Überraschung nach Sitzung

Nach 40 Jahren Schongauer Stadtrat: Paul Huber hört auf

  • schließen

Mit einem Paukenschlag endete die jüngste Schongauer Stadtratssitzung: Paul Huber (CSU), langjähriger Vize-Bürgermeister, legt nach 40 Jahren sein Stadtrats-Mandat nieder. Über die Gründe wollte er nicht viel sagen – er fühlte sich einfach nicht mehr wohl, so merkwürdig das klingt.

Schongau – „Ich lege mein Mandat zum 30. April nieder. Die Teilnahme an den Sitzungen fällt mir zunehmend schwer. Für die Stadt wünsche ich mir, dass allgemein gute Entscheidungen getroffen werden.“ Diese drei dürren Sätze waren alles, was Paul Huber von seinem Zettel am Sitzungsende ablas. Auf die Frage von Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD), „ich hoffe, es liegt nicht nur an mir“, antwortete Huber: „Es gibt keinen Grund, aber am 30. April sind es genau 40 Jahre, dass ich dabei bin.“

Auf SN-Nachfrage verriet der 68-Jährige in seiner hintersinnigen Art, dass er sich nicht mehr wohlgefühlt hat – sowohl im Stadtrat, aber auch allgemein. „Man wird älter und hat nicht mehr die Interessen wie die anderen, die noch arbeiten“, sagte er. Er komme als Mathematiker und Programmierer aus einem Beruf, bei dem es genau zugehen muss, und da sah er sich offenbar fehl am Platze. Ist das leise Kritik an der Arbeit des Stadtrats, auch an seiner eigenen Partei, wo er sich über Angela Merkels „postfaktisch“ aufregt, wo also Gefühle mehr zählen als Fakten? „Klar, sonst hätte ich nicht so oft dagegen gestimmt“, sagt Huber. „Da passt der Stadtrat zur Gesellschaft. Aber ich passe nicht mehr dazu.“

Damit endet eine große politische Karriere, der ein Höhepunkt verwehrt geblieben ist. 2002 kandidierte er gegen den damaligen Bürgermeister Friedrich Zeller und verlor deutlich mit 20 Prozent Stimmenunterschied. Trösten konnte er sich mit dem Amt des Vize-Bürgermeisters, das er so lange ausübte wie kein anderer: Schon vor seiner Bürgermeister-Kandidatur war er der zweite Mann hinter Zeller, blieb es danach und übte den Posten auch unter Karl-Heinz Gerbl aus, insgesamt 18 Jahre. Zur Wahl 2014 wollte er eigentlich gar nicht mehr antreten, ließ sich überreden, wurde auf den letzten Platz gesetzt („der ist immer gefährlich, darum wollte ich da gar nicht hin“) – und wurde prompt wieder gewählt.

Immer wieder hat Huber zum Teil einsam seine oft abweichende Meinung verteidigt, doch man merkte ihm an, dass er sich nach dem Ausscheiden der Altersgenossen Helmut Schmidbauer und Peter Blüml als alleiniger Grandseigneur der CSU nicht mehr wohl fühlte. Für ihn rückt ein junger Mann nach: Peter Bommersbach (38), der nach eigenen Angaben keinesfalls überrascht von Hubers Rückzug war: „Ich habe mir das schon gedacht.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Handel-Resolution: Rottenbuch ziert sich
Rottenbuch will sich noch nicht auf eine gemeinsame Linie von sieben Kommunen bei der Nahversorgung einlassen. Der Gemeinderat wartet bei einer Resolution zur Ansiedlung …
Handel-Resolution: Rottenbuch ziert sich
Die Umsetzung von IKEK beginnt
Die ersten Beschlüsse zur Umsetzung einer interkommunalen Sanierungsberatung sind gefallen: Die Gemeinden Prem, Wildsteig und Steingaden haben in den vergangenen Wochen …
Die Umsetzung von IKEK beginnt
Für Radler: Viele Ideen in Planung
Das Augenmerk stärker auf die Radfahrer zu legen, erst Recht bei der Neuplanung des Kreisverkehrs an der Marktoberdorfer Straße – diese Forderung wurde in der jüngsten …
Für Radler: Viele Ideen in Planung
Abgeschaffte Strabs sorgt weiter für Ärger
Der Protest gegen die Straßenausbau-Beitragssatzung (Strabs) war erfolgreich. Die umstrittene Abgabe ist mittlerweile rückwirkend zum Jahresbeginn abgeschafft. Doch der …
Abgeschaffte Strabs sorgt weiter für Ärger

Kommentare