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Wimper für Wimper verklebt Sina Jenninger die neuen längeren Wimpern mit den natürlichen. Danach 48 Stunden kein Wasser in die Augen und schlafen in Rückenlage. Dann kann geklimpert werden.

Von Amerika nach Schongau

Mit neuen Wimpern klimpern

Wer kennt sie nicht, die großartigen Schauspielerinnen wie Liz Taylor, Andrey Hepburn oder die erst kürzlich verstorbene Filmdiva Margot Hielscher. Sie brillierten auf der Leinwand in unzähligen Filmen. Verführung pur mit eingeschlossen. Vor allem in Nahaufnahme in den legendären schwarz-weiß Filmen ließ ein Augenaufschlag der Damen die Herzen der Betrachter höher schlagen. Ein Wimpernschlag eben, mit erotischer Ausstrahlung. Sina Jenninger aus Schongau hat sich den langen Wimpern verschrieben.

Schongau/Washington – „Mit schicken Haaren, langen Beinen, ist es nicht getan“, trällert Renate Kern in ihrem neuesten Hit. Gut, man schreibt das Jahr 1969, aber damit hat sie die Hitparade förmlich erobert. Mit einem Lied, das heute noch hochaktuell ist. Denn mit dem Refrain unterstreicht Renate ganz deutlich, wo der Hase im Pfeffer liegt. „Mit den Wimpern klimpern, wenn ein Boy dir gut gefällt!“ Aha, daher weht der Wind. Damit beim ersten Augenkontakt der Pulsschlag schon leicht erhöht wird. Beim Gegenüber. Da kann man ganz langsam mit dem Reizen beginnen. Ähnlich wie beim Skatspiel, aber eben nur ähnlich.

Vor über vier Jahren hat Sina Jenninger sich für einen besonderen Anlass ihre Wimpern verlängern lassen. Mehr aus Neugierde, wie eben Mädels manchmal in Ideen beflügelt werden. Die Komplimente über ihre Aussehen ließen nicht lange auf sich warten. Da Sina auch selbst vom Ergebnis begeistert war, entschloss sie sich, diese Möglichkeit langer Wimpern auch ihren Freundinnen zu bieten. Sie machte eine Ausbildung und „tobte“ sich im Freundeskreis aus. Ihre Arbeit gefiel, der Kundenstamm wuchs, das Internet wurde mit ins Boot geholt.

Weit weg im fernen Washington D.C. lebt seit über 28 Jahren Dagmar C. Tawil. Sie ist dort Vorstandsdirektorin an der Deutschen Schule, also immer in (Augen)Kontakt zu Schülern. Dabei verfolgt Dagmar sehr genau die neuesten Trends vor allem der Mädels. „Als an unserer Schule vor einiger Zeit das Verlängern der Wimpern hoch im Kurs stand, spielte ich natürlich auch in Gedanken damit, mir solche Wimpern zuzulegen“, erzählt Dagmar. „Da muss man doch mithalten“, so ihr Credo. Doch zu den amerikanischen Beauty Salons hatte sie nicht so den richtigen Draht. Alles zu sehr aufgespachtelt und aufgestylt.

Aber es gibt ja schließlich Google. Eingeben und suchen lassen. Alles per Mausklick. Und da öffnet sich doch glatt ein Fenster in „good old Germany“, Dagmars Geburtsland. Geschrieben in deutscher und englischer Sprache. Alles genau nach den Vorstellungen von Dagmar.

„Wenn das kein Zufall ist?“, fragt sich die 59-jährige Direktorin. Jetzt will sie´s wissen, wagt den Schritt und schickt eine „message“ über Facebook zu Sina. Es klappt, Dagmar ist von Sinas Vorstellungen und Arbeit begeistert. Der 20-jährige Sohn von Dagmar kommt mit ins Spiel. Er hat gerade an der Deutschen Schule in Washington sein Abitur abgelegt und will sein Studium beginnen. Nicht in den USA, er hat die Uni in Paderborn ausgewählt. Er will unbedingt im Heimatland seiner Mutter bis zum Abschluss büffeln.

„Was soll‘s“, denkt sich Dagmar und verbindet den Deutschlandbesuch mit Schongau. Während der Sohn sich an der Uni einschreibt, liegt die Mutter bei Sina auf der Beauty-Liege. Genau 40 Minuten dauert der Spaß zum neuen Wimpern-Klimpern.

Nach der eingehenden Beratung greift Sina zu den Pinzetten. Stück für Stück setzt sie per Spezialkleber die kleinen Kunsthärchen an. Dabei spreizt sie mit einer Pinzette die Wimpern leicht auseinander, um mit der anderen Pinzette freie Bahn zu haben. Pro Auge setzt Sina so 120 Stück, mit absolut ruhiger Hand.

Passend zum Gesicht von Dagmar haben die beiden Frauen sich für den „natürlichen look“ entschieden. Also keine übertrieben lange Glupschaugenwimpern.

,„Es hat sich auf alle Fälle gelohnt“, der erste Kommentar von Dagmar. Eigentlich der zweite. Denn nach Öffnung der Augen nach 40 Minuten und Blick in den Spiegel ist nur ein begeistertes „Wow“ zu hören – mit leichtem amerikanischen Akzent.

Hans-Helmut Herold

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