Bei der Kollision mit dem Zug hat sich die Ladung des Lasters auf den Schienen verteilt. 

An unbeschranktem Bahnübergang

Nach Lkw-Unfall: „Im Zweifelsfall gewinnt immer der Zug“

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Einen Tag nach dem Unfall am Schongauer Bahnübergang bei UPM zeigen sich alle erleichtert darüber, dass es nur Leichtverletzte gab. Groß ist das Lob für das Zusammenspiel aller Rettungskräfte. Kurz nach 21 Uhr wurde die Strecke wieder freigegeben. Nicht nur in Richtung des unaufmerksamen Lkw-Fahrers geht die BRB-Warnung: „Im Zweifelsfall gewinnt immer der Zug.“

Schongau – „Ist so ein Zug erst einmal in Fahrt und ist die Strecke schwer einzusehen, kriegt er das nie gebremst.“ Christopher Raabe, Pressesprecher bei der Bayerischen Regiobahn (BRB), bedauert den Unfall in Schongau und wirbt noch einmal bei allen Verkehrsteilnehmern für erhöhte Vorsicht an Bahnübergängen. Wie groß die Kräfte waren, die selbst bei der noch so geringen Geschwindigkeit des Triebwagens beim Aufprall wirkten, zeigen die Bilder des völlig demolierten und zerfetzten Aufliegers. Der 44-jährige Lkw-Fahrer war bei Rot über den unbeschrankten Bahnübergang beim UPM-Werk gefahren, woraufhin der BRB-Triebwagen, der nur kurz vorher am Schongauer Bahnhof gestartet war, trotz Vollbremsung in den Lkw geknallt war.

Der Fahrer, ein bulgarischer Staatsangehöriger in einem in Rumänien zugelassenen Lastwagen, blieb unverletzt. Er war von einem anderen Lkw-Fahrer gewarnt worden, hatte auch noch Gas gegeben, als er den Zug nahen sah, und schaffte es noch, sich selbst und die Zugmaschine über die Gleise zu bringen. Der Triebwagen rammte dann aber den mit Schredderpapier und Zeitungsbündeln beladenen Auflieger.

Jeder Bahnübergang-Unfall ist einer zu viel

Der Triebfahrzeugführer sowie 17 Passagiere wurden leicht verletzt, insgesamt waren 88 Passagiere an Bord. Raabe: „Gott sei Dank passiert immer weniger an Bahnübergängen, aber jeder Unfall dort ist einer zuviel.“ Wie hoch der Schaden für die BRB ist, konnte Raabe noch nicht beziffern. Die Polizei geht von einem Gesamtschaden, auch am Lastwagen, von rund 120 000 Euro aus.

Dass der Lkw-Fahrer aus Unachtsamkeit das Warnsignal übersehen hatte, steht für die Polizei außer Zweifel. „Der Fahrer hat angegeben, dass er sich auf das vor ihm liegende Firmengelände konzentriert hat“, so Max Stemmler von der Polizeiinspektion in Schongau. Auf den Bulgaren, der eine Sicherheitsleistung hinterlegen musste, wartet ein Strafverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Für die entstandenen Schäden muss die Versicherung der rumänischen Spedition aufkommen.

Bis gegen 23.45 Uhr seien die Kollegen der Polizei vor Ort gewesen, berichtet Stemmler. Die Bergung des Aufliegers war recht zeitintensiv. Per Kran wurde er auf einen Tieflader des Landsberger Unternehmens Kemény gehievt und abtransportiert.

Großeinsatz für die Rettungskräfte

Alle Hände voll zu tun hatten nach der Alarmierung gegen 16 Uhr die 112 Einsatzkräfte der Feuerwehren, die 52 Mitglieder des Rettungsdienstes sowie Kräfte des THW. Auch die Werksfeuerwehr von UPM unterstützte die Kollegen. Zum Einsatz kamen auch Gerätschaften des Schongauer Papierherstellers wie Ballenstapler und Radlader, vor allem, um die öffentliche Straße vor dem Werksgelände und die Bahnstrecke so rasch wie möglich wieder freizubekommen.

Zwar sei man nicht direkt betroffen und in den vergangenen Jahrzehnten sei dort nie etwas passiert, aber ein unbeschränkter Bahnübergang berge immer gewisse Gefahren, so der Schongauer UPM-Werksleiter Wolfgang Ohnesorg. „Wir werden unsere Mitarbeiter, die den Bahnübergang nutzen, sensibilisieren, das rote Licht nicht zu missachten“, kündigte Ohnesorg an. Weitere Maßnahmen werde es aber nicht geben.

Eine Stunde später als zunächst von der DB eingeschätzt – nach 21 Uhr – lief der Zugverkehr in Richtung Schongau wieder reibungslos. Die Strecke war direkt nach dem Unfall ab Peißenberg gesperrt worden. Die BRB hatte recht schnell einen Schienenersatzverkehr einrichten können, vier Busse pendelten zwischen Schongau und Peißenberg hin und her. Durch den Unfall kurz vor dem Feierabendverkehr kam es in Schongau teils zu erheblichen Staus, die Straße Richtung Peiting wurde gegen 18 Uhr wieder freigegeben. Wie auch schon am Vortag seitens der beteiligten Rettungskräfte angeklungen war, zieht auch die Polizei insgesamt eine absolut positive Bilanz. Stemmler: „Es ist alles gut über die Bühne gegangen – gut zu wissen.“

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