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An der markierten Stelle passierte der Unfall, als die Urlauberin vom nördlichen Parkplatz aus verbote nerweise wenden und zurück über die Lechtalbrücke Richtung Peiting fahren wollte. Gut zu sehen: Die Ein- und Ausfahrten sind breit, das Wenden wird durch die Örtlichkeiten nicht erschwert. Auch die Mittellinie ist nicht durchgezogen.

21-Jähriger weiter in Lebensgefahr

Nach Horror-Unfall an Lechtalbrücke: Bauamt prüft bauliche Maßnahmen

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Es sollte ein Ausflug in den Schongauer Märchenwald werden, doch der Fahrfehler einer Urlauberin (70) stürzte einen 21-jährigen Peitinger ins Unglück: Beim Wenden auf der B17 übersah sie den jungen Motorradfahrer, der weiter um sein Leben kämpft. Das Staatliche Bauamt Weilheim will jetzt bauliche Veränderungen an der Stelle prüfen.

Schongau – Der Gutachter war bis abends an der Unfallstelle, um den Unfallhergang rekonstruieren zu können, zusätzliche Erkenntnisse hat die Polizei bisher jedoch nicht. Der Motorradfahrer, ein 21-jähriger Peitinger, der seit zwei Jahren in Augsburg wohnt, war Richtung Schongau unterwegs. Kurz nach der Lechtalbrücke knallte er mit hoher Geschwindigkeit – an dieser Stelle gibt es keine Geschwindigkeitsbegrenzung, 100 km/h sind also erlaubt – in den Skoda der Familie aus Hessen. Eine Chance zu reagieren hatte er wohl nicht. Zwar leitete er laut Polizei ein Bremsmanöver ein, doch er prallte dennoch mit so großer Wucht gegen das Auto, dass sich dieses um 180 Grad drehte. Das Motorrad wurde weit durch die Luft neben die Straße ins Gebüsch katapultiert. Der Peitinger kam erst 70 Meter vom Unfallort entfernt zum Liegen. Der junge Mann wurde vom Hubschrauber mit lebensgefährlichen Verletzungen – ihm wurde unter anderem eine Hand abgetrennt – nach Murnau gebracht. Laut Aussage der Polizei hat sich sein gesundheitlicher Zustand nicht gebessert.

Auch zwei Kinder saßen im Wagen der Unfallverursacherin

Der Unfall passierte aufgrund einer Fehlentscheidung, weil die 70-Jährige aus Hessen wenden wollte. Sie hatte die Ausfahrt Peiting verpasst und wollte vom rechten Parkplatz nach der Lechbrücke aus wieder zurück Richtung Peiting fahren. Die Familie macht derzeit Urlaub im Tannheimer Tal und hatte einen Abstecher in den Schongauer Märchenwald geplant. Im Wagen saßen noch Tochter (44) und zwei Enkelkinder, ein 14-jähriges Mädchen und ein 9-jähriger Bub.

Auch die Autoinsassen wurden durch den Aufprall verletzt: Die Fahrerin trug eine Schnittwunde davon, die Beifahrerin klagte über Rückenschmerzen, der Junge erlitt eine Prellung am Unterarm und das Mädchen vermutlich eine kleine Lungenquetschung durch den Gurt. Die Mutter und ihr Sohn konnten das Krankenhaus Schongau bereits am Mittwoch verlassen, Oma und Enkelin sollten gestern entlassen werden. Wie die Polizei berichtet, entstand an beiden Fahrzeugen Totalschaden. Dieser wird mit 10 000 Euro angegeben.

Zum Unfallort war ein Großaufgebot an Rettungskräften gerufen worden, auch die Feuerwehren aus Schongau und Altenstadt. Von dem Unfall gegen 16 Uhr bei der Lechbrücke hatten am Mittwochnachmittag zunächst die wenigsten mitbekommen, die Auswirkungen der Straßen-Vollsperrung in diesem Bereich führte dann jedoch zu einem Chaos, vor allem im Feierabendverkehr. Erst nach knapp vier Stunden, gegen 19.45 Uhr, konnte die B 17 wieder freigegeben werden. Alle Fahrzeuge, die Richtung Norden fahren wollten, mussten umkehren, konnten den Grünstreifen nutzen, um Richtung Peiting zurückzufahren. Aus Richtung Schongau standen vor allem Lkw, die dann einspurig in Schrittgeschwindigkeit in Richtung Peiting an der Unfallstelle vorbeigeleitet wurden.

