+
Behördenleiter willmoderne Kreuze Dieses Kreuz hängt im Amtszimmer von Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman. 

Nach Söder-Erlass

Staatliches Bauamt muss elf Kreuze kaufen

  • schließen
  • Elke Robert
    Elke Robert
    schließen

Im Eingangsbereich von staatlichen Gebäuden sollen ab 1. Juni Kruzifixe hängen. Wie kommt diese neue Regelung im Landkreis Weilheim-Schongau an? Wir haben nachgefragt.

Weilheim-Schongau – Uwe Fritsch, Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim, ist unmittelbar von der Ministerratsentscheidung betroffen, dass in allen Gebäuden von Landesbehörden im Eingangsbereich ein Kreuz angebracht werden muss. Eine entsprechende E-Mail aus dem Ministerium für Wohnen, Bau und Verkehr hat er bereits erhalten. Für elf Gebäude der Behörde muss nun bis zum 30. Mai je ein Kruzifix angeschafft werden: für drei Dienstgebäude in Weilheim und für eines in Landsberg genauso wie für sieben Straßenmeistereien.

Fritsch will die Neuerung „nicht wirklich beurteilen“, sagt jedoch, dass er ihr als Privatmann positiv gegenübersteht. „Es gibt aber sicher viele, denen sie nicht passt“, vermutet er.

Die elf Kreuze, die das Bauamt kaufen muss, sollen laut Fritsch ein einheitliches Design haben. „Ich habe eher an was Modernes – vielleicht aus Metall – gedacht“, so der Behördenleiter, der auf eine ansprechende Optik der Kruzifixe achten möchte. Die Finanzierung der Kreuze sei kein Problem, das Geld könne aus dem Budget entnommen werden, das das Bauamt für Einrichtungsgegenstände zur Verfügung hat.

Doch was ist mit den kommunalen Behörden wie Gemeinden und Landkreise? „Denen wird die Anwendung der Geschäftsordnung für die Freistaats-Behörden lediglich empfohlen“, weiß Stefan Kort, Geschäftsstellenleiter der Marktgemeinde Peiting. Im Peitinger Rathaus hängen zumindest zwei Kreuze, nämlich im Büro des Bürgermeisters sowie vor dem Eingang zum Trauungszimmer. Auch im gemeindlichen Birkländer Kindergarten hängt ein Kreuz, das nach Korts Auskunft noch aus der Zeit des Gebäudes als Schule stammt. Und im Therese-Peter-Haus für Kinder hängt ebenfalls eines im Eingangsbereich. Im Rathauskindergarten hängt bis dato noch kein Kreuz an der Wand, sondern steht auf einem Schrank.

Eine große Debatte über ein Kreuz in Bayerns Amtsstuben wird Ministerpräsident Markus Söder in Schongau wohl nicht auslösen. Wie Bettina Schade, Geschäftsleiterin der Stadt, zusammenfasst, ist sowohl eines im Rathaussaal zu finden als auch in der Amtsstube von Bürgermeister Falk Sluyterman. Letzteres hängt dort noch aus der Zeit von Amtsvorgänger Karl-Heinz Gerbl. „Ich habe es gerne in meinem Amtszimmer. Ich bin selbst evangelisch. Für mich ist das Kreuz aber ohnehin weit mehr als ein christliches Symbol, es steht auch für Werte, etwa das Leben nach den zehn Geboten“, sagt Sluyterman.

Während man im Bauhof noch ohne Kreuz auskommt, gibt es jede Menge in den Räumlichkeiten der Heiliggeist-Spital-Stiftung, unter anderem im Foyer, im Margarete-Spiegl-Saal, beim Durchgang zur Kirche und im Speisesaal. Schade: „In den Zimmern entscheiden die Bewohner selbst.“ Kein Thema ist das Kreuz auch in den städtischen Kindergärten wie im Kindergarten Regenbogen. Dort hängt ein Kreuz in der Eingangshalle. Noch ohne Kreuz ist man im neuen „Haus für Kinder“, das im September eingeweiht worden ist. „Das hat aber keinen religiösen Hintergrund“, so Schade, es dauere einfach eine Weile, bis sich alles gefunden habe.

„In unserer Gegend ist das Kreuz noch erfreulich präsent“, sieht Pfarrer Karl Klein, Leitender Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Altenstadt, keinen Handlungsbedarf. Trotzdem freue er sich, dass die bayerische Regierung sich zu den christlichen Wurzeln und Werten bekenne und dies auch sichtbar durch das Anbringen von Kreuzen dokumentiere.

Schwer tue er sich allerdings mit dem Satz des Ministerpräsidenten: „Das Kreuz ist kein Zeichen einer Religion.“ Klein: „Selbstverständlich ist das Kreuz das Zeichen der Christenheit. Und auch wenn der Ministerpräsident es völlig korrekt mit Nächstenliebe, Menschenwürde und Toleranz verbindet, steht das Kreuz noch für viel mehr, nämlich für die ganze Botschaft Jesu, die z.B. auch Vergebung, Feindesliebe, Opferbereitschaft und Selbsthingabe umfasst.“ Klein hält fest: „Das Kreuz darf nicht nur auf die Werte reduziert werden, die einer Partei gerade mehrheitsfähig erscheinen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Knapp 300 Einsatzkräfte in Rottenbuch: Kloster wurde zuvor für knapp 13 Millionen Euro saniert
Nach dem Feuer, das am Dienstagabend im Kloster Rottenbuch im Landkreis Weilheim-Schongau ausgebrochen war und den kompletten Dachstuhl zerstörte, läuft nun die Suche …
Knapp 300 Einsatzkräfte in Rottenbuch: Kloster wurde zuvor für knapp 13 Millionen Euro saniert
„Vom Bauchgefühl ist es ein Totalschaden“
Fassungslosigkeit und Entsetzen herrscht in Rottenbuch am Tag nach dem Brand des historischen Bräuhauses. Wie es mit dem Gebäude weitergeht, ist noch nicht absehbar.
„Vom Bauchgefühl ist es ein Totalschaden“
Großbrand im Kloster Rottenbuch: Fotos am Tag danach zeigen das Ausmaß der Zerstörung
Der Dachstuhl des Klosters in Rottenbuch stand am Dienstagabend in Flammen. Der Brand im Landkreis Weilheim-Schongau löste einen Großeinsatz der Feuerwehr aus. Ermittler …
Großbrand im Kloster Rottenbuch: Fotos am Tag danach zeigen das Ausmaß der Zerstörung
Am Herd mit Andreas Krahl (Grüne):  Lederhosen-Offensive in der Strickfraktion
Beim Essen lernt man die Menschen kennen, heißt es. Was also liegt näher, als mit den zwölf Direktkandidaten für die Landtagswahl aus dem Stimmkreis 131, zu dem auch der …
Am Herd mit Andreas Krahl (Grüne):  Lederhosen-Offensive in der Strickfraktion

Kommentare