Die Qualität der Radwege im Oberland soll durch das Leader-Kooperationsprojekt zwischen Tourismusverband Pfaffenwinkel und Zugspitz Region GmbH noch weiter verbessert werden. Christoph Jorda/Tourismus Oberbayern MÜnchen e.V.
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Die Qualität der Radwege im Oberland soll durch das Leader-Kooperationsprojekt zwischen Tourismusverband Pfaffenwinkel und Zugspitz Region GmbH noch weiter verbessert werden.

Im Pfaffenwinkel und der Zugspitz-Region

Mehr und bessere Angebote für Radfahrer

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Für die Region ist ein Freizeitradwegekonzept in Arbeit, man ist mitten in der Abstimmung. Auch die Stadt ist einbezogen und dann gefragt, wenn es um die Wege oder die Beschilderung geht. Stadtförster Klaus Thien sieht bereits heute Konfliktpotenzial, und man fürchtet, überrannt zu werden.

Schongau – Um diesen „Dreiklang“ geht es beim Freizeitradwegekonzept, wie Susanne Lengger vom Tourismusverband Pfaffenwinkel am vergangenen Dienstag den Schongauer Stadträten erklärte: Zum einen möchte man Gäste in die Region bringen, die nicht nur auf der Durchreise sind, sondern drei, vier Tage bleiben, der Fahrradtourismus soll also die Wertschöpfung erhöhen.

Natürlich soll sich das Angebot auch an die einheimische Bevölkerung richten, eine attraktive Radwegeinfrastruktur die Lebensqualität erhöhen. Und nicht zuletzt hat man die Besucherlenkung im Auge, denn, wie Lengger betonte, „nicht alle Radelfahrer fahren dort, wo wir es wollen“.

Unterschiedliche Angebote für die einzelnen Radlertypen

Unterschiedlich sollen die Angebote für die einzelnen Radlertypen werden. Neben dem Tourenrad und dem Rennrad erlebe das „Gravelbike“ einen Boom, erläuterte Lengger. „Ein sportliches Gerät, das man wie ein Rennrad nutzen, mit dem man aber auch über Schotter fahren kann.“ Es gebe viele geeignete Strecken in der Region.

Eher Sorgen bereiten dagegen die Mountainbiker: „Ein schwieriges Thema.“ Für sie suche man nun spezielle anspruchsvolle Trails, um andere Bereiche, etwa am Lech oder und im Naturschutzgebiet, zu schützen. Ein Brennpunkt seien etwa die Lechsteilhänge nördlich von Schongau Richtung Hohenfurch.

Beschwerden gebe es auch immer wieder rund um den Hohen Peißenberg: „Wir wollen versuchen, gegenzusteuern, im Dialog Angebote schaffen.“ Im Gegensatz zu allen anderen Wegführungen sollen diese Strecken aber auf keinen Fall beworben werden, es soll ein Angebot nur für Einheimische sein.

In Zusammenarbeit mit der Zugspitz-Region

In Zusammenarbeit mit der Zugspitz-Region wurden erst einmal alle bestehenden Wege analysiert, unter anderem 900 Online-Fragebögen ausgewertet. Speziell für Tourenräder gebe es im Landkreis Weilheim-Schongau schon ein recht dichtes Netz, die Beschilderung könne man nutzen. Für Rennradfahrer soll es ausschließlich ein digitales Angebot geben, für die „Gravelbikes“ soll mit beidem gearbeitet werden. Derzeit sei man bei den Wegstrecken in Abstimmung, für Schongau selbst gibt es aber wenig Neues, da bewege man sich immer auf dem bestehenden, ausgeschilderten Radwegenetz. „Bis auf eine kleine Ausnahme wird nichts geändert“, erläuterte Lengger auf Nachfrage.

Eine Entwicklung mache dagegen Probleme: „Die Rücksicht und das Miteinander sind massiv verloren gegangen wegen Corona. Ich prophezeie, dass es in diesem Jahr noch einmal schlimmer wird“, so Lengger.

Mit ein Grund, warum auch Stadtförster Klaus Thien mit am Tisch saß, der sich sehr dafür aussprach, die Angebote für Fahrradfahrer zu lenken. „Es ist im Bereich Schongau schon seit ein paar Jahren problematisch“, betonte Thien. Schongau sei ein Knotenpunkt, die Lage am Lech schwierig. Alle Wege um die Stadt seien überplant, ein gut erhaltenes Wegenetz vorhanden.

„Aber man darf nicht vergessen, dass die Wirtschaftswege das Rückgrat der Waldbewirtschaftung sind“, mahnte Thien. Die Nutzung der Wald- und Forstwege sei um mehrere Hundert Prozent angestiegen, „und es wird sicher noch mehr“. Teilweise dauere das Sichern der Wege bei Arbeiten länger als der Vorgang selbst.

Stadtförster Thien macht sich Sorgen, dass Arbeit auf die Stadt zukommt

Thien mache sich außerdem Sorgen, dass viel Arbeit auf die Stadt zukommen könnte, „weil Wege wegen des Klimawandels teils wochen- oder monatelang nicht in dem Zustand sind, in dem sie ein Radler braucht oder sich wünscht“.

Daher soll es Angebote geben zur Konfliktlösung, erklärte Lengger. „Denn die Wege gehören allen gemeinsam.“ Es gibt etwa ein Piktogramm mit einem Radler und einem Bulldogfahrer, die sich zuwinken, das für gegenseitige Rücksichtnahme wirbt.

Bis zum Spätsommer könnte das Konzept fertig sein. Was auf die Stadt an Kosten zukommt, ist noch nicht definiert, es gebe aber Förderprogramme, so Lengger. Die Stadträte beurteilten die bisherige Vorarbeit recht positiv. „Ich bin regelrecht begeistert“, resümierte Gregor Schuppe (ALS). Kornelia Funke (CSU) versprach sich viel Positives für den Schongauer Tourismus. Es müsse dem Stadtrat aber bewusst sein, dass es mit finanziellem Aufwand verbunden sei, so Ilona Böse (SPD).

Bettina Buresch (Grüne) wünschte sich, dass die BRB mitbeworben wird, „damit nicht alle mit dem Auto kommen und wir große Parkplätze anlegen müssen“. Sie schloss sich den Sorgen Thiens an, „Szenarien wie an der Schnalz könnten sich durch beworbenen Radeltourismus auch bei uns ergeben“. Auch Friedrich Zeller (SPD) befürchtete, dass die Region von den Münchnern überrannt werde, das Parken müsse geregelt werden. „Alles andere ist durchdacht.“

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