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Dana Walter kümmert sich darum, dass ihr Kind zur Schule kommt.

Grundschüler aus Schongau

Mutter kämpft für autistischen Sohn

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Maikel (10) aus Schongau geht in die Grundschule Forst. Er ist Autist und braucht eine Schulbegleitung. Doch das Jugendamt hat die Stunden gekürzt. Die Mutter kämpft dagegen an.

Schongau/Forst – Dana Walter ist verzweifelt: Seit zwei Wochen sind für ihren autistischen Sohn die Schulbegleiter-Stunden drastisch reduziert. Und jetzt muss sich die Schongauerin einer Operation unterziehen. Letzte Hoffnung ist ein Eilantrag beim Verwaltungsgericht. 

„Das Jugendamt darf mir meinen Schulbegleiter nicht nehmen! Ich will auch in Ruhe lernen dürfen!“ Dieser Hilferuf stammt von dem Schongauer Buben Maikel (10). Maikel besucht die vierte Klasse der Grundschule in Forst. Warum er nicht mehr die Grundschule in Schongau besuchen kann: Laut Mutter Dana Walter wurde er dort massiv gemobbt. Aufgenommen wurde der Bub vor einem Jahr in der kleinen Grundschule in Forst. „Ein Glücksfall“, sagt die Mutter. „Er ist dort froh und glücklich.“ Maikel habe sich stabilisiert, habe Freunde gefunden, gehe wieder gern zur Schule. Seine große Stütze während des Unterrichts: eine Schulbegleiterin.

Zum Halbjahr kam jetzt die Hiobsbotschaft: Das Jugendamt Schongau kürzte die Stunden der Schulbegleiterin auf zehn Wochenstunden. Seit zwei Wochen ist Maikel also an drei Tagen allein in Forst. „Es ist eine Katastrophe“, sagt die Mutter. Laut Walter sind sich Schule, Ärzte wie auch Fachstellen einig. Die aktuelle Stellungnahme etwa des Mobilen Sonderpädagogischen Dienstes (MSD) der Regierung von Oberbayern ist absolut eindeutig: „Ein Integrationshelfer ist im vollen Unterrichtsstundenmaß dringend erforderlich.“

Da das Jugendamt dennoch an der Stundenreduzierung der Schulbegleiterin festhalten will, schaltete Walter einen Anwalt ein. Patrick Beausencourt aus Weilheim stellte einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht. Die Entscheidung steht aus, die Zeit drängt. Dass das Gericht für Maikel entscheiden wird, daran lässt der Anwalt keine Zweifel. Zwar sei der Ermessensspielraum der Jugendämter laut Rechtsprechung relativ groß, aber alle Stellungnahmen eindeutig. „Das Jugendamt hat seinen Rahmen verlassen“, so Beausencourt. Seitens des Jugendamtes gibt es hierzu derzeit keine Stellungnahme. „Wir warten die Gerichtsentscheidung ab“, so Hans Rehbehn, Pressesprecher im Landratsamt.

Seit Maikel die Schule in Forst besucht, kümmert sich die Mutter selbst darum, dass das Kind zur Schule kommt. Sie fährt ihn täglich. Kostenübernahme? Bisher Fehlanzeige. Keiner will laut Dana Walter zuständig sein: Das Landratsamt nicht, die Stadt Schongau nicht. „Ich würde ganz gern wieder meine Arbeit aufnehmen, kann ich derzeit nicht, weil mir vormittags zu wenig Zeit bleibt“, sagt die Altenpflegerin.

Würde Maikel beispielsweise das Sonderpädagogische Förderzentrum in Altenstadt besuchen, stünde täglich ein Kleinbus vor der Tür. Aber: Maikel ist intelligent, der IQ kurz unterhalb der Hochbegabtengrenze. Ab Herbst kann er, mit Schulbegleiter, eine weiterführende Schule besuchen. Die Realschule in Schongau kommt aufgrund ihrer Größe nicht in Betracht, Maikel braucht einen kleinen, behüteten Rahmen. Die täglichen Fahrten kann die Mutter zeitlich nicht mehr übernehmen, von den Kosten ganz zu schweigen.

Nun hat Dana Walter eine Operation vor sich. Bis jetzt wusste sie nicht, wie ihr Kind in den kommenden zwei Wochen nach Forst in die Schule kommt. Obwohl die AOK davon ausgeht, dass die Beförderung zur Schule während des Krankenhausaufenthalts Sache eines Trägers der Eingliederungshilfe wie dem Jugendamt ist, „übernehmen wir zunächst unbürokratisch die Kosten“, so Pressereferent Steffen Habit.

Angesichts ihrer eigenen Erfahrung will Dana Walter einen Verein gründen. Zielgruppe sind vorrangig Eltern mit autistischen Kindern oder/und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung). Melden können sich aber auch Helfer, Fachkräfte und Ehrenamtliche. Kontakt: Tel. 0151/40055538.

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