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Aus dem Gericht

Mit Messer Drogen erpresst

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Mit dem Messer soll ein afghanischer Asylbewerber in Schongau einen anderen um Haschisch erpresst haben. Nun steht er vor dem Landgericht München II – und bestreitet die Vorwürfe.

Schongau – In einer Asylbewerberunterkunft in Schongau soll es am Abend des 18. April hoch hergegangen sein. Ein Afghane (23) soll einen Heimbewohner mit einem langen Küchenmesser bedroht und randaliert haben, um Haschisch von ihm zu erpressen. Seit 23. April sitzt er in Untersuchungshaft. Jetzt muss er sich vor dem Landgericht München II wegen versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung verantworten. Dazu kommen Sachbeschädigung, Körperverletzung, Bedrohung und versuchte Sachbeschädigung.

Der Mann aus Kabul, der eigentlich in Altenstadt wohnte, besuchte an jenem Aprilabend zusammen mit einem Bekannten die Asylbewerberunterkunft an der Rentamtstraße. Dort becherten sie zusammen mit drei weiteren Männern ordentlich Wodka. Die Blutprobe, die um 1.30 Uhr beim Afghanen genommen wurde, ergab 1,44 Promille Alkohol. Auch Cannabinoide wurden gefunden.

Laut Anklage ging der Afghane gegen 21.45 Uhr mit einem 33 Zentimeter langen Messer, Klingenlänge 16 Zentimeter, ins Zimmer eines Bewohners, richtete das Messer auf ihn und forderte Haschisch. Dieser sagte, dass er keines habe. Daraufhin soll der Afghane wild mit dem Messer herum hantiert haben. Teilweise befand sich der Griff im Jackenärmel, dann nahm er den Griff wieder in die Hand und hielt die Klinge bedrohlich nach oben. Außerdem soll er den Fernseher auf den Boden geschmissen haben. Obwohl er um sein Leben fürchtete, gab ihm der bedrohte Mann keine Drogen.

Anschließend ging die Auseinandersetzung noch weiter. Der bedrohte Mann flüchtete in ein Nachbarzimmer, dessen Bewohner sich schützend vor ihn stellte. Auch diesen soll der Afghane nun bedroht haben – unter anderem schubste er ihn, schlug ihm gegen die Brust und und deutete eine Schnittbewegung an seinem eigenen Hals an, um sein Gegenüber zu ängstigen.

Zurück im Zimmer des ersten Bedrohten, randalierte der Afghane laut Anklage erneut. Er warf einen PC-Bildschirm vom Schreibtisch und versuchte, den Kühlschrank umzuwerfen. Als der erpresste Mann schließlich die Polizei anrief, wollte er ihm das Telefon entreißen.

Der Afghane selbst bestreitet die Vorwürfe. Er betonte über seinen Dolmetscher immer wieder, dass er „total besoffen“ gewesen sei. Er und ein Spezl seien in das Zimmer des Bewohners gegangen, weil sie Hasch wollten. Er habe freundlich danach gefragt. „Sonst hat er es uns gegeben, aber diesmal war es anders.“ Der Bewohner und ein zweiter Mann hätten die Droge verweigert. „Die haben geschoben, wir haben geschoben.“ Der Widersacher habe schließlich ein Messer rausgeholt, das ihm der Afghane abgenommen habe. Er sei dann mit dem Messer raus, aber es sei ihm runtergefallen. Auch die Gegenstände habe er nicht kaputtgemacht.

Der 23-Jährige berichtete, dass er mit sieben Geschwistern in Kabul aufwuchs und nach der 7. Klasse zur Polizei ging, wo er in der Drogenabteilung arbeitete. Dabei sei er jedoch von der afghanischen Mafia erpresst worden. Er sei auch geschlagen und verletzt worden und habe fliehen müssen. Vor einem Monat wurde sein Asylantrag jedoch abgelehnt. Der Prozess dauert an.

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