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Mauerwerk und Holzteile sollen weitgehend erhalten bleiben.

Sanierung

Schrimpf: Historische Bausubstanz freigelegt

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Mit der Sanierung der Schongauer Schrimpfhäuser geht es voran. Die Entkernungsarbeiten an den Häusern Marienplatz 10 und 12 sind abgeschlossen. Bauarbeiter legten alte Gewölbe und den Keller frei, der aus Zeiten der Stadtgründung stammen könnte, also Anfang des 13. Jahrhunderts.

Schongau– Über den Sommer hinweg war das Rückgebäude, der Altbau Ballenhausstraße 4, abgerissen worden, um für die Bauarbeiter einen großzügigen Zugang zur Großbaustelle in den beiden Schrimpfhäusern, Marienplatz 10 und 12 zu schaffen. Die Entkernungsarbeiten seien sehr aufwendig gewesen, so Gerd Böckle von der Immobilienfirma, die die beiden Häuser erworben hat. Somit können nun die Arbeiten im Innenbereich beginnen, die über den Winter vorgesehen sind. Insbesondere die Maurer- und Stahlbetonarbeiten, sowie Holzarbeiten in den beiden Häusern.

Baubegleitend betreibt die Stadt Schongau Bauforschungen, ist beispielsweise dabei, eine Holzalterbestimmung machen zu lassen, wie Franz Grundner vom Stadtarchiv verrät. Das Dach beider Häuser sei aus dem 18. Jahrhundert, sei vor rund 200 Jahren neu gemacht worden. Das Dachgebälk soll teilweise auch sichtbar bleiben. „Durch die Entkernung kommen nun die Feinheiten heraus“, so Grundner. Wände etwa, die vorher verkleidet waren, können nun ihre ältesten Geschichten erzählen. Teilweise wurden drei übereinanderliegende Fußböden entfernt – jetzt wird der ursprüngliche Zustand greifbar. „Und was man nicht weiß, sieht man nicht“, erklärt der Fachmann, dass man mit sachkundigem Blick durch die Baustelle gehen muss, um das alles richtig zu deuten.

Das Haus Nummer 10, die ehemalige Wirtschaft, vorher Brauerei, ist bereits entkernt. Ein erster Eindruck aus 12: sehr hohe Räume. „Es war ein eher herrschaftliches Gebäude“, so Grundner. Die Gebäude, zumindest die Keller, sind deutlich älter als die Dachstühle, worauf unter anderem das Kieselmauerwerk im Keller hinweise. Und ein direkter Zugang zum Marienplatz – ebenfalls vom Keller aus. „Im 15./16. Jahrhundert gab es das sicher nicht mehr, das könnte bis zu Zeiten der Stadtgründung zurückreichen“, so die erste Einschätzung Grundners. Kaufleuten hätten schon immer rund um den Marienplatz Häuser gehört, die dann immer wieder umgebaut, auch erhöht worden seien.

Die offene Verkaufsbank rechts vor der Eingangstüre von Marienplatz 12 lässt sich auf einem Votivtäfelchen wunderbar erkennen, das aus der Wallfahrtskirche Hl. Kreuz am Maxtor stammt, wie Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer berichtet. Im Vordergrund ist ein Verkehrsunfall am Marienplatz im Jahr 1691 zu sehen, Reiter unter Pferd begraben. Der Marienbrunnen war noch aus Holz (mit Beschlägen aus der Hammerschmiede Schwabsoien), der Platz war bereits gepflastert.

Bekannt ist über die Schrimpfhäuser vor allem einiges aus der jüngeren Geschichte. Marienplatz 12 war das königlich bayerische Forstamtsgebäude, in dem der königliche Forstmeister Franz Thoma residierte. Dessen Enkel war Schriftsteller Ludwig Thoma, die Tochter Franz Thomas die in Schongau gebürtige und berühmt gewordene „Tante Frieda“ von Ludwig Thoma.

1844 wurde das Haus an die Königliche Regierung von Oberbayern verkauft, von der es wiederum Franz Xaver Schrimpf 1885 erwarb, das Nebenhaus Marienplatz 10 mit Brauereirecht dann 1889. Der Sohn des Möbelfabrikanten, Richard Schrimpf, führte die beiden Häuser, Gasthaus und Brauerei, dann zusammen. Aus der Brauerei „Der alte Siebenhütter“ wurde „Zum Grünen Baum“. 1909 wurde dann die Gaststätte „Beim Schrimpf“ in „Bayerischer Löwe“ umbenannt. „Das Haus war immer voll, vor allem, wenn in Schongau Musterung fürs Militär war“, so Schmidbauer, der über die umtriebige Familie viel zu erzählen weiß. Nicht zuletzt verdankt das Schongauer Helgoland seinen Namen einem Preisausschreiben der Schrimpfs, dessen Gewinner bestimmt enttäuscht gewesen ist, als er nicht wirklich Helgoland besuchen durfte, sondern nur einen Holzstadel auf der Schongauer Anhöhe.

„So eine Sanierung ist etwas Sensationelles“, betont Böckle von der ICB Immobilien Consulting GmbH in Herrenberg. In den Häusern entstehen insgesamt drei Gewerbeeinheiten und 15 Wohnungen. „Wir wollen bis Sommer 2020 fertig sein.“

Mehr als die Hälfte der Wohnungen seien bereits verkauft, und zwar an Schongauer oder ehemalige Schongauer, die es wieder in ihre Stadt zurückziehe.

Sicher ist, dass in die Gewerberäume im Erdgeschoss eine Eisdiele zieht. Wer in die anderen beiden Gewerbeflächen – insgesamt 170 Quadratmeter – zieht, darüber könne man noch nichts verlauten lassen.

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