Minus von mehr als 40 Prozent. Die Stimmung in den meisten Autohäusern scheint angespannt, vielen geht es wirtschaftlich wohl nicht gut. Aber es gibt Ausnahmen.

Landkreis – „Das praktisch ausgefallene Quartal ist nicht aufholbar“, weiß Klaus Walter vom Fiat-Autohaus Walter in Weilheim. Denn die drei Frühjahrs-Monate, in denen die Verkaufsräume wegen der Pandemie geschlossen oder nur eingeschränkt geöffnet waren, sind eigentlich „die umsatzstärksten Monate des Jahres im Verkauf“. Auch Maximilian Becher vom VW-Autohaus Becher in Schongau ist sich sicher: „Das Jahr ist nicht zu retten.“ Aber beide sehen Licht am Ende des Tunnels: „Es geht langsam aufwärts.“

Manche Unternehmen wollen sich auf Nachfrage nicht äußern

Die aktuellen Landkreis-Zahlen belegen den Optimismus: Im Juli/August wurden 1147 Autos zugelassen – also nur 56 weniger als im Vorjahr ohne Corona-Einschränkungen. Trotzdem scheint der zuversichtliche Blick in die Zukunft in vielen Firmen nicht gerade groß zu sein. Bei der Umfrage der Heimatzeitung wurde eine Teilnahme mehrmals abgelehnt mit den Worten: „Dazu sagen wir nichts“, „darüber möchten wir nicht sprechen“. Einige Unternehmens-Chefs wollten zwar die Fragen schriftlich per Mail – antworteten dann aber nicht.

Einige dieser Firmen gehören möglicherweise zu jenen Betrieben, von denen Albert Vetterl, Präsident des bayerischen Kraftfahrzeuggewerbes, nach dem Lockdown sagte, dass „einzelne Innungsbetriebe bis zu 80 Prozent Umsatzeinbußen verkraften mussten“. Der Landesinnungsmeister hatte auch das von der Bundesregierung Anfang Ende Juni verabschiedete Konjunkturprogramm gelobt: „Unsere mittelständischen Kfz-Händler können nach fünf Wochen Lockdown und vier Wochen Prämiendiskussion jetzt durchstarten“, so Vetterl nach dem Berliner Beschluss.

„Der Umsatz ist regelrecht explodiert“

Nach diesem Konjunkturprogramm „ist der Umsatz bei uns regelrecht explodiert“, sagt Birgit Doleschal vom gleichnamigen Autohaus in Weilheim. Die Mehrwertsteuer-Senkung auf 16 Prozent und der Zuschuss für E-Autos haben dem Betrieb „viel Arbeit mit der Beratung, aber auch mit dem Verkauf beschert“. Mit dem Renault „Zoe“ hat man bei Doleschal nach deren Angaben das meistverkaufte E-Auto Deutschlands im Angebot: „Das ist für uns natürlich jetzt sehr, sehr gut“, sagt die Firmenchefin. Laut Zulassungsstelle boomen die E-Autos: Im Juli 2019 waren 388 Elektrofahrzeuge und 665 Hybridfahrzeuge zugelassen, im Juli 2020 waren es bereits 595 Elektrofahrzeuge und 1078 Hybridfahrzeuge.

Die richtigen Autos in der momentanen Situation hat offensichtlich auch der markenfreie Betrieb Huber Cars von Markus Huber in Oderding: vor allem Campingfahrzeuge. In den letzten drei Monaten hat er 80 neue VW-Busse „California“ verkauft: „So viele wie das ganze vergangene Jahr nicht.“ Den Trend zum Urlaub auf zwei oder vier Rädern bestätigt auch Ludwig Kargl von Wohnwagen Gerard in Peißenberg: „Wir können uns nicht beschweren.“

Allerdings mischt sich auch ein bisschen Skepsis in die Zuversicht. Doleschal macht sich Sorgen um die nächsten Wochen: „Früher sind Mitarbeiter mit ein bisschen Schnupfen in die Arbeit gekommen, jetzt müssen sie daheim bleiben.“ Erst nach einem negativen Test oder längerer Quarantäne dürfen sie wieder in die Arbeit. Das könne zu Problemen für die Kunden im Arbeitsablauf führen. Und Maximilian Becher traut dem momentanen Aufschwung nicht so ganz: „Man weiß noch nicht, wie nachhaltig die Sache ist.“

VON RALF SCHARNITZKY

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