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Musikalischer Rollentausch

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Unter dem schlichten Titel „Frauen und Männer“ ging es um fremde Wesen und natürlich auch viele Klischees. © rwg

Was für ein grandioses Konzert! Unter dem schlichten Titel „Frauen und Männer“ präsentierte die Reihe Festlicher Sommer in der Wies am Sonntagabend ihre dritte Veranstaltung.

Schade, dass nur rund 50 Zuschauer nach Schongau gekommen waren, denn dieses Konzert der Münchner Gruppe „Ensemble Pathos“ hätte ein volles Haus verdient. Es war nämlich einmal etwas ganz anderes zu erleben. Wer meinte, das ewige Thema um den Unterschied von Mann und Frau, deren Probleme miteinander, sei ein alter Hut, lag richtig. Denn wie man während der zweistündigen Kurzweiligkeit aus Musik, Texten und Schauspielerei erfuhr, beschäftigten sich Komponisten und Dichter schon immer mit den zwiespältigen Gefühlen rund um die Thematik Verständnis zwischen Mann und Frau.

Und so durfte man mitreisen durch ein Stück Musikgeschichte von einem vertonten Text von Walter von der Vogelweide, über Klassiker wie Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart, Operettenmusik, Marylin Monroe war dabei, einem richtigen bayerischen Gstanzl vor der Pause, und auch Eigene Werke des Ensembles waren zu hören. Das ursprünglich 3-köpfige Ensemble mit Priska Eser (Sopran, Kontrabass, Flöte, Schlaginstrumente), Andreas Hirtreiter (Tenor, Kontrabass, Saxophon, Gitarre, Schlaginstrumente) und Max Hanft (Bariton, Klavier, Hackbrett, Schlaginstrumente), alle drei Mitglieder des BR-Chors, hatten für ihr neues Programm noch Theresa Blank (Alt, Gitarre, Flöte, Schlaginstrumente) und Stefan Reiser (Bass, Saxophone, Schlaginstrumente) mit ins Boot geholt. Eine gute Wahl, denn die fünf harmonierten hervorragend.

Nicht nur die Stimmen waren gut besetzt, es kamen auch diverse Musikinstrumente zum Einsatz. Und so war Vielfältigkeit vorprogrammiert. Die Künstler beherrschten ihr Metier und konnten locker noch kleine schauspielerische Einlagen liefern. So wie Andreas Hirtreiter, Moderator des Vergnügens, der das bekannte von Marilyn Monroe gehauchte Lied „I wanna be loved by you“ aus dem Film „Manche mögens heiß“ als Tony Curtis verkleidet sang, der in dem Film einen Musiker verkörperte.

So ging es hin und her mit dem „Rollentausch“. Don Giovanni war eine Frau (Theresa Blank) und verführte hier Don Antonio eigentlich Donna Anna (Andreas Hirtreiter). Kompliziert? Und wie! Genauso wie es eben so häufig ist zwischen Mann und Frau. Natürlich werden so einige Klischees aufgetischt. Aber so mancher Zuhörer, jedenfalls die männlichen, nickte mit dem Kopf, als nach der Pause die beiden Frauen nicht erschienen. „Man wartet halt immer auf sie“, seufzten die Männer auf der Bühne und brachten zur Überbrückung das Lied von dem „Tequilla“ mit einem grandiosen Saxophonspiel von Stefan Reiser. Auch Goethe befasste sich in Gedichtform durch die Blume gesprochen mit dem beiderseitigen Geschlecht. Nach Vertonungen von Franz Schubert und Mozart erschien das Heideröslein ein wenig zickig und pieksig, und ach, das arme Veilchen, ein schmachtendes männliches Wesen, wird gar zertreten von einer schönen Schäferin und zeigt masochistische Züge, da es nun doch wenigstens einmal berührt wurde von der Angebeteten. Herrlich!

Zum Schluss sangen Mann und Frau wechselweise ein wenig jazzig von den Aliens, die unsere Erde bevölkert haben und eine fremde Sprache sprechen, obwohl sie so ähnlich wie die eigene klingt. „Das fremde Wesen vom anderen Stern, ist mir so fremd – doch ich hab es gern“, hörte man da unisono. Eine Zugabe wurde zu Recht erklatscht. Man durfte noch einmal „Frauen – und Manneszierde“ von Walter von der Vogelweide hören. 

Regina Wahl-Geiger

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