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Michael Eberle (l.) tritt aus gesundheitlichen Gründen aus dem Stadtrat zurück. Rechts CSU-Ortsvorsitzender Dr. Oliver Kellermann.

22 Jahre im Gremium

Nach Herzinfarkt: Michael Eberle tritt aus Schongauer Stadtrat zurück

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Völlig überraschend hat Michael Eberle, langjähriger CSU-Fraktionschef im Schongauer Stadtrat, sein Mandat niedergelegt – aus gesundheitlichen Gründen: Der 51-Jährige hatte im Sommerurlaub in Italien einen Herzinfarkt erlitten.

Schongau – Bald steht die dreiwöchige Reha an, doch wenn sich Michael Eberle an die dramatischen Momente im Toskana-Urlaub Ende August zurückerinnert, wird er nachdenklich: „Die Ärzte haben gesagt, es war knapp“, berichtet Eberle. Er war mit seiner Frau per Rad zum Strand gefahren und fühlte sich schon ungewohnt kurzatmig, was sich später im Wasser noch verstärkte. Seine Frau merkte schnell, dass etwas nicht stimmte, und alarmierte einen Notarzt, der Eberle auf der Straße statt im Hubschrauber ins 100 Kilometer entfernte Livorno transportierte. Durch die viele Zeit sei die Situation kritisch geworden, so Eberle.

Sechs Tage lag er dort im Krankenhaus, ehe er auf eigenen Wunsch die Klinik in Livorno verließ und sich nach der Rückkehr noch zwei Tage ins Weilheimer Krankenhaus begab. Dort schrieb er vergangene Woche per Mail seine CSU-Parteikollegen an und informierte sie über seinen Zustand und den Rücktritt. „Ich rauche nicht und trinke kaum Alkohol, deshalb bleiben als Risikofaktoren nur mein Gewicht und Stress übrig.“ An Ersterem könne er arbeiten, doch Stress habe er als Leiter des Landsberger Amtsgerichts genug – deshalb müsse er anderswo kürzertreten, und das sei notgedrungen die Stadtratsarbeit.

Mit Leidenschaft hatte er sich in Diskussionen geworfen, war in den zehn Jahren als Fraktionschef stets Wortführer seiner Partei und führte zahlreiche Rededuelle mit Stadräten anderer Parteien und den jeweiligen Bürgermeistern. Zwischenzeitlich hatte Eberle auch den CSU-Ortsvorsitz inne, den er aber wegen zu viel Arbeit aufgab und sich nur noch auf den Stadtrat konzentrieren wollte. Damit ist es jetzt vorbei. „Ich habe es mit Leib und Seele gemacht, doch wenn es um das Leben geht, hilft einem das nichts“, musste er anerkennen.

Anders als der vor einigen Monaten zurückgetreten Fraktionskollege Paul Huber habe Eberle keinen Frust verspürt, doch seien die Spielräume im Stadtrat zuletzt immer enger geworden: „Wegen der vielen Vorgaben von Ämtern, Behörden und Gutachten konnte man nicht mehr so entscheiden, wie es früher der Fall war“, merkte er kritisch an. Wenn in der Stadtratssitzung am kommenden Dienstag über seinen Rückzug entschieden wird, wird Eberle nicht mehr im Sitzungssaal sein – das Ende kommt so abrupt wie schnell.

Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) hatte vergangenen Sonntag von Eberles Herzinfarkt erfahren, als der Bundestagsabgeordnete Alexander Dobrindt darüber beim Besuch von Gesundheitsminister Jens Spahn im Volksfest-Zelt sprach und er Eberle öffentlich gute Besserung ausrichten ließ. „Als ich danach noch kurz ins Büro bin, lag das Rücktrittsgesuch von Eberle schon in der Post“, sagte Sluyterman. Er habe volles Verständnis, weil Gesundheit immer an erster Stelle stehe, bedauere aber den Rückzug: „Auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren, war Eberle ein fleißiger, erfahrener und kompetenter Stadtrat. Sein Rückzug ist ein Verlust für das gesamte Gremium, nicht nur für die CSU.“

Die ist in absoluter Schockstarre, wie Ortsvorsitzender Dr. Oliver Kellermann zugibt. „Das ist brutal und trifft uns richtig“, sagt er über Eberles Rückzug, den er natürlich nachvollziehen kann. Doch die Lücke des redegewandten Juristen zu füllen, sei schwierig. Als Nachrücker für Eberle steht Thomas Schleich parat, nachdem die vor ihm platzierten Robert Seitz und auch für Kellermann überraschend Rosemarie Wölfle abgesagt hatten. Doch wer neue Frontfigur im Stadtrat wird, ist noch unklar.

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