Vor allem ältere Menschen fürchten das Corona-Virus. .  Foto: Sebastian gollnos/dpa
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Vor allem ältere Menschen fürchten das Corona-Virus. Wenn sie beim Einkaufen dann auf vermeintliche Maskenverweigerer stoßen, kann es schnell zum Eklat kommen. So wie am Montag in Schongau.

Aufregung im Supermarkt

Mann ohne Maske bringt Seniorin auf die Palme - Doch er hatte ein Attest

  • Jörg von Rohland
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Nach wie vor sind Kunden verpflichtet, in Geschäften und Supermärkten einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Befreiungen davon sorgen aber immer wieder für Missverständnisse. Manchmal sogar für Aufregung – so wie jüngst bei Edeka in Schongau West.

  • Eine 70-jährige Senioren traute im Supermarkt ihren Augen nicht
  • Ein Mann spazierte dort ohne Maske seelenruhig durch den Markt und ließ sich an der Fleischtheke bedienen
  • Was die Dame empört: Niemand sprach den Mann auf den fehlenden Mund-Nasen-Schutz an
  • Was sie nicht wissen konnte: Der Herr hat offenbar ein Attest und ist Stammgast

Schongau – „Da muss ich mich doch wehren“, schimpfte die Schongauerin Ingrid Feldmair. Als die 70-Jährige am Montag dieser Woche in dem Edeka-Markt Einkaufen war, fiel ihr ein Mann ins Auge. Seelenruhig spazierte er ohne Mund-Nasen-Schutz durch den Supermarkt und ließ sich an der Fleischtheke bedienen.

Weder die Mitarbeiter hinter der Theke, noch die anderen später an der Kasse hätten sich für den Mann ohne Maske interessiert, berichtete die 70-Jährige, der beinahe der Kragen geplatzt wäre. Sie sprach den Mundschutzlosen selbst an und erhielt auch eine Antwort: „Er hat nur gesagt, er hat einen Zettel.“

Personal ließ sich das Attest nicht zeigen

Was die Schongauerin so in Rage brachte, ist, dass sich in dem Supermarkt niemand das Attest zeigen ließ, das der Mann vorgab, bei sich zu haben. Die 70-Jährige ist extrem vorsichtig, damit sie sich nicht das Corona-Virus einfängt. Ihren runden Geburtstag feierte Feldmair im Sommer im engsten Kreis der Familie. Sie sorgt sich vor allem um ihren 81-jährigen Ehemann, der zur Risikogruppe zählt. „Er hat ein Herzleiden.“ Umso mehr störte Feldmair nun das Erlebnis in dem Supermarkt.

Sprecher: „Mann war mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Stammgast“

Was sie nicht wissen konnte: „Der Mann war mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Stammgast und von der Maskenpflicht ärztlich befreit“, erläutert Christian Strauß, Sprecher von Edeka-Südbayern. Er ließ sich den Fall von den betroffenen Mitarbeitern im Markt schildern. Dass es für einen Dritten komisch aussehe, dass der Mann vom Personal nicht angesprochen werde, kann der Sprecher durchaus verstehen. Aber einem Stammgast stelle man nun mal „nicht fünfmal die gleiche Frage“.

Wie in allen anderen Märkten auch seien die Mitarbeiter in dem Schongauer sensibilisiert, auf die Maskenpflicht zu achten, betont der Sprecher. Klassische Verweigerer werden seinen Angaben nach auch hier des Ladens verwiesen. Wer aber ein Attest vorweisen kann, darf ohne Maske einkaufen.

Theoretisch könnten die Supermärkte den Mundschutzlosen auch ohne Attest Eintritt gewähren. Gesetzlich verpflichtet sind sie nämlich nicht dazu, auf die Maskenpflicht der Besucher zu achten.

Polizei: Märkte sind nicht verpflichtet, fehlenden Mund-Nasen-Schutz bei Kunden zu monieren

Das bestätigt auf Anfrage der Schongauer Polizeichef Herbert Kieweg. Er verweist auf die seit 2. November geltenden achte Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. Sie schreibt den Märkten unter anderem vor, sicherzustellen, dass grundsätzlich ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Kunden eingehalten werden kann und dass sich nicht zu viele auf einmal in dem Geschäft aufhalten (10 Quadratmeter Verkaufsfläche je Kunde). Und natürlich gilt für die Kunden und ihre Begleitpersonen Maskenpflicht. Das Personal habe „keine Verpflichtung sie zu überprüfen“, betont Kieweg.

Das macht im Zweifel die Polizei. Wobei Kieweg einräumt, dass seine Beamten eher nicht in Verbrauchermärkten unterwegs sind. Es komme aber immer wieder mal vor, dass sie zu Uneinsichtigen gerufen werden, die die Geschäfte nicht verlassen wollen. Im Großen und Ganzen würden sich die Leute aber gut an die Maskenpflicht halten, berichtet der Inspektionsleiter.

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