Luftreinigungsgeräte wie dieses sollen nach dem Willen des Kultusministeriums in allen Klassenzimmern stehen. Eine Garantie für Präsenzunterricht gibt die Behörde damit aber nicht ab.
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Luftreinigungsgeräte wie dieses sollen nach dem Willen des Kultusministeriums in allen Klassenzimmern stehen. Eine Garantie für Präsenzunterricht gibt die Behörde damit aber nicht ab.

Stadtrat und Schulausschuss

Luftreiniger nur dort, wo es nötig ist, aber für alle Schongauer Kinder

  • Elke Robert
    VonElke Robert
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Für die Grundschule und die Mittelschule Schongau sollen nur für jene Räume Luftreinigungsgeräte angeschafft, werden, die schlecht zu lüften sind. Aber dafür werden in Schongau alle Kinder gleich behandelt, deshalb werden auch die Kitas geprüft.

Schongau – Bereits am Dienstag hatte sich der Stadtrat ausführlichst mit dem Thema Luftreinigungsgeräte für die Schongauer Grundschule auseinandergesetzt. Denn: Der Bauausschuss hatte in der Woche zuvor einen Beschluss gefasst, der mit dem aktuellen Beschluss des Kreistags einfach nicht mehr kompatibel war, wie Stadtbaumeister Sebastian Dietrich erläuterte.

Der Kreistag hatte anders entschieden, als erwartet

Man war davon ausgegangen, dass die Kreisräte sich entweder für ein „Alles“ oder für ein „Nichts“ entscheiden würden, Geräte für alle Klassenzimmer oder eben gar keine. Doch im Kreistag hatte man dann noch eine ganz andere Lösung gefunden: Alle Räume der Schulen in Landkreisträgerschaft sollen von einem Planer begutachtet werden. Stellt dieser fest, dass ein Klassenzimmer, das nicht ohnehin mit einer eigenen raumlufttechnischen Anlage ausgestattet ist, nur sehr schwierig belüftet werden kann – keine Fenster oder zu viel Lärmbelastung durch das Lüften –, werden dann nur für diese Räume die von der Staatsregierung geforderten Luftreiniger angeschafft.

Bauausschuss hatte erst Geräte in den Kindergärten abgelehnt

Einig war man sich im Bauausschuss aber auch über eines gewesen: Man will alle Schüler am Schongauer Schulzentrum, ob von Grundschule, Mittelschule, Realschule oder Gymnasium, gleich behandeln, deshalb musste nun im Stadtrat darüber entschieden werden, ob man ebenfalls mit diesem Kreistagsbeschluss gehen könne – oder aber eine andere Lösung finden.

Stadtbaumeister: „Luftreiniger kein Allheilmittel“

„Die Luftreinigungsgeräte sind nur ein Baustein, um die Pandemie in den Griff zu bekommen“, so der Stadtbaumeister, „sie sind aber sicherlich kein Allheilmittel“. Und: Die Geräte seien keine Garantie, dass bei steigenden Infektionszahlen nicht trotzdem Distanzunterricht und Homeschooling stattfinden müssen.

Dietrich machte deutlich, dass sich die Investitionen für die Grundschule voraussichtlich in Grenzen halten – es seien kaum Räume betroffen, auch nicht im Altbau. Der Beschluss des Bauausschusses, dort so rasch wie möglich eine Lüftungsanlage nachzurüsten, bleibt bestehen.

In Grund- und Mittelschule sollen große Raumluftanlagen eingebaut werden

Dies ist aber eben nicht, wie gefordert, bis Herbst umsetzbar. Ähnlich sieht es auch für die Mittelschule aus, wie der Stadtbaumeister in einer außerordentlichen Sitzung des Schulverbands erläuterte. Dort ist bereits seit Herbst ein Gerät in einem einzelnen Raum im Einsatz, wo nicht gelüftet werden kann. Im Rahmen der anstehenden Sanierung soll die gesamte Mittelschule eine neue Raumlufttechnik bekommen.

Sowohl im Stadtrat, als auch im Schulausschuss wurde klar: Um das regelmäßige Lüften kommt man trotz Luftreiniger nicht herum. Auch die AHA-Regeln bleiben, wobei das konsequente Abstandhalten nicht in allen Klassenräumen möglich sei, so Mittelschulrektor Frank Pfaffenberger in der Verbandsversammlung. Das Signal der Eltern gehe nicht konkret in die Richtung, dass unbedingt Lüftungsgeräte angeschafft werden müssten. Pfaffenberger: „Aber sie sagen klar, noch einen Lockdown schaffen wir nicht mehr, die Eltern wollen, dass Schule stattfindet.“

Man will sich am bewährten Modell orientieren

Hohenfurchs Bürgermeister Guntram Vogelsgesang sah aber in den Modellen jener Luftreiniger, die jüngst im Kreistag präsentiert worden seien, auch keine Lösung. „Ich war schockiert: Es geht viel Raum verloren, und es ist ein Spagat, denn sie sollen ja von der Lautstärke her den Unterricht nicht stören.“

Das eine Gerät mit zwei Filtersystemen, das in der Mittelschule im Einsatz sei, halte die 35 Dezibel ein, so Dietrich. Pfaffenberger berichtete außerdem, dass es kaum Probleme mit Zugluft gebe. „Es ist wie ein größerer Schrank. Und laut wie ein Beamer.“

„Das einheitliche Vorgehen macht Sinn“, fasste es Altenstadts Bürgermeister Andreas Kögl zusammen und sah es pragmatisch: „Es ist nicht schön und angenehm, wenn man im Winter das Fenster aufreißen muss, aber es ist eben so.“

Fachplaner soll alle Räume begutachten, ob Geräte nötig sind

Die Schulverbandsversammlung entschied einstimmig, sich am Kreistagsbeschluss zu orientieren, also einen Fachplaner für die Bewertung durch die Schulräume zu schicken und dann nur die notwendigen Geräte zu kaufen. Mit aufgenommen wurde der Zusatz, dass diese bis Ende Oktober geliefert sein sollen. Weil es vermutlich nur wenige Luftreiniger werden, kann man eventuell auf eine Ausschreibung verzichten und sich für die bereits bewährte Bauart entscheiden.

Im Stadtrat votierten am Dienstag drei Räte dafür, alle Räume mit Luftreinigern auszustatten. Auch dort folgte man dann dem Beschluss des Kreistags, der aber nicht einstimmig fiel, sondern mit 12:10 Stimmen. Zuvor war noch recht kontrovers diskutiert worden. Marianne Porsche-Rohrer etwa war der Meinung, auf keinen Fall alle Räume auszustatten. „Die Geräte sind fürchterlich, zu laut und machen zu viel Wind“, so Porsche-Rohrer. „Und was haben wir dann davon, wenn unsere Kinder entzündete Augen und Ohren bekommen?“

Diesmal bezog der Stadtrat auch die Kindertagesstätten mit ein (Ergebnis für den Fachplaner ebenfalls 12:10 Stimmen). Auch bei den Kitas waren nur drei Räte dafür gewesen, grundsätzlich alle Räume auszustatten.

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