Tempo 30-Schild an der Peitinger Straße in Schongau
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Im März wurden die Schilder an der Peitinger Straße ausgetauscht. Nun gilt die Geschwindigkeitsbeschränkung nur bei Nässe. Davor galt Tempo 30 bei jeder Witterung; mit dem Hinweis auf die Spurrinnen.

Staatliches Bauamt tauscht Schilder aus

Nach Kritik der Polizei: Tempo 30 gilt auf der Peitinger Straße in Schongau nur noch bei Nässe

  • Jörg von Rohland
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Mit 50 Sachen dürfen die Autofahrer in Schongau nun wieder von der Lech- zur Mühlkanalbrücke brausen. Tempo 30 gilt auf der Peitinger Straße ab sofort nur noch bei Nässe. Der Grund: Bei Trockenheit stellen die Spurrinnen offensichtlich keine Gefahr für den Verkehr dar. Das Staatliche Bauamt findet es trotzdem „schade“.

Schongau – Glücklich wirkte Peter Reichert aus dem Staatlichen Bauamt zuletzt nicht gerade über seine Entscheidung, das Tempolimit auf der Peitinger Straße in Schongau aufzuweichen. Wie berichtet, waren die 30er-Schilder mit dem Hinweis „Spurrinnen“ erst im November vergangenen Jahres aufgestellt worden. Mittlerweile wurde der Hinweis entfernt und durch die Einschränkung „bei Nässe“ ersetzt. Bei schönem Wetter darf zwischen Lech- und Mühlkanalbrücke also wieder Gas gegeben werden.

Kaum jemand hielt sich an Tempo 30, und die Polizei kontrollierte auch nicht

Peter Reichert hatte sich als Verantwortlicher selbst natürlich strikt an das Tempolimit gehalten. Dabei war ihm allerdings nicht entgangen, dass sich die vor ihm fahrenden Autos rasch entfernten. Sie interessierten sich nicht für die Geschwindigkeitsbegrenzung. Erschwerend kam für das Bauamt hinzu, dass es die Polizei nicht für notwendig erachtete, das Tempolimit zu überwachen. Die Rechtslage sei nicht hundertprozentig klar gewesen, nennt der in Schongau für den Verkehr zuständige Polizist Stefan Müller den Grund. Wie zu hören ist, war es dann auch die Polizei, die die Verantwortlichen im Staatlichen Bauamt zum Umdenken bewegte. Denn den Autofahrern war es schwer zu vermitteln, warum sie selbst bei schönstem Wetter in den Spurrinnen den Fuß vom Gas nehmen sollten.

Seit November galt zwischen Mühlkanal- und Lechbrücke grundsätzlich Tempo 30. Kontrollen gab es durch die Polizei aber keine.

Die Polizisten stellten ihre Messgeräte dann auch erst auf, nachdem die Schilder Mitte März ummontiert waren. Laut Müller wurde der Verkehr am 22. März bei Trockenheit kontrolliert. Der Schnellste war mit satten 71 Stundenkilometern unterwegs. Abzüglich der Toleranz sei das aber noch im Verwarnungsbereich angesiedelt, erläutert der Polizist. Der Autofahrer durfte seinen Führerschein also behalten und musste nur ein Bußgeld bezahlen.

Staatliches Bauamt fürchtete Niederlage vor Gericht

Hätte dagegen noch die alte Spurrinnen-Regelung ihre Gültigkeit gehabt, wäre der Betroffene seinen Führerschein losgewesen. Und Peter Reichert aus dem Staatlichen Bauamt geht davon aus, dass dann der Ärger erst richtig losgegangen wäre. „Wer seinen Führerschein verliert, der treibt’s bis zum Ende, da wird gekämpft“, meint Reichert, der mit Klagen rechnete. Und die Position des Staatlichen Bauamts vor dem Richter wäre seiner Meinung nach alles andere als rosig gewesen: „Unterm Strich wären wir durchgefallen“, glaubt Reichert. Das Prozedere durchzuspielen, „dem bin ich aus dem Weg gegangen“.

Auch wer 50 fährt, ist nicht viel schneller am Ziel

Der für die bestehenden Straßen im Landkreis zuständige Mitarbeiter des Staatlichen Bauamts findet es trotzdem „grundsätzlich schade, dass die Akzeptanz für so etwas fehlt“. Ihm zufolge spielt es nämlich keine Rolle, ob in Schongau zwischen den beiden Brücken mit Tempo 30 oder 50 gefahren wird: „Spätestens in Peiting sieht man sich wieder.“

In einem Jahr wird sich darüber niemand mehr Gedanken machen müssen. Die Peitinger Straße wird im Frühjahr 2022 saniert. Danach sind Spurrinnen und Tempolimit Geschichte.

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