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Eine Schranke wird auch künftig bei UPM die Zufahrt Richtung Schloßberg versperren. Fußgänger können aber durch.

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Bei UPM müssen Radler künftig schieben

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Schongau - Nach jahrelangem Ringen ist die Wegeführung auf der Straße durch das UPM-Gelände Richtung Schloßberg endlich geklärt: Fußgänger dürfen auch weiterhin dort gehen, Radfahrer nicht – sie müssen absteigen. Das gilt auch für das restliche Gebiet, was bisher kaum einer wusste.

Bei der Mixtur aus alten Wegerechten, komplizierten Eigentumsverhältnissen und Fahrverboten konnte auch ein alter Verwaltungs-Fuchs wie Michael Wölfle vom Stadtbauamt noch etwas lernen. Denn die Situation war nicht einfach: Der schmale Gehweg liegt auf UPM-Grund, die Straße dagegen auf Schongauer Flur. Weil dort täglich bis zu 150 Lkw durchfahren, wollte UPM den Weg auch aus Sicherheitsgründen am liebsten ganz für die Öffentlichkeit schließen. Doch da spielte die Stadt nicht mit, schließlich ist die Friedrich-Haindl-Straße öffentlich gewidmet, also eine ganz normale Straße.

„Mit dem Fall hatte schon der damalige Bürgermeister Friedrich Zeller zu tun“, sagte der aktuelle Bürgermeister Falk Sluyterman mit Blick auf den jetzigen Stadtrat Zeller. Seit 2007 läuft die Diskussion, aber jetzt habe man „nach guter Zusammenarbeit mit UPM eine gute Lösung gefunden, mit der alle Beteiligten gut leben können“, sagte Sluyterman mit inflationärer Verwendung von „gut“.

Um die Lösung wird hart gerungen

Wölfle sprach von einem Kompromiss, und das trifft es wohl besser. Denn weder wird der Weg komplett gesperrt, was UPM wollte, noch werden die Fußgänger besser geschützt, wie es sich die Stadt eigentlich gewünscht hatte. Wie hart um die Lösung gerungen wurde, beweist schon die von Wölfle nebenbei eingeworfene Aussage, man habe sich mehrmals mit den UPM-Rechtsanwälten zusammengesetzt. Das beweist eine gewisse Brisanz.

Klar war für die Stadt, dass die Straße in ihrem Eigentum bleiben muss und eine vollständige Entwidmung nicht in Frage kommt. Das sei wegen der Anbindung zum Schloßberg und weiter nach Peiting wichtig. „Und sollte die Papierfabrik irgendwann schließen, könnte dort ein Gewerbegebiet entstehen“, sagte Wölfle. Da müsse man eine Zufahrt behalten. „Wir wissen ja nicht, was in 30 Jahren ist.“

Deshalb habe man UPM vorgeschlagen, einen Teil der Friedrich-Haindl-Straße zum Eigentümerweg abzustufen. „Das ist ähnlich wie ein beschränkt öffentlicher Weg, da sind die Grenzen fließend“, so Wölfle. Im März sei das Angebot von UPM akzeptiert worden. Der erste Teil von der Peitinger Straße wird aber ausgenommen. „Das hat den Vorteil, dass wir die deutsche Bahn nicht beteiligen müssen, was immer kompliziert ist“, so Wölfle. Außerdem habe UPM in dem Bereich Pläne eines Kreisverkehrs vorgelegt, es sei auch unklar, was mit den sanierungsbedürftigen Häusern passiere – deshalb sei dort die Beibehaltung eines öffentlichen Wegs sinnvoll. Die Absperrung, die UPM aber wegen der monatelangen Bauarbeiten aufgestellt und die die Stadt bis heute geduldet hat, kann aber stehen bleiben – vermutlich wird sie noch weiter nördlich zum Eingang verlegt. Autos von Grundstücksbesitzern, etwa Stadt und Staatsforst, dürfen aber weiterhin durchfahren, und Fußgänger haben wieder Zugang. „Radler müssen aber schieben, um die Sicherheit zu gewährleisten“, so Wölfle. Das gelte übrigens für alle Zugangswege rund um den Schloßberg: Überall hängen, zum Teil schon verwittert, Fahrverbotsschilder, die auch für Radfahrer gelten, an die sich aber keiner hält. Nur von Peitinger Seite ist seltsamerweise auf einem Stück radeln erlaubt, sagte Wölfle.

Kann man radeln in der Natur verbieten?

Allerdings habe das Landratsamt eingewandt, dass Radlern die Fahrt in die Natur nicht verboten werden könne. Wie das mit dem seit Jahrzehnten geltenden Fahrverbot zusammenpasst, weiß auch Wölfle noch nicht. „Das müssen wir mit der Straßenaufsichtsbehörde noch abklären“, sagte er.

Das ist aber die einzige Unklarheit. Ansonsten wird UPM als größter Nutzer auch die Straßenbaulast übernehmen. An der südlichen Zufahrt zum Schloßberg, wo derzeit noch ein provisorischer Bauzaun steht, soll laut Wölfle eine Schranke hinkommen. In dem Bereich muss auch ein Stück Privatweg zum Eigentümerweg umgewidmet werden, was wegen der neuen Wegführung wegen des Kraftwerksbaus notwendig wurde. „Ein guter Kompromiss“, lobte Zeller (SPD), „ich freue mich, dass eine Lösung gefunden wurde“, bewertete Michael Eberle (CSU) das Ergebnis, das einstimmig befürwortet wurde..

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