Per QR-Code werden die Daten erfasst und im Infektionsfall vom Gesundheitsamt ausgelesen. dpa-Bildfunk
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Per QR-Code werden die Daten erfasst und im Infektionsfall vom Gesundheitsamt ausgelesen.

Im Landkreis Weilheim-Schongau

Luca-App nur, wenn sie alle nutzen

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Sie wird als Erleichterung angepriesen in der Kontakterfassung, ohne die es in diesen Zeiten wohl nicht geht: die Luca-App. Mit ihr soll ein unbürokratischer, papierloser Zugang zu Veranstaltungen oder Restaurants möglich sein. Noch gibt es im Landkreis keine Genehmigung, stattdessen herrscht große Skepsis.

  • Auch im Landkreis Weilheim-Schongau wird diskutiert, ob man die Luca-App einführen soll
  • Wir haben uns beim Handelsverband, beim Hotel- und Gaststättenverband und Veranstaltern umgehört
  • Nicht alle finden eine App notwendig, wenn eine eingeführt wird, dann aber bitte einheitlich, so die Bitte

Landkreis – Geradezu enthusiastisch hatte jüngst Andreas Kosian, Chef des Kommunalunternehmens Plantsch in Schongau, von der Luca-App geschwärmt und diese in höchsten Tönen gelobt. „Mit der App kann der Besuch von Veranstaltungen, Restaurants oder Kultureinrichtungen extrem schnell und datensicher sowie ohne das sonst bergeweise anfallende Papier abgewickelt werden“, so Kosian. Er hatte sich gewünscht, dass der Landkreis Gas gibt und die Anbindung an das Gesundheitsamt rasch funktioniert, denn ohne das geht es nicht. Verschlüsselt sollen die Kontaktdaten übertragen werden. Ohne großen Aufwand könnten Ansteckungsketten nachvollzogen werden. App installieren, registrieren, QR-Code am Eingang scannen, automatische Abmeldung beim Verlassen. Nur bei einem Infektionsfall würden die Daten für das Gesundheitsamt sichtbar und ausgewertet. Auch für private Treffen kann man einen QR-Code erstellen.

„Die physische Registrierung im Geschäft hat bisher geklappt“

„Wir haben nicht mehr die Zeit zu reagieren, wir müssen agieren“, so Josef Wiedemann, stellvertretender Kreisvorsitzender beim Handelsverband und Ortsvorsitzender für Weilheim. Was die App anbelangt, ist er sich aber eher unsicher. „Im Focus steht der Schutz der Gesundheit, wenn es dazu dient, dann grundlegend ja.“ Er hinterfragt, wie man mit Menschen umgehen solle, die dem Registrierungssystem skeptisch gegenüberstehen oder nicht so technikaffin sind. „Das führt zu Diskussionen“, befürchtet er. „Kann und muss ich diese Person dann wegschicken?“ Bei Click & Meet habe die physische Registrierung bisher einwandfrei geklappt, der Inhaber vom Musikhaus Wiedemann notierte einfach Namen und Telefonnummer der Kunden – fertig. Bei der App stehe dagegen ein technischer Aufwand und eine gewisse Verwaltung dahinter. „Das läuft nicht vollautomatisch.“ Nicht zuletzt müsse es eine gemeinsame und zuverlässige Lösung für alle Geschäftsleute geben. Derzeit stünden ja auch noch andere Apps zur Verfügung wie die „Darf ich rein“-App.

„Bitte keine unterschiedlichen Apps“

Diese zählt auch Katharina Haller auf, stellvertretende Kreisvorsitzende beim Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband. „Eine Registrierungs-App ist auf alle Fälle eine Erleichterung, aber wenigstens landkreisweit sollte man sich schon einigen, 20 verschiedene Apps sind ja Irrsinn.“ Auch sei noch viel zu wenig geklärt, meint die Wirtin der Gaststätte Sonne in Peißenberg. „Darf ich das dann verlangen, dass jeder diese App hat? Und darf ich einen Test verlangen? Und darf ich noch händisch eintragen, wenn jemand die App nicht hat?“ Auch Haller ist skeptisch: In München kann sie sich die App sehr gut vorstellen, aber am Land kenne man sich und müsse in der Regel ohnehin reservieren. Und Hotelgäste würden bei der Anmeldung ebenfalls registriert. In jedem Fall ist die App derzeit ihre kleinste Sorge: „Ich bin total niedergeschlagen, es ist aussichtslos, wieder zu öffnen. Man sollte ganz Bayern zum Corona-Pilotprojekt machen.“

„Wenn die App das Gefühl gibt, wieder aktiv am Leben teilzunehmen, dann sind wir dabei“

Alles andere als dramatisch empfindet Stephan Kögl den Aufwand bei der Registrierung seiner Gäste im Kuhstall, der Kultur-Bühne im Schwabbrucker Schäferwirt. Und grundsätzlich würde er die Luca-App befürworten, wenn es das wirklich einfacher machen würde, Zettel und Stift seien ja eher noch aus dem letzten Jahrhundert. „Aber wir sind so überbürokratisiert, es scheint gar keine leichten Lösungen geben zu dürfen, schon findet sich wieder eine Hürde“, meint der Gastwirt. Seiner Meinung nach mache es überhaupt keinen Sinn, zweigleisig zu fahren, also elektronische plus händische Registrierung. „Aber damit alle die App akzeptieren, müsste man den Leuten ein stückweit Sicherheit bieten“, spielt er auf den Datenschutz an. Im Gegensatz zum Optimisten Andreas Kosian verspüre er nicht nur Hoffnung, sondern auch Müdigkeit. „Aber alles, was uns das Gefühl gibt, wieder aktiv am Leben teilzunehmen, da sind wir herzlich gerne dabei.“

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