Verkehrschaos in Schongau und Peiting

Problematisch wurde es auf allen anderen Straßen, da der Verkehr, der sonst über die Umgehung läuft, komplett quer durch Peiting und die Stadt Schongau geleitet werden musste. Die Feuerwehren – laut Johann Deschler (Altenstadt), der sich mit Robert Wölfle (Schongau) die Einsatzleitung teilte, insgesamt knapp 40 Mann – hatten alle Hände voll zu tun. Bei der Umleitung halfen auch die Peitinger Feuerwehrler, die nur 15 Minuten nach der ersten Alarmierung mit zwölf Kräften als Unterstützung hinzugerufen worden waren. Teilweise ging für die Autofahrer von Peiting in Richtung Schongau – und umgekehrt – eine Stunde lang nichts mehr vorwärts.

So schrecklich der Unfall auch ist – die Lechtalbrücke zwischen Schongau und Peiting ist bisher kein Unfallschwerpunkt. Dies bestätigt sowohl Udo Mewes von der Schongauer Polizei als auch Uwe Fritsch, Leiter des Staatlichen Bauamtes in Weilheim. Mewes hat heuer noch keinen einzigen Unfall beim Parkplatz registriert und für das gesamte Jahr 2016 in diesem Bereich nur fünf Unfälle in seinem Computer, davon drei Kleinunfälle, und nichts mit schweren Verletzungen. Die Fahrtrichtung vom Parkplatz aus sei klar mit einem Schild geregelt – dort darf man nur nach rechts abbiegen, damit auch die Fahrbahn nicht queren. Mewes: „Der Bereich ist völlig übersichtlich, die Strecke schnurgerad – es ist in Ordnung, wenn man seine Sorgfaltspflicht entsprechend wahrnimmt.“ 

Es wird oft viel zu schnell gefahren

Regelungen sind aber nicht alles, das betont auch Mewes: „Was die menschliche Seite betrifft, da muss sich jeder an die eigene Nase fassen.“ Und die erst vor eineinhalb Monaten unternommene Geschwindigkeitsmessung bei der Lechtalbrücke zeige deutlich: Es wird zu schnell gefahren, auch weit über 100 Stundenkilometer. Allerdings bremsen wohl tagsüber die Lkw, die auch gerne nicht erlaubte 80 Stundenkilometer fahren, die Autos aus. Regelmäßig gibt es auch eine Verkehrsschau, bei der neben der Polizei Vertreter von Staatlichem Bauamt Weilheim und Landratsamt Weilheim-Schongau dabei sind. Der neue Leiter des Bauamtes betont, dass die Lechtalbrücke bei der nächsten Verkehrsschau in jedem Fall mit berücksichtigt werde. Dies sei bei Unfällen mit schweren Verletzungen eigentlich immer der Fall – auch wenn sich dort bisher kein Unfallschwerpunkt ergeben hätte. „Wir hinterfragen, ob es Verbesserungsmöglichkeiten gibt, ob baulich etwas verändert werden kann“, so Fritsch. Es gelte der Grundsatz, die Straßen sicherer zu machen, und man dürfe auch ohne Unfallhäufung tätig werden. 

Feuerwehrkommandant fordert Sofortmaßnahmen

Werner Berchtold, Kommandant der Schongauer Feuerwehr, sieht dagegen sofortigen Handlungsbedarf: „Wenn man all die Jahre zurückblickt, sind dort immer wieder schwere Unfälle passiert. Ich warte nur auf einen sauberen Schepperer auf der Lechtalbrücke.“ Was Berchtold angesichts der erlaubten 100 Stundenkilometer in diesem Bereich wundert, ist ein fehlendes Überholverbot: „Und zwar brauchen wir eine durchgezogene Linie, nicht nur ein Schild.“ Er erklärt auch warum: Ab der Lechtalbrücke werde gerne überholt – die Strecke ist frei und übersichtlich. Wer aber den Parkplatz Lechtalbrücke nutze, würde beim Ausfahren eher auf den rückwärtigen Verkehr achten – und übersieht dann überholende Fahrzeuge. Berchtold: „Jeder kann von dort Geschichten erzählen. Man muss sich nur mal eine Stunde auf den Parkplatz setzen und das beobachten.

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