Auch bei den Schulwegen muss die Stadt nachbessern. Problemstellen, die das Radverkehrskonzept ausweist, sollen nach und nach angepackt werden.
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Auch bei den Schulwegen muss die Stadt nachbessern. Problemstellen, die das Radverkehrskonzept ausweist, sollen nach und nach angepackt werden.

Ersatz für Bürgerversammlung

Schongauer haben nur mäßiges Interesse am digitalen Bürgerdialog

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Weil 2020 auch in Schongau keine Bürgerversammlung stattfinden konnte, hatte Bürgermeister Falk Sluyterman einen anderen Weg gesucht: Den digitalen Bürgerdialog. Die ersten drei Videoantworten sind online, eine weitere soll folgen. Sehr viele Fragen brannten den Schongauern aber nicht unter den Nägeln.

Schongau – Bis Ende des Jahres hatten die Bürger Zeit, sich mit ihren Fragen an Bürgermeister Falk Sluyterman persönlich zu wenden oder auch an die Stadtverwaltung. „Das Ergebnis war recht übersichtlich“, resümiert der Rathauschef. Eine Einzelperson habe mehrere Fragen gestellt. Einen eigenen Weg hatte die Bürgerinitiative Schongau gefunden. Peter Haggenmiller hatte, ebenfalls per Video, sechs Fragen formuliert. Zwar habe er ursprünglich schon mit mehr Fragen gerechnet, gibt Sluyterman zu. „Aber auch bei der Bürgerversammlung als Präsenzveranstaltung rennt uns niemand die Bude ein.“ Dennoch sei das Format mit Antwort als Videobotschaft durchaus geeignet, einen Dialog zu führen. Warum so wenig Fragen kamen, erklärt sich Sluyterman aber auch mit dem bereits seit 2014 laufenden Ideen- und Beschwerdemanagement der Stadt. „Da kommen zwei bis drei Anfragen pro Woche“, so der Bürgermeister. Von Beschwerden über zu schnelles Fahren, Vermüllung oder den Winterdienst sei alles dabei.

Freie Sicht auf den Lech zu schaffen, ist gar nicht so einfach

Die ersten beiden Videobotschaften sind jeweils relativ kurz gehalten und behandeln nur wenige Fragen. Das erste Thema, auf das Sluyterman ausführlich eingeht, ist die Frage, ob die Stadt nicht für eine bessere Sichtbeziehung zum Lech sorgen könne. Ein Mitglied aus dem Isek-Steuerkreis, der bei der Ausarbeitung des städtebaulichen Entwicklungskonzepts mitwirkte, wünscht sich endlich freie Sicht von der Lechuferstraße und dem Lechhöhenweg aus. Es sei richtig, dass man vereinbart hatte, den Heimatfluss Lech wieder erlebbar zu machen, erläutert der Bürgermeister. Er stellte aber gleichzeitig dar, dass dies gar nicht so einfach sei. Zum einen würden viele Flächen am Lech in Schongau gar nicht der Stadt gehören, sondern dem Freistaat oder privaten Besitzern. Zum anderen würden bei einer Abholzung unter Umständen auch naturschutzrechtliche Gründe dagegensprechen. Nach Sluytermans Angaben habe er sich aber bereits mit dem Wasserwirtschaftsamt in Verbindung gesetzt, um zu klären, ob man nicht doch einzelne Bäume herausnehmen könne.

Radweg zwischen Schongau und Peiting ist schon in Planung

Auch das Radverkehrskonzept war Thema. Wie der Stadtrat erst beschlossen hat, sollen nach und nach Radwege saniert, ausgebaut oder neu gebaut werden. Für kleinere Maßnahmen stehen 50 000 Euro jährlich zur Verfügung, auch 2021 sollen sie im Haushalt stehen. Der Radweg zwischen Schongau und Peiting sei ebenfalls schon in der Planung, wie der Bürgermeister betonte. Dieser soll im Zuge des Ausbaus der Peitinger Straße im Jahr 2022 mitgemacht werden.

Vor Landesgartenschau-Bewerbung erst Umfeld von Stadtmauer und Bahnhof anpacken

Eine Rückfrage kam zur Landesgartenschau. Wie der Stadtrat Ende vergangenen Jahres mehrheitlich beschlossen hatte, bewarb sich Schongau diesmal nicht für die Teilnahme. Die Begründung: Allein schon eine Bewerbung sei mit erheblichen Kosten verbunden, was die derzeitige Einnahmesituation nicht zulasse. Bürgermeister Sluyterman erinnerte daran, dass man bereits 2013 für eine kleine Landesgartenschau Interesse gezeigt habe und aus dieser Zeit auch noch Konzepte existieren. Diese sollen mit einfließen, wenn man etwa das Stadtmauerumfeld oder die Bereiche rund um den Bahnhof anpackt.

Bürgerinitiative greift Trinkwasserversorgung auf

Die Bürgerinitiative Schongau-West griff unter anderem Fragen um die Trinkwasserversorgung der Stadt Schongau auf. Haggenmiller geht in seinen Berechnungen davon aus, dass sich die Trinkwassergebühren durch den Bau der zweiten Trinkwasserversorgung – eine neun Kilometer lange Leitung vom Heilig-Geist-Spitalwald nach Schongau – auf 1,34 Euro pro Kubikmeter erhöhen könnten. Dem widerspricht der Rathauschef. Zwar legt er keine konkreten Zahlen vor, hierfür sei es noch zu früh, da die Baumaßnahme erst Ende 2021 abgeschlossen werden soll. „Aber unsere vorläufige Kalkulation liegt deutlich darunter.“ Die von der Bürgerinitiative vorgelegten Zahlen seien dagegen nicht nachvollziehbar. Und die Stadt Schongau zahle nicht etwa für andere Gemeinden mit, sondern diese würden sich an den Kosten beteiligen. „Eine zweite Trinkwasserversorgung ist ein wichtiges Vorhaben; wir werden noch froh sein, denn der Klimawandel lässt sich nicht mehr leugnen.“

Die Videos sind über die Seite der Stadt verlinkt (www.schongau.de) und über Facebook oder direkt YouTube abrufbar.

